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Unternehmer hoffen auf Ende der Talfahrt

Mundschutz im ÖPNV: Polizei kündigt schärfere Buskontrollen an

Die Busse sind leerer als sonst, Masken trägt nicht jeder. Der öffentliche Personen-Nahverkehr steckt in der Corona-Krise. Nun soll stärker überwacht werden. Ein Busfahrer erzählt aus seinem Alltag.

Wenig Kundschaft: Uwe Niekisch muss im Bus die Corona-Regeln mit durchsetzen. Das fällt nicht immer leicht. Foto: Gustl Weber

Hübsch ist sie ja schon, diese Nase. Bäume und Häuser ziehen vorbei, während das Riechorgan seine Freiheit genießt. Fast wähnt man sich im Comic Asterix und Kleopatra, wo die Gallier ja auch hin und weg von „dieser Nase” waren, mehr noch als von der Frau, zu der sie gehörte.

Das Problem an dieser Nase hier ist aber: Sie befindet sich in einem Pforzheimer Bus. Und in Corona-Zeiten soll sie nicht über der Atemmaske thronen, sondern sich darunter verstecken. Noch erntet die dazugehörige Nasenbesitzerin nur ein Stirnrunzeln, bald soll es drakonischer zugehen.

Jedenfalls hat die Polizei Pforzheim dieser Redaktion gegenüber angekündigt, im September stärker die Einhaltung der Maskenpflicht zu kontrollieren. „Die Kontrollen werden landesweit intensiviert”, bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim. Dabei sind Stadt und Enzkreis nicht gerade Hotspots in Sachen Maskenverweigerung. Aber geschludert wird trotzdem.

Diese Erfahrung hat zumindest Busfahrer Uwe Niekisch aus Engelsbrand gemacht. „Ich erlebe, dass es manche nicht so ganz genau nehmen”, sagt er. „Das ist schon die Mehrheit, die ein bisschen schludrig ist.” Wobei er betont: „Am Anfang der Pandemie haben sich die Leute noch sehr an die Maskenpflicht gehalten.” Mittlerweile seien seine Fahrgäste da nachlässiger.

Diese Situation hatte ich noch nicht.
Uwe Niekisch, Busfahrer aus Engelsbrand

Doch was tun, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält? Niekisch, der für die Busfirma Eberhardt arbeitet und dabei auch Linienfahrten in Pforzheim und Enzkreis übernimmt, versucht es mit Ansagen. „Wenn man mit den Leuten spricht, sind die meisten einsichtig”, erklärt er. Doch was, wenn das einmal nicht ausreicht? „Diese Situation hatte ich noch nicht”, berichtet Niekisch.

Und wenn es dann doch einmal ernst wird? Hier gibt es seit Mitte August eine neue Lage. Das Verkehrsministerium erklärte, das das Transportgebot in diesem Fall Mundschutz-Verweigerer nicht mit einschließt. Bis dahin – und wegen einer Kommunikationspanne noch zwei Wochen später – galt bei Eberhardt noch die Ansage: „Wir haben keine Handhabe.” Nun begrüßt die Firma die Änderung, zumal der Busfahrer letztendlich weiterhin entscheidet, ob er wirklich die Fahrt unterbrechen möchte und Verspätungen in Kauf nimmt.

Manchmal, sagt Niekisch, reicht es auch aus, die Menschen zu trennen. Im Moment ist ja „genug Platz im Bus”. Sein Chef Richard Eberhardt nimmt klar Stellung: „Wir haben im Moment etwa 50 Prozent unserer Fahrgastzahlen vom letzten Jahr.” Und zu Beginn der Pandemie war es noch schlimmer. Dabei ist eine gewisse Skepsis vor Bussen nicht das einzige Problem.

Die Eberhardt übrigens nicht als fair ansieht. „Wir können deutlich besser durchlüften als jeder Zug”, betont er. Allein schon aufgrund der großen Türfläche, und dann auch noch aufgrund der vielen Stationen. Klimatisiert seien die Busse ja auch, die Luft könne also gut zirkulieren.

Wie wirkt sich Corona auf das Busfahrverhalten der Kinder aus?

Aber dann sind da natürlich noch die anderen Faktoren. Viele Menschen arbeiten noch immer im Homeoffice, fehlen damit an den Haltestellen. Und nach dem zögerlichen vergangenen Halbjahr werde man nun ganz genau das neue Schuljahr beobachten und wie sich Corona auf das Busfahrverhalten der Kinder auswirkt.

Das Ganze hat natürlich auch politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Das Land Baden-Württemberg hat mit einem Rettungspaket die notleidenden Verkehrsunternehmen zunächst gerettet. Wobei Axel Hofsäß, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Pforzheim/Enzkreis, Zahlungen noch nicht bestätigt. Die seien erst ab Ende September in zwei Tranchen vorgesehen, und vorher müsse noch viel Papierkram erledigt werden.

Und dann helfen diese Gelder ja auch nur für 2020. Eberhardt rechnet damit, dass auch 2021 die Zahlen unter Vor-Corona-Niveau bleiben, wenn auch weniger krass als jetzt. Einsparungen in den Buslinien sieht Eberhardt nur als die letzte Lösung an. „Ein starkes Angebot schafft Nachfrage, so funktioniert diese Branche”, erklärt er. Und dann ist da ja noch das Politische. Eigentlich möchte die Stadt Pforzheim ja die Verkehrswende fördern. „Das Ziel lautet, die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln”, sagt Eberhardt. Statt sie zu halbieren wie im Moment.

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