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Insolventer Verein vor dem Aus

Ist der Pforzheimer Golfclub noch zu retten?

Nachdem die Verhandlungen zwischen dem insolventen Golfclub Pforzheim und der Betriebsgesellschaft gescheitert sind, herrscht Funkstille. Wenn sich nichts tut, könnte der Verein bald Geschichte sein.

Bild aus besseren Tagen: Der Golfclub Pforzheim Karlshäuser Hof steht vor der Auflösung, es sei denn, Verein und Betriebs-GmbH finden eine Lösung für den insolventen Club. Foto: Roland Wacker

Gescheitert seien die Verhandlungen vor allem an der Pachtsumme von 34.520 Euro pro Monat. Die sei für den Golfclub nicht leistbar seien, teilte Insolvenzverwalter Holger Blümle von Schulze & Braun mit. Eine deutlich niedrigere Summe, die der Club vorgeschlagen hatte, akzeptierte die Golfplatz Karlshäuser Hof Betriebsgesellschaft nicht. Daraufhin kündigte Blümle den Pachtvertrag zum 30. September und stellte den Spielbetrieb vor rund vier Wochen ein.

Eine vorzeitige Beendigung des Pachtvertrags wäre denkbar gewesen, wenn die Betriebs GmbH einen neuen Pächter gefunden hätte oder selbst als Pächterin eingesprungen wäre. „Dazu gab es bisher aber keine Rückmeldung”, sagte Ingo Schorlemmer, Pressesprecher bei Schultze & Braun, auf Nachfrage. Bis Anfang des Jahres hatte die GmbH den Golfplatz vom Besitzer gepachtet und an den Club weiterverpachtet.

Wer pflegt am Ende den Rasen? Die Frage des Greenkeepings ist noch offen

Als „zukunftsträchtige Lösung” habe die Betriebsgesellschaft „eine neue Form der Zusammenarbeit vorgeschlagen”, teilt Bernard Olujić mit, der gemeinsam mit Peter Wollmann Geschäftsführer der GmbH ist. Der Golfclub soll künftig ausschließlich für den sportlichen und gesellschaftlichen Bereich zuständig sein. Dazu zählen Abteilungen, Mannschaften, Training und Turniere. Dafür erhalte der Club ein Budget. Die Gesamtverantwortung für den wirtschaftlichen Bereich und das Kerngeschäft wie Clubmanagement, Greenkeeping, Sekretariat und Mitgliederbereich liege bei der GmbH.

Es sieht so aus, als ob wir den Golfclub nicht retten können
Holger, Blümle, Insolvenzverwalter

Die Vorstellungen der GmbH seien aus Sicht des Vereins nicht akzeptabel gewesen, weil er damit seine Selbständigkeit verliere und nur noch als Anhängsel eines wirtschaftlich geführten und von der GmbH dominierten Betreiberkonzepts fungiere, erklärte Insolvenzverwalter Blümle: „Damit sieht es so aus, als ob wir den Golfclub Pforzheim nicht retten können.”

Sobald der Pachtvertrag beendet sei, wolle die GmbH den Spielbetrieb organisieren, sagt Olujić. Außerdem wolle sie die Mitgliedschaft im Deutscher Golfverband (DGV) beantragen. Verhandlungen seien auch über die Vergabe des Greenkeepings, also die Pflege des Rasens, geführt worden. Auch mit der Familie Briem, der das Areal auf dem Karlshäuser Hof in Ölbronn-Dürrn gehört. „Wir haben ein Angebot abgegeben, sind uns aber nicht einig geworden”, sagt Heinz Briem auf Nachfrage.

Mitglieder wandern zu anderen Clubs ab

Das ist für den ehemaligen Vizepräsident des Pforzheimer Golfclubs, Wolfgang Stopp, auch ein Grund für den derzeitigen Stillstand. Stopp, der den Club gemeinsam mit Präsidentin Hannelore Zachmann geleitet hatte, ist seit Mai nicht mehr im Vorstand, aber noch Clubmitglied. Ein bisschen habe er mit der Sache abgeschlossen. Es gebe es aber noch treue Mitglieder, die die 18-Loch-Anlage schätzen und hoffen, dass es weitergeht, so Stopp.

Ende April verzeichnete der Club noch 700 Mitglieder, aber nur noch 450 Vollzahler. „Das ist für den Betrieb zu wenig”, sagt der Ex-Vizepräsident. Eine Wanderbewegung zu den Clubs in Bad Liebenzell und im Johannesthal gebe es. Mit Schnupperangeboten versuchen diese, wechselinteressierte Golfer anzulocken.

Die unterschiedlichen Seiten sind in der Vergangenheit nicht immer pfleglich miteinander umgegangen.
Wolfgang Stopp, ehemaliger Vizepräsident des Golfclubs Pforzheim

„Die Konstellation muss neu verhandelt werden, die unterschiedlichen Seiten sind in der Vergangenheit nicht immer pfleglich miteinander umgegangen. Das wird nun auf dem Rücken der Mitglieder ausgetragen”, sagt Stopp. Die Querelen zwischen Clubpräsidentin Hannelore Zachmann und ihrem Vorgänger Wolfgang Daum, der federführender Gesellschafter der Betriebsgesellschaft ist, ziehen sich seit Jahren. Zankapfel war der Pachtvertrag, der 2010 – neun Jahre vor Ablauf – laut Zachmann „ohne Notwendigkeit” neu aufgesetzt wurde.

Club wirft Daum Bereicherung vor

Der Club warf Daum vor, sich zu bereichern und den Verein in die Insolvenz getrieben zu haben. Mitglieder zeigten ihn wegen des Verdachts auf Untreue an. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Daum warf dem Vorstand vor, den Club abgewirtschaftet zu haben und zieht dafür die deutlich gesunkenen Mitgliederzahlen heran.

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