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Theater Pforzheim legt Bericht vor

In Krisenzeiten geht der Trend zur Unterhaltung

Corona, Krieg und andere Krisen sorgten dafür, dass das am Pforzheimer Stadttheater das Interesse an Musicals stieg. Stücke mit gesellschaftlich brisanten Themen hingegen fanden wenig Zuspruch.

Gebäude
Am Stadttheater sind in Krisenzeiten unterhaltsame Musicals stark gefragt. Beim Personal gibt es Mangel in der Technik. Foto: Jürgen Peche

Die Coronajahre und weitere Krisen wie Krieg in Europa, Energiekrise und hohe Inflation haben für das Stadttheater einen großen Wandel mit sich gebracht. Verwaltungschef Uwe Dürigen sprach in seinem Bericht über die Spielzeit 2022/23 vor dem Kulturausschuss von einer „posttraumatischen Belastungsstörung für unsere ganze Gesellschaft“. 

Zu den Folgen gehöre eine erhebliche Nachfrageverschiebung: Gehobene Unterhaltung und große Namen waren demnach gefragt. So zählten Musicals-Classics wie „Evita“ und „My fair Lady“ zu den großen Rennern mit über 18.000 Besuchern. Gleichzeitig gab es für Produktionen, die eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlich brisanten Themen erfordern, nur verhaltene Nachfrage. Dieser Trend, so Dürigen, gelte für alle deutschen Theater, ja die ganze Kulturlandschaft.

Fachkräftemangel trifft Pforzheimer Stadttheater

Gleichzeitig wurde der tägliche Theaterbetrieb mit neuen Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel konfrontiert. Aktuell sind laut Dürigen sieben Stellen am Stadttheater vakant, davon fünf an technischen Positionen. Das Haus versuche den Mangel durch eigene Ausbildungsbemühungen auszugleichen, da Fachkräfte auf dem Markt kaum zu bekommen seien. Dazu komme interne Qualifizierung als Weg zu mehr Fachkräften und Qualität. Allerdings sei es bisher nicht gelungen, die Stelle eines Beleuchtungsmeisters zu besetzen.

Eine nachhaltige Produktion ist ein wichtiges Ziel des Stadttheaters: Die Photovoltaik-Anlage wurde optimiert, Bühnenbilder möglichst CO2-arm hergestellt, LED-Beleuchtung eingeführt und mehr. Zum Thema Nachhaltigkeit wurden zusammen mit der Hochschule Pforzheim zwei Master-Thesen ausgeschrieben.

Zahl der Besucher steigt

Gegenüber der Spielzeit 2021/22 hat sich in der folgenden Spielzeit die Zahl der Besucher kräftig erhöht, von 52.575 auf 81.066 in eigenen Spielstätten. Die Gastspiele lieferten laut Dürigen mit 5.845 Besuchern einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Hauses. Neu entwickelt wurde ein Jugendabo, für das über soziale Medien wie Instagram geworben werde. Zur Intensivierung der Werbung will Stadtrat Axel Baumbusch (Grüne Liste) bei den Haushaltsberatungen die Einrichtung einer Teilstelle „Soziale Medien“ beantragen. Zur Werbung für das Theater zählen auch expansiv veranstaltete Führungen, auch für Erwachsene, die laut Dürigen intensiv genutzt würden.

Mittel für Diversitätskonzept sollen bereitgestellt werden

Die Theaterpädagogik sei wieder voll besetzt und will ihre mobilen Produktionen an Kitas und Schulen erweitern. Der jahrelange Trend schrumpfender Abozahlen wurde laut Dürigen gestoppt. Dadurch bislang entstandener Rückgang an Besucherzahlen konnte durch den Freiverkauf kompensiert werden. Bei den Kinderabos gibt es eine altersmäßige Staffelung in drei Gruppen. Im kommenden Doppelhaushalt sollen Mittel für ein Diversitätskonzept für alle städtischen Kultureinrichtungen bereitgestellt werden, um breiteren Schichten Angebote und Zugang zu verschaffen.

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder wurde klar der Erhalt des Stadttheaters signalisiert, bei einem jährlichen Zuschussbedarf von immerhin 8,5 Millionen Euro.

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