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Kirche in Hotspot-Gemeinden

Keine Gottesdienste an Weihnachten in Pforzheimer Kirchen

Sie haben das Weihnachtsprogramm mühsam geplant mit Hygienekonzept und Sicherheitsvorkehrungen, doch nun haben die Kirchen in Pforzheim und Enzkreis ihre Präsenzgottesdienste wegen Corona weitgehend abgesagt.

Bleibt zu Weihnachten leer: Viele Kirchengemeinden in Pforzheim und dem Enzkreis haben ihre Gottesdienste an Weihnachten wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Auch die Herz-Jesu-Kirche in Pforzheim wird - bis auf einzelne Besucher leer bleiben. Foto: Daniel Streib

„Es ist zwar viel Arbeit, das Programm umzustellen. Doch wir waren darauf eingestellt und stehen nicht vor dem Nichts“, sagt die evangelische Dekanin Christiane Quincke. Viel alternatives Programm wie Hausandachten zum Runterladen und Videoimpulse seien ohnehin geplant gewesen und wurden nun weiter ausgebaut.

Dabei habe die evangelische Kirche die Erfahrung aus dem ersten Lockdown vor Ostern nutzen können, so Quincke. Trotz des umfangreichen Programms im Internet sei sie dennoch traurig, wenn sie an die Kirchgänger denke, die gerne zum Gottesdienst gekommen wären und das Online-Angebot nicht nutzen können.

Klar sei: „Auch wenn Weihnachten nicht so sein wird wie sonst, es findet trotzdem statt“, betont die Dekanin. Zwar in diesem Jahr etwas „karg, ungeplant und mit großen Herausforderungen“ – damit sei es aber näher an der Ursprungsgeschichte und dem Kerngedanken, um den es beim Fest geht.

Weihnachten findet trotzdem statt.
Christiane Quincke, Dekanin der evangelischen Kirche Pforzheim

Unter der Internetadresse evkirche-pf.de ist das Programm der evangelischen Kirche in Pforzheim nachzulesen. An Heiligabend können Gläubige beispielsweise ökumenische Hausgottesdienste und Video-Gottesdienste von verschiedenen Gemeinden im Internet sehen. Außerdem wird ab 22 Uhr ein Zoom-Gottesdienst der Friedensgemeinde online gestellt, sagt die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Claudia Becker.

Außerdem ist die Website mit einer digitalen Krippe verlinkt, bei der Figuren die Weihnachtsgeschichte erzählen. Das Krippenspiel der Pfarrgemeinde Mühlhausen, bei dem insgesamt 90 Kinder mitwirken und das in Kleingruppen gefilmt wurde, soll ebenfalls am 24. Dezember freigeschaltet werden.

Gemeinden setzen auf Livestream und Podcast

Das Programm für die Feiertage soll ab Montag bekannt gegeben werden. Noch unklar ist auch, welche Kirchen wann für kleine Gruppen und Gebete öffnen. Die Schutzkonzepte werden für jede Kirche je nach Größe unterschiedlich sein. Ein Aushang weise aber am Eingang darauf hin, so Becker. Das alternative Kirchenprogramm geht mindestens bis 10. Januar weiter. Wenn auch nicht in der Fülle wie an Weihnachten.

Alle 16 evangelischen Gemeinden im Badischen Enzkreis haben bis auf Niefern und Stein Präsenzgottesdienste bis 10. Januar abgesagt. Sie setzen stattdessen auf Audio-Gottesdienst per Podcast, Gottesdienst per Livestream, Video oder Aufzeichnung. Anders in Niefern und Stein: Hier finden die Gottesdienste im Präsenzmodus nur statt, wenn die 7-Tages-Inzidenz unter 300 pro 100.000 Einwohnern bleibt.

Es könne also gut sein, dass die Gottesdienste noch abgesagt werden, teilt Claudius Schillinger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, mit. Am Montagabend entscheidet der Kirchengemeinderat in Niefern, welche Gottesdienstangebote dann angeboten werden.

Auch Katholiken setzen auf Online-Gottesdienste

Auf Online setzt auch die katholischen Kirche: „Schweren Herzens, nach reiflichem Nachdenken und Gebet“ habe er entschieden, vom 19. Dezember bis 10. Januar alle Gottesdienste in den Kirchen abzusagen, schreibt Georg Lichtenberger, Leitender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Pforzheim.

Die Entscheidung sei gefallen „angesichts der bitterernsten Lage in unserer Stadt“ und nach einem Appell vom Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch und Landrat Bastian Rosenau an alle religiösen Gemeinschaften.

Ins Wasser fallen auch die ökumenischen Gottesdienste am Nachmittag des Heiligen Abends, die im Flyer „Weihnachten unterm Sternenhimmel“ veröffentlicht sind.

Die Entscheidung ist gefallen angesichts der bitterernsten Lage in unserer Stadt.
Georg Lichtenberger, Leitender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Pforzheim

Erst wenn die 7-Tages-Inzidenz für Pforzheim dauerhaft und deutlich sinkt, soll über die Wiederaufnahme der Präsenzgottesdienste beraten werden. Die Kirchen St. Franziskus, Herz-Jesu, St. Antonius, Liebfrauen, St. Elisabeth sind täglich von 9 bis 18 Uhr und am 24. Dezember bis 22 Uhr geöffnet. Bis zu 30 Personen dürfen sich gleichzeitig unter Beachtung des Hygienekonzepts in den Gotteshäusern aufhalten, so Lichtenberger.

In den Kirchen gebe es Anregungen für Hausgottesdienste, geistliche Impulse und an den Weihnachtsfeiertagen kleine Weihnachtsüberraschungstüten. Außerdem seien die Gläubigen in bestimmten Zeiträumen und in Gruppen bis zehn Personen von 10 bis 12 Uhr und an Heiligabend von 20 bis 22 Uhr zum Empfang der Heiligen Kommunion eingeladen.

In Eutingen findet der Gottesdienst am Sonntag (10.45 Uhr) in der Kirche St. Josef statt, aber mit beschränkter Teilnehmerzahl. Auch in den katholischen Gemeinden Bilfingen, Dürrn, Ersingen, Ispringen, Niefern-Öschelbronn, Wilferdingen und Stein finden die Gottesdienste am Wochenende statt, teilt das Katholisches Dekanat mit.

Kirchen bleiben auch in den Biet-Gemeinden offen

Der katholische Pfarrgemeinderat von Neuhausen und Tiefenbronn hat diese Empfehlung ebenfalls umgesetzt. Im Biet findet also kein Präsenzgottesdienst statt, bestätigt Pfarrer Wolfgang Kribl. In einem Faltblatt sollen die Mitglieder noch darüber informiert werden. Die Kirchen sollen offen bleiben; mit roten Punkten sind die Plätze markiert. In den Kirchen sollen auch Vorschläge ausliegen, wie man zuhause feiern können.

Der Vorstand der Fatih Moschee hat beschlossen, die Moschee bis Jahresende zu schließen und keine Gottesdienste abzuhalten. „Wir möchten damit ein Zeichen für die gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung zeigen, die wir alle haben, und mit guten Beispiel zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger vorangehen“ teilt Yavuz Cevik mit.

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