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Waldpädagogik als große Chance

Karlheinz-Osterwald-Stiftung ermöglicht Waldklassenzimmer im Pforzheimer Wildpark

Weil es bei der Stadt Pforzheim finanziell nicht gerade rosig aussieht, drohte das Projekt Waldklassenzimmer endlos verschoben zu werden. Die Karlheinz-Osterwald-Stiftung will das Vorhaben retten – unter einer Bedingung.

Naturpädagogik: Nahe des Kindergartens am Wildpark (im Bild) soll nächstes Jahr mit dem Bau eines Holzhauses begonnen werden Foto: Jürgen Peche

Der Pforzheimer Wildpark entwickelt sich immer mehr zum naturpädagogischen Zentrum: Zum Bauernhof mit Streichelzoo für die ganz Kleinen im Wildpark und dem direkt angrenzenden Waldkindergarten soll sich bald an der Fortsetzung der Hagenschießstraße ein Waldklassenzimmer für Schulkinder gesellen.

Baubeginn für ein Holzhaus als Unterkunft des grünen Klassenzimmers ist bereits für nächstes Jahr geplant. Das Haus soll Ausgangspunkt für Führungen in den umgebenden Stadtwald sowie Treffpunkt für Veranstaltungen und Projekte auch bei schlechtem Wetter sein. Kooperationen mit Schulen würden zudem stunden- oder tageweise Unterricht in Klassenstärke erlauben, bei dem der Wald im Mittelpunkt steht.

Pforzheim hat Nachholbedarf in der Waldpädagogik

Betrieben werden soll das Waldklassenzimmer von der Forstverwaltung innerhalb des Amts für Umweltschutz. Nach dem Schlüssel des Landes ergibt sich aus den Pforzheimer Schülerzahlen die Zahl von 100 Veranstaltungstagen mit Waldpädagogik. Mit gerade einmal zehn Tagen hat die Stadt großen Nachholbedarf.

Vom Land wurde der Stadt im Jahr 2020 schon mal eine Erstausstattung von Materialien für waldpädagogische Führungen zur Verfügung gestellt. Zudem finanziert das Land eine dreiviertel Stelle für das nötige Personal. An Mitteln für geeignete Räumlichkeiten für die praktische Umsetzung fehlte es aber bislang.

Zunächst hat das Amt für Umweltschutz für die Jahre 2022 und 2023 für den Bau des Waldklassenzimmers 200.000 Euro für den Haushalt angemeldet. Die Finanzierung aus Eigenmitteln der Stadt wurde dann auf den Haushalt 2024/2025 zurückgestellt. Da auch dann kaum mit einer rosigen Finanzlage zu rechnen ist, drohte das Projekt auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben zu werden.

Stiftung rettet die endlos verschobene Idee

Da tauchte die Rettung auf in Gestalt der Karlheinz-Osterwald-Stiftung, die vom Baudezernat als Geldgeber angesprochen wurde. Die Bürgereinrichtung unterstützt nun das Vorhaben mit 200.000 Euro, also den bislang bekannten Gesamtkosten des Gebäudes, das im Gegenzug den Namen „Karlheinz-Osterwald-Haus“ tragen soll. Das Waldklassenzimmer ist als Schwerpunkteinrichtung innerhalb der Waldpädagogik ausgewiesen, nachdem das Land die „Bildungsoffensive Wald“ ins Leben gerufen hat.

Seit 2019 ist die Waldpädagogik Teil des Bildungsauftrags und als gesetzliche Pflichtaufgabe der Forstbehörden verankert. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat als Ziel definiert, dass künftig ein Drittel der Schüler in Baden-Württemberg die Möglichkeit erhalten soll, während der Schulzeit zweimal an einer eintägigen waldpädagogischen Veranstaltung und einem mehrtägigen Projekt teilzunehmen.

Waldpädagogik soll Inklusion und Integration stärken

Das deckt sich mit der Einschätzung der Verwaltung, die für Pforzheim ein enormes Potenzial für die Wald- und Umweltpädagogik sieht. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen in den Innenstadtbereichen werde eine fortschreitende Entfremdung des Menschen von der Natur festgestellt. „Wir sehen in der Waldpädagogik eine große Chance, das Bewusstsein der Natur in der Bevölkerung zu stärken“, sagte Bürgermeisterin Sibylle Schüssler (Grüne) jüngst in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses zu dem Vorhaben.

Als familienfreundliche Stadt will Pforzheim neben den Schulen und Kindergärten auch außerschulische Angebote wie Ferienprogramme mit dem Waldklassenzimmer verbinden. Auch Inklusion und Integration sollen durch geeignete Veranstaltungen gefördert werden. Am vorgesehenen Standort, einer früheren Sturmwurffläche von Orkan Lothar, soll später noch ein Schulwald angelegt werden.

Mario Seefelder von der Forstbehörde betreut das Projekt, das bald in Gang kommen soll. „Derzeit finden Vorgespräche mit einem Ingenieurbüro statt, das die Planung übernehmen soll“, so der Forstmann. Nach dem Baubeginn noch möglichst 2022 soll das Holzhaus 2023 bezugsfertig sein.

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