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Am Wochenende vor dem Lockdown in Pforzheim

In der Pforzheimer City herrscht Volksfeststimmung

Ausgelassenes Lachen und vor den Restaurants bilden sich lange Schlangen. Die Menschen zieht es in die Restaurants. Wer weiß, wie lange das nicht mehr möglich sein wird.

Alle Hände voll zu tun. Es ist viel los am Samstagabend in der Pforzheimer Innenstadt. Die Menschen genießen nochmals das gemeinsame Essen im Restaurant, wie hier beim Griechen am Marktplatz. Foto: Susanne Roth

Das liegt sicher nicht am Vollmond. Hat wohl auch wenig mit der milden „Halloween“-Nacht zu tun. Die bringt vielleicht ein paar Euro mehr in die Kasse, weil die Gäste auch draußen sitzen können, wenn sie im Restaurant keinen Platz mehr ergattern.

Jedenfalls herrscht in der Innenstadt Pforzheims am Samstagabend eine Volksfeststimmung. Ausgelassenes Lachen, Gruppen strömen aus dem gerade schließenden Kaufhaus. Schlangen bilden sich vor den Restaurants.

Restaurantbesucher empfindet Lockdown als „Freiheitsbeschränkung“

Auch Dominik B. aus dem Enzkreis hat sich vor einer Pizzeria am Marktplatz mit seinem Kumpel postiert. „Wir gehen gern und oft zusammen essen“, sagt er. Als „Freiheitsbeschränkung“ empfindet er den erneuten Lockdown, der ab Montag zu einer Schließung von Bars und Restaurants bis Ende November führt. „Ein ungutes Gefühl“ habe er, sagt Dominik B. und meint damit weniger die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus als vielmehr die Situation der Gastronomen.

Besucher fühlen mit Gastronomen mit

Mit diesen fühlt der junge Mann mit. „Das betrifft ja jeden, vom Pächter bis zur Kellnerin.“ Er werde daher auch Abholservice nutzen, „das habe ich schon im Frühjahr so gemacht“. In den Restaurants jedenfalls hat er sich dank des Hygienekonzepts sicher gefühlt.

Sicherer offenbar als Marco. Der Pforzheimer sitzt mit Freunden vor dem griechischen Restaurant am Marktplatz, weil er sich wegen Corona im Innern nicht sehr wohlfühlt. Ansonsten sei er ein „typischer Gastronomie-Gänger“, sagt er. Sein Gegenüber zuckt mit den Schultern auf die Frage, was den samstäglichen Gang ins Restaurant ersetzen soll. Marco geht es pragmatisch an: „Ich werde neue Rezepte ausprobieren und Zuhause kochen.“

Die beiden jungen Paare, die das Restaurant betreten wollen, werden derweil darauf aufmerksam gemacht, dass „leider ohne Reservierung“ nichts geht. Höchstens draußen. „Zu kalt“, sagt die junge Frau, der man das angesichts eines leichten Ausgeh-Dresses glauben mag. Dominik B. ist indessen schon einen Schritt weiter gekommen im Restaurant gegenüber, an dessen Tresen sich Schlangen vor dem Abholservice bilden. Er sitzt jetzt drinnen. „Wir hatten es zuvor am Schlossberg versucht, aber keine Chance.“

Die Restaurants sind am Samstagabend ausgebucht

Die Restaurants sind an diesem Abend ausgebucht. Auch wenn es optisch nicht so aussehen mag. „Wir müssen ja viel Platz lassen“, sagt Tanja Pfisterer, die das „Burger Heart“ am Schlossberg betreibt und gerade im Restaurant ihres Mannes im „Lehners“ aushilft. Auf einem Tisch türmen sich orange-farbene Thermo-Taschen eines Lieferservice. „Ja, das werden wir so machen. Wir haben es bereits im Frühjahr ausprobiert und auch unsere Homepage umgestellt. Mein Mann war sieben Tage die Woche unterwegs, ich war am Telefon.“ Besser als nichts bedeutet ihr Schulterzucken wohl.

Da ist auch eine Menge Trotz dabei.
Janis Wiskandt, Barbetreiber

Derweil tobt vor den Bars das Leben. Lachen erfüllt die Luft. „Da ist auch eine Menge Trotz dabei. Nach dem Motto: Jetzt hauen wir noch mal richtig auf den Putz“, stellt Janis Wiskandt fest, der zusammen mit Daniel Ghebrederisch die Bar „Eden“ führt und an dem Abend sehr darauf bedacht ist, auf Ordnung zu achten. Den Lockdown im Frühjahr hätten die Leute noch nachvollziehen können, „aber jetzt fehlt die klare Linie. Die Friseure haben geöffnet…“.

Mit der Sperrstunde konnten sich viele noch arrangieren

Mit der Sperrstunde habe man sich noch arrangieren können, aber die Hygienekonzepte seien quasi umsonst gewesen. Janis Wiskandt denkt, dass man so die Leute eher dazu bringe, privat mehr Party zu machen. „Wenn hier Schluss ist geht es Zuhause weiter“, ist er sich sicher. „Letztes Abendmahl“ nennt einer die Stimmung an diesem Abend. Henkersmahlzeit trifft es für manchen Gastronom oder Barbetreiber wohl eher.

Nicht jedes Restaurant bietet Lieferservice

Für die Restaurantliebhaber gibt es im November nur begrenzte Auswahl. Nicht jedes Restaurant kann einen Liefer- oder Abholservice stemmen. Und: „Getränke kann man schlecht liefern“, wie Tanja Pfisterer vom „Burger Heart“ am Schlossberg betont. Unausgesprochen bleibt, was aber kein Geheimnis ist: An den Getränken verdient ein Gastronom am meisten. Die Bereitschaft der Gäste ist zwar groß, die Restaurants auch weiter zu unterstützen und auch mal etwas abzuholen, aber es sei nicht dasselbe.

Die Atmosphäre fehlt am heimischen Tisch. „Und wir können uns ja dann gar nicht mehr treffen, weil wir aus mehr als zwei Haushalten kommen“, sagt eine junge Frau. Einerseits Angst vor einer Infektion, andererseits Fatalismus und „jetzt erst recht-Stimmung“.

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