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Anwohnerbeschwerden

Millioneninvestition für den Lärmschutz: Müller-Fleisch in Birkenfeld möchte leiser werden

Der Birkenfelder Fleischfabrikant Müller reagiert auf Beschwerden der Anwohner und will Millionen für den Lärmschutz ausgeben. Der Plan ist umfangreich - und keineswegs nur selbstlos.

Mehr Rücksicht beim Verkehr: Müller-Fleisch will den Lärmschutzforderungen mit einem Millioneninvest nachkommen. Foto: Herbert Ehmann

Es war eine etwas skurrile Szene im Frühjahr 2020. Während die Behörden sich noch scheuten, Ross und Reiter beim Corona-Ausbruch bei Müller-Fleisch in Birkenfeld zu nennen, verblüffte die FDP-Landtagsfraktion mit einer Stellungnahme zum Lärmschutz beim Fleischproduzenten. Man könnte es fast als Zeichen von zurückkehrender Normalität nach rund 500 Corona-Infizierten werten, wenn sich nun Kommune, Unternehmen und zahlreiche weitere Behörden auf einen Lärmminderungsplan einigen konnten.

Es gehe darum, „die Bürgerschaft vor Lärm zu schützen und die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten”, formuliert es Birkenfeld Bürgermeister Martin Steiner in einer Mitteilung. Anwohner in Birkenfeld - wie übrigens auch in der Pforzheimer Herrenstrietsiedlung - hätten sich demnach öfters beschwert.

Daher hätten Gemeinde Birkenfeld, Stadt Pforzheim, Müller-Fleisch und das Regierungspräsidium Karlsruhe diesen Plan ausgearbeitet. „Sofern keine ausreichende Verbesserung der Situation eintritt, sieht der Lärmminderungsplan die Ausarbeitung und Umsetzung weiterer Maßnahmen vor”, teilt Steiner weiter mit.

Bei Müller-Fleisch selbst kommuniziert man offensiv, spricht in einer Mitteilung von Investitionen „in Millionenhöhe”. Wobei manche der Maßnahmen auch wirtschaftlich sinnvoll sind, wie ein Sprecher bestätigt. Man wolle damit „den Standort fit für die Zukunft” machen. Aber natürlich sei der Anlass der Lärmschutz. „Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber den Anwohnern bewusst”, sagt Geschäftsführer Stefan Müller, betont nochmals den „erheblichen technischen und finanziellen Aufwand”.

Lkw werden nachts kaum noch betankt

Der Plan ist in zwei Passagen untergliedert: was schon gemacht wurde, und was demnächst ansteht. So habe das Unternehmen seit Mai kaum noch in der Nacht seine Lastwagen betankt, rüstet auf neue Modelle um. Andere Maßnahmen wurden schon 2019 oder Anfang 2020 umgesetzt, gerade auch im Bereich der Kühlung. Seit Mai hat der Abluftkamin der Schlachthalle einen Schalldämpfer.

Neu hinzu kommen ein paar bauliche Maßnahmen, allen voran verschiedene Lärmschutzwände entlang des Hochwasserschutzes an der Enz und rund um die Tankstelle. Einige sind neu, andere Verbesserungen bestehender Wände. Im Bereich des Waldmeisterwegs in Pforzheim, so teilt die Gemeinde Birkenfeld mit, gehe man von einer Pegelminderung von bis zu 3,3 dbA (tags) beziehungsweise 2,1 (nachts) aus - und das betrifft nur eine der Maßnahmen. Die Bauanträge wurden laut Firma gestellt.

Abluftsystem wird überarbeitet

Noch im August sollen an einzelnen Stellen Kulissenschalldämpfer angebracht werden, dazu will man auch teilweise das Abluft-System der Schlachthalle angehen - auch da sind einige Ventilatoren zu laut. 2021 sollen dann auch die Kälteanlagen angegangen und teilweise ausgetauscht werden, gleiches gilt für eine Verflüssigungsanlage. Und zu guter Letzt sollen auch noch die Rangierfahrzeuge auf Elektroantrieb umgerüstet werden.

Bei den Müller-Kritikern der FDP jedenfalls bewertet man den Plan positiv. „Die angedachten zusätzlichen Maßnahmen begrüße ich”, sagt der Pforzheimer Stadtrat Hans-Ulrich Rülke, dessen Wahlkreis für den Landtag Birkenfeld mit einschließt. „Entscheidend wird allerdings sein, ob diese dazu geeignet sind, die notwendige Schallreduzierung, insbesondere für den Bereich der Herrenstriet-Siedlung zu erzielen. Sollte dies nicht der Fall sein, so muss es - wie in dem Papier angedeutet - noch zu weiterreichenden Maßnahmen kommen”, teilt er weiterhin mit.

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