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Ärzte sehen besorgniserregende Lage

Kliniken in Pforzheim: Immer mehr junge Menschen erkranken an Covid-19

Die Lage in den Kliniken in Pforzheim bezeichnen Mediziner als ernst. Mussten sie in den ersten beiden Pandemie-Wellen überwiegend alte und ältere Menschen behandeln, haben sie es in der dritten Welle vor allem mit jungen Patienten zu tun. Die Verläufe sind schwer.

Das Gesundheitsamt Pforzheim/Enzkreis und Klinikärzte informierten über die aktuelle Lage in den Krankenhäusern der Region. Diese ist derzeit besorgniserregend. Foto: René Ronge

Kurzfristig habe es kein einziges freies Bett gegeben mit der Möglichkeit, den betreffenden Covid-Patienten zu beatmen. Eine andere Klinik konnte aushelfen. Der Vorfall von vergangener Woche, den Facharzt Stefan Pfeiffer vom Krankenhaus Mühlacker exemplarisch schilderte, zeigt wie dramatisch die Lage in den Kliniken der Region ist.

Ob in Mühlacker oder in Pforzheim am Siloah St. Trudpert und am Helios: Die Zahl junger Covid-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen ist in der dritten Pandemie-Welle exponentiell gestiegen, so der Grundtenor beim digitalen Pressegespräch, zu dem das hiesige Gesundheitsamt Mediziner aus Kliniken, Praxen und Ambulanz eingeladen hatte. Landrat Bastian Rosenau sprach von einem eindeutigen Trend, der Sorge bereite.

Chefarzt Felix Schumacher vom Helios berichtete von einem unter 40-jährigen Vater eines Grundschülers, der sich bei seinem Kind angesteckt hat und nun am Beatmungsgerät hängt. Thushira Weerawarna, Chefarzt am Siloah erzählte von seinem derzeit jüngsten Patienten, einem 31-Jährigen mit schwer kaputter Lunge.

„Es ist etwas anderes, wenn wir alte Patienten beim Sterben begleiten, als wenn wir mit einem jungen Menschen um dessen Leben kämpfen“, ergänzte Pfeiffer und brachte auf den Punkt, worunter auch Mediziner und Pflegekräfte zunehmend leiden. Menschen, die seit Monaten ohnehin unter Dauerbelastung stehen, sind an ihren Grenzen. Es sei schwer, ihren Enthusiasmus bei der Stange zu halten, so Weerawarna.

Wir haben den Gipfel noch lange nicht erreicht.
Felix Schumacher, Helios Klinikum

Mit Blick darauf, dass sich viele Leute um Ostern infiziert hätten, befürchtet Schumacher: „Wir haben den Gipfel noch lange nicht erreicht.“ Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen appellierte der Mediziner an alle, das Gesundheitssystem zu entlasten und die Lockdown-Maßnahmen zu akzeptieren. Weerawarna warnte: „Wenn wir voll sind, ist es zu spät. Wir müssen jetzt agieren.“

Auch die Krankheitsverläufe in der dritten Corona-Welle länger

Mehr junge Patienten und deutlich längere Krankenhausaufenthalte prägen die dritte Welle. Aber es gibt auch Fakten, die hoffnungsvoll stimmen: „Wir verzeichnen deutlich bessere Überlebenschancen“, so Schumacher. Die Klinikärzte registrieren auch eine weit geringere Sterblichkeit bei älteren Covid-Patienten – eine Folge der Impfungen.

Lassen Sie sich impfen, das ist der Weg aus der Pandemie heraus.
Dirk Büscher, Bürgermeister Pforzheim

Die Aussicht auf mehr Impfstoff ist für die Mediziner entscheidend dafür, dass sich die Lage großflächig entspannt. Landrat Rosenau sprach daher von einer Aufbruchstimmung. Impfen und Testen, heißt die Devise. „Lassen Sie sich impfen, das ist der Weg aus der Pandemie heraus“, sagte auch Pforzheims Bürgermeister Dirk Büscher (CDU). Gleichwohl Kreisbrandmeister Carsten Sorg mit Verweis auf nur zur Hälfte ausgelastete Impfzentren kritisierte: „Wir fahren immer noch mit gezogener Handbremse.“

Für die kommende Woche erhält Pforzheim zunächst weniger Impfdosen als bestellt, danach sollen es mehr werden, allerdings gebe es noch keine Lieferzusage.

Pforzheimer Arzt bezeichnet fortdauernde Diskussion über Corona-Impfstoffe als schädlich

Der Gynäkologe Markus Haist legte Zahlen vor: 63 Pforzheimer Praxen haben bislang mehr als 3.200 Personen geimpft, im Enzkreis verabreichten 71 Praxen knapp 3.700 Menschen ein Vakzin. Das Impfzentrum in Pforzheim impfte rund 20.700 Personen, das in Mönsheim rund 25.000. „Wir sind auf einem guten Weg“, folgerte Haist.

Die fortdauernden Diskussionen über Impfstoffe bezeichnete er als schädlich. Zum Thema Astrazeneca erklärten die Klinikärzte, dass es eher nach der ersten Impfung Komplikationen gebe. Aufgrund von Biomarkern könne man solche rechtzeitig nachweisen. Schumacher betonte, was für jeden Impfstoff gelte: „Die Erstimpfung schützt zu einem erheblichen Teil vor einer schweren Covid-Infektion.“

Klinikeinweisungen konnten verhindert werden

Von ambulanter Seite wusste Pandemie-Beauftragte Nicola Buhlinger-Göpfarth, die als erste Hausärztin in Pforzheim gegen Covid impfte, Positives zu berichten. Aufgrund aktueller Studien und neuer Erkenntnisse sei es kürzlich gelungen, bei drei Erkrankten eine Klinikeinweisung zu verhindern. Der Einsatz bestimmter Sprays und medizinischer Geräte sei entscheidend gewesen. „Wir haben an Professionalität und Schnelligkeit bei den Abläufen gewonnen.“

Für einen weiteren Stimmungsaufschwung in ihrem Team in der Gemeinschaftspraxis macht Buhlinger-Göpfarth die Impfungen verantwortlich. Sie sprach von stündlich vier bis sechs. „Wir haben das in die Regelversorgung integriert.“ Die Ärztin glaubt, dass spätestens im Mai eine große Anzahl von Menschen geimpft sein wird und appelliert an Menschen, die bei einem Impfzentrum waren, auch für ihren zweiten Termin dorthin zu gehen und nicht plötzlich zum Hausarzt zu wechseln. Andernfalls gebe es Probleme bei der Terminkoordination.

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