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Italiener in der Innenstadt

Liegt´s an Corona? Aposto in Pforzheim macht dicht

Das italienische Lokal Aposto in Pforzheim wird nicht mehr öffnen. Laut Einschätzung des Gaststättenverbandes Dehoga ist es die erste coronabedingte Schließung in Pforzheim. Wie es zu dem Drama kam – und warum auch der Insolvenzverwalter den Betrieb nicht mehr retten konnte.

Aus nach 13 Jahren: Als das Aposto 2007 öffnete, war Kellner Bruno Martins (links) bereits dabei. Nun schließen er und Betriebsleiter Tobias Feucht das Aposto zu. Foto: Susanne Roth

Das Wunder ist ausgeblieben beim italienischen Franchise-Restaurant Aposto nahe des Pforzheimer Hauptbahnhofs. Obwohl man noch Ende November Durchhalteparolen auf Facebook postete, schließt das Restaurant nun.

Für Betriebsleiter Tobias Feucht und Kellner-Urgestein Bruno Martins ist es ein Schock. „Für mich ist im Moment eine große Leere da. Ich muss das jetzt erst einmal sacken lassen“, sagt Feucht. Und Martins, der seit der Eröffnung 2007 für viele Kunden das Gesicht des Apostos war, kam die Nachricht „relativ überraschend“. Als die Belegschaft am Dienstag vorab informiert wurde, so berichtet Martins, seien Tränen geflossen. Auch bei ihm, der als Fußballtrainer des 1. FC Birkenfeld normalerweise nicht so nah am Wasser gebaut ist.

Dehoga warnt vor weiteren Restaurant-Schließungen

Laut Frank Daudert vom Gaststättenverband Dehoga in Pforzheim gab es zuvor keine coronabedingte Geschäftsaufgabe in der Region. „Jedenfalls nicht, dass ich wüsste“, sagt er. Doch das Aposto könne erst der Anfang einer größeren Entwicklung sein. „Die nächsten vier, fünf Monate werden sehr hart“, meint Daudert. „Für viele sind der Oktober und der November die wichtigsten Monate. Damit muss man die Saure-Gurken-Zeit im Januar und Februar überbrücken.“ Den März, so befürchtet er, werden auch noch andere Betriebe nicht mehr erleben.

Beim Aposto kam neben Corona noch etwas anderes hinzu. Als Feucht 2019 die Betriebsleitung übernahm, habe man einige Reparaturen machen müssen, beispielsweise die Außenterrasse erneuern. Zudem habe man schon zuvor am Standort zu kämpfen gehabt. Das wäre aber kein Problem gewesen – wäre 2020 ein Jahr wie jedes andere gewesen. Doch nach 59 Schließungstagen im ersten Lockdown war die Lage schon angespannt. Die Hilfe? Fiel mau aus. Kaum dass man im Mai wieder öffnete, seien Forderungen gekommen. Die gestundete Pacht, die gestundeten Kosten fürs Wasser, die Krankenkasse und einiges mehr, das sollte alles zurückbezahlt werden. Und die Betriebsunterbrechungsversicherung habe bislang nichts bezahlt.

Insolvenz wurde bereits im Oktober angemeldet

Als dann Ende September die Corona-Anpassungen im Insolvenzrecht ausliefen, sei der Weg in die Insolvenz unvermeidlich gewesen. Am 6. Oktober wurde laut der Enchilada-Group, die die Aposto-Restaurant betreibt, beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Auch dann hatte das Team um Feucht und Martins nicht aufgegeben, es mit Lieferdienst versucht. Allerdings ohne den entscheidenden Erfolg.

Am Ende war alles umsonst. „Endgültig schließen müssen wir nun aufgrund der unklaren Aussichten für die Gastronomie im neuen Jahr und weil das Restaurant aus wirtschaftlichen Gründen nicht für die Novemberhilfen in Frage kommt. Darüber hat uns der Insolvenzverwalter am Montag endgültig informiert“, sagt Feucht.

Unternehmensgruppe möchte „möglichst viele Mitarbeiter“ halten

Den zwölf Mitarbeitern wie dem 39-jährigen Bruno Martins werde nun fristgerecht gekündigt. „Ich bin mir sicher, dass die jede Stein umgedreht haben“, sagt er. Nun gehe die Suche nach Arbeit los, und das in einer Branche, in der ohnehin fast alle Angestellten derzeit in Kurzarbeit sind aufgrund des zweiten Lockdowns. „Ich habe trotzdem Hoffnung“, sagt Martins. Immerhin, so teilt ein Sprecher der Enchilada-Group auf Nachfrage mit, würden einigen Mitarbeitern Folgejobs angeboten. „Es wird versucht, möglichst viele Mitarbeiter in den weiteren Restaurants der Gruppe unterzubringen. Den Mitarbeitern wurden auch bereits aktiv Stellen angeboten“, sagt der Sprecher.

Und so bleiben vor allem die Erinnerungen von Martins, der das Aposto von Anfang bis Ende begleitet hat. Etwa an den „Weihnachtsmann“. „So haben wir ihn genannt. Das war ein bärtiger Mann, der immer auf der anderen Straßenseite stand und den wir dann mal auf einen Tee oder einen Kaffee eingeladen haben.“ Das habe das Aposto auch irgendwie ausgemacht.

„Auch für meine Familie und Freunde bricht ein großer Teil ihres Lebens weg“
Bruno Martins, Mitarbeiter im Aposto

Und dann habe er seine Kicker natürlich auch immer wieder in das Lokal geführt. „Der 1. FC Birkenfeld hat da schon gut Umsatz gemacht“, sagt er verschmitzt. „Auch für meine Familie und Freunde bricht ein großer Teil ihres Lebens weg“, sagt Martins. Gerade noch habe er mit seiner Tochter im Aposto ihren ersten Geburtstag gefeiert, der Sohn habe immer mal wieder mitgeholfen, was dann häufig auf Pizzaessen hinausgelaufen sei. „Mein Kleiner war sehr gern und oft da“, sagt Martins. Damit ist es nun vorbei.

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