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Burger, Kaffee und Einsätze

Mehr Follower für den Ernstfall: Polizei Pforzheim sorgt mit Twitter-Marathon für Unterhaltung

An einem ruhigen Samstagabend probt die Öffentlichkeitsabteilung des Polizeipräsidiums Pforzheim für den Ernstfall. Damit will sie für Szenarien wie zuletzt in Wien gewappnet sein. Der Abend ist ruhig und trotzdem ein Erfolg.

Einsatz in der Holzgartenstraße: Längst nicht nur hier in Pforzheim hatte die Polizei am Samstagabend zu tun. Insgesamt war es aber vergleichsweise ruhig. Foto: Igor Myroshnichenko

Zwei Burger, drei Kaffee und 46 Tweets: Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Pforzheim hat die Online-Community am Samstagabend sechs Stunden lang mit einem Twitter-Marathon unterhalten. Dabei gab es Fakten wie die Zahl der Streifenwagen im Präsidiumsbereich (235), Smalltalk („Seid ihr eigentlich noch alle wach?“) und vor allem viele Infos zu den laufenden Einsätzen in Pforzheim, im Enzkreis sowie den Landkreisen Calw und Freudenstadt.

Dafür muss man eine Community aufbauen, in die man die Infos streuen kann.
Dirk Wagner, Pressesprecher

Die unterhaltsame Aktion hat einen ernsten Hintergrund: In großen Gefahrenlagen, wie es sie zuletzt bei einem Anschlag in Wien oder vor vier Jahren in München gab, will die Polizei in der Lage sein, größere Teile der Bevölkerung über Social Media zu erreichen und zu informieren. „Dafür muss man eine Community aufbauen, in die man die Infos streuen kann“, erklärt Pressesprecher Dirk Wagner, der am Samstagabend an der Aktion beteiligt war.

Polizeipräsidium musste vor einem Jahr mit null Followern anfangen

Das Pforzheimer Polizeipräsidium ist noch kein Jahr alt. „Wir mussten in unseren Kanälen in den Sozialen Medien bei null anfangen“, sagt Wagner. Man pflege die Accounts regelmäßig, Pressemitteilungen über relevante Ereignisse gehen aber wie der Name schon sagt zunächst an die Presse. Aktionen wie der Twitter-Marathon bringen einen merklichen Zuwachs bei den Followern. Beim ersten Mal im Mai gewann man 100 Menschen hinzu, am Samstag nun weitere 70, insgesamt sind es damit Stand Samstag 1.437.

Für die Pressestelle der Polizei war es aber nicht nur deswegen ein erfolgreicher Abend. Die Aktion diente gleichzeitig als Test in Einsatzkommunikation via Social Media. „Funktionieren die Abläufe? Wie schnell kommen wir an die Infos, die man weitergeben muss?“, benannte Wagner eingangs des sechsstündigen Testlaufs zentrale Fragen. Am Ende, eine Stunde vor Mitternacht, zeigte er sich zufrieden. „Wir konnten verschiedene Szenarien durchspielen.“

Der ruhige Samstagabend ist für die Polizei gleich in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg

Und was war los an dem Abend? Die Kollegen im Einsatz sicherten die Straße, als der Abschleppdienst ein unbeleuchtetes Pannenfahrzeug aus dem Weg schaffte. Sie kümmerten sich um Blechschäden und ein überfahrenes Tier. Sie eilten zu einem Streit, der dann vor ihrem Eintreffen beendet sein sollte, aber auch zu einer Auseinandersetzung im östlichen Enzkreis, bei der ein Messer im Spiel gewesen sein soll.

In den Stunden vor dem Twitter-Marathon passierte Gravierenderes. Auf der Bundesstraße 10 bei Mühlacker kam eine 18 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Fahrzeug von der Straße ab, krachte frontal gegen einen Baum und verletzte sich dabei schwer. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden, die Bundesstraße war zeitweilig gesperrt.

Einen Aufreger gab es in der Pforzheimer Hermannstraße, wo die Polizei mit größerem Aufgebot anrückte, nachdem ein Streit und eine Pistole gemeldet wurden. Wie sich herausstellte, hatte einer der Streithähne während des Streits lediglich mit seiner Hand eine Pistole geformt. Der Einsatz konnte beendet werden.

Es war ein sehr ruhiger Samstagabend. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Dirk Wagner, Pressesprecher

Dagegen mutete der Abend weniger aufregend an. In der Tat: 20 Einsätze zu Beginn, noch zwölf gegen Ende, darunter offenbar keine schweren Fälle, ließen Sprecher Wagner bilanzieren: „Es war ein sehr ruhiger Samstagabend. Hoffen wir, dass es so bleibt.“

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