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Prozess um getöteten Pforzheimer Schmuckhändler

Lebenslänglich: Edelsteinhändler legt Revision gegen Mord-Urteil ein

Der Edelsteinhändler, der wegen Mordes an einem Pforzheimer Schmuckhändler zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist, hat nach dem Urteil des Karlsruher Landgerichts Revision eingelegt. Bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) kann es allerdings einige Monate dauern.

Revision eingelegt: Der Edelsteinhändler (hier mit seinem Verteidiger Marvin Schroth, rechts) wurde von der Landgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er will das Urteil von Bundesgerichtshof überprüfen lassen. Foto: Torsten Ochs

Wegen Mordes, Unterschlagung von Schmuck und dem Besitz von kinderpornografischen Bildern und Videos hat die Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht den 37-jährigen Edelsteinhändler am 14. August wie berichtet zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Kammer mit dem Vorsitzenden Richter Alexander Lautz sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte den Schmuckhändler am 21. Juni 2019 vorsätzlich und heimtückisch ermordet hat. Er wurde außerdem dazu verurteilt, 100.000 Euro an Schmerzensgeld und und Schadensersatz an die Angehörigen des Schmuckhändlers zu bezahlen. Hinzu kommen die Prozesskosten in Höhe von 15.000 Euro.

Derzeit werde das Urteil von der Kammer noch geschrieben. Bei einem langen Prozess mit 22 Verhandlungstagen könne das rund drei Monate in Anspruch nehmen, erklärt Carolin Kley, Richterin am Landgericht und Pressesprecherin in Strafsachen.

Erst danach könne der Edelsteinhändler aus dem Landkreis Calw begründen, was er rügt: formelle oder materielle Fehler, so Kley. Ein formeller Fehler wäre beispielsweise ein Verfahrensfehler – etwa wenn ein Angeklagter an einem Prozesstag nicht verteidigt worden wäre.

Hinter einem materiellen Fehler könne eine falsche Wertung eines Sachverhalts stecken, die zu einer falschen Strafzumessung führe. Kley rechnet damit, dass es mindestens sieben oder acht Monate dauert, bis der Bundesgerichtshof eine Entscheidung gefällt hat. Bis dahin bleibt der 37-Jährige in U-Haft.

Hat die Revision Erfolg, wird neu verhandelt

Wenn der BGH keine Fehler sieht, wird das Urteil rechtskräftig. Sollte die Revision Erfolg haben, muss das Verfahren am Landgericht Karlsruhe von einer anderen Kammer erneut verhandelt werden, so Kley.

Seit 19. März zog sich der Prozess vor dem Landgericht. Manche Fragen konnten nicht ganz geklärt werden, etwa, was sich genau beim Geschäftsessen im Büro des Täters in der Pforzheimer Stolzestraße abgespielt hat und welches Motiv er hatte, den Schmuckhändler zu ermorden.

Die Kammer war davon ausgegangen, dass der Edelsteinhändler eine „maßlose Wut” auf seinen Geschäftspartner hatte, weil er glaubte, dass dieser ihn hintergehe. Ein anderes Motiv für die Tat sei nicht ersichtlich gewesen, begründete Richter Lautz das Urteil. Der 37-Jährige habe den Schmuckhändler mit K.-o.-Tropfen betäubt, um ihn zu töten.

Wut als Tatmotiv

Gestorben war der 57-jährige Pforzheimer an der Vergiftung in Kombination mit Ersticken. Dass er die Leiche anschließend beseitigt hat, hatte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses eingeräumt. In seinem Auto hatte er den toten Schmuckhändler ins Elsass gefahren, auf einem Feldweg abgelegt und angezündet.

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