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„I hätt do mol e Frog“

„Nichts als Flickschusterei“: Ärger um baufällige Fußgängerrampe im Eisinger Wohngebiet

Es ist ein beschauliches Wohngebiet in der Gemeinde Eisingen. Wenn da nicht diese hässliche Rampe wäre, die als Brücke der Straße Mittlerer Waldpark zu einigen Mehrfamilienhäusern führt. Seit Jahren müsste sie saniert werden, sagen einige Eigentümer. Doch warum passiert nichts?

Kein Zustand. Die Rampe muss dringend saniert oder durch eine andere ersetzt werden, fordern Hans-Peter Werner (links) und Marc Hubuch. Sie sind Eigentümer von Wohnungen an der Straße Mittlerer Waldpark. Die Rampe dient als Zugang zu den Wohnungen (siehe hinten) sowie zum Kindergarten und einem Spielplatz. Foto: Herbert Ehmann

Es ist ein Schandfleck fürs ganze Wohngebiet, sind sich Anwohner der Straße Mittlerer Waldpark in Eisingen einig. Einige Kinder seien schon gestürzt auf dem schadhaften Beton der etwa 15 Meter langen Aufgehrampe, die die höher gelegenen Wohnhäuser 12 und 12a mit einem Parkplatz und der Straße verbindet. Rollstuhlfahrer könnten sie seit Jahren nicht mehr benutzen.

„Warum tut sich nichts?“, empören sich Marco Hubuch, Hans-Peter Werner und Eberhardt Breitling. Seit dem Bau des Wohngebiets Ende der 70er-Jahre sei die Rampe nicht saniert, hie und da seien mal Löcher geglättet worden. „Nichts als Flickschusterei“, klagen die Wohnungseigentümer.

Die Platten über der Betonschicht hätten sich aufgelöst, der Beton nachgegeben. Mehrfach seien Platten erneuert worden. Jetzt guckt nur noch der nackte, teils abgeblätterte Beton hervor. „Das Wasser läuft nun nach innen“, sagt Hubuch und zeigt auf verrostete Stützpfeiler, die gemeinsam mit der Rampe vor sich hin rotten.

Gemeinderätin Ruth Gottwald ist mit den Eigentümern der Ansicht, dass für die Pflege und wohl auch die Sanierung die Firma Schaefer & Wunsch zuständig ist und endlich in die Puschen kommen müsse. Schaefer & Wunsch weist die Verantwortung zurück. „Wir können nicht einfach fremdes Geld ausgeben“, sagt Geschäftfsührer Joachim Schäfer.

Für Gemeinderätin Gottwald, die in der Hausnummer 14 wohnt, ist der Zustand der Rampe „eine Herzensangelegenheit“. Weil sie nicht nur von Bewohnern der Nummern 12 und 12a benutzt wird, sondern auch ein stark frequentierter Zugang zum dahinter gelegenen Kindergarten sowie dem Bolz- und Spielplatz ist, hat sich die Kommunalpolitikerin dafür eingesetzt, dass die Gemeinde Geld beisteuert, sollte die Rampe saniert oder neu gebaut werden. Seit 2014 steht dafür eine Summe im Haushalt bereit.

Schiebt die Firma den Schwarzen Peter einfach weiter?

Vor einigen Jahren schien Bewegung in die Sache zu kommen. Ein Maler, später ein Statiker kamen vor Ort und zum Schluss, hier könne man nichts mehr instand setzen, erklären die drei Eigentümer. Dann habe es ein Angebot gegeben, die Betonrampe durch eine aus Metall zu ersetzen. Doch Schaefer & Wunsch habe das Geld nicht aus dem Gemeinschaftskonto „Waldpark Gesamt“ nehmen wollen, mit der Begründung, als Hauptnutznießer müssten die Eigentümer der Häuser 12 und 12a den Löwenanteil tragen.

Wir können nicht einfach fremdes Geld ausgeben.
Geschäftfsührer Joachim Schäfer

Dass die Eigentümer anderer Häuser eine Kostenbeteiligung verweigerten, läge daran, dass sie von der Immobilienverwaltung zu spät darüber informiert worden seien, was auf sie zukomme, halten Hubuch und seine Mitstreiter entgegen. „Erst wollte angeblich ein Haus nicht zahlen, dann war es das nächste.“ Für Hubuch und Werner schiebt die Firma den Schwarzen Peter einfach weiter.

Aus rechtlichen Gründen könne er nichts tun, sagt Geschäftsführer Schäfer. Einen Vorschlag zur Sanierung habe er vor einigen Jahren allen Eigentümergemeinschaften vorgelegt, jedoch keinen Beschluss erhalten. Die Eigentümer vom Haus Nummer 12 als die größten Nutznießer dieser Brücke zur Straße habe man um einen Sonderbeitrag gebeten. „Das wurde abgelehnt“, erklärt Schäfer. Daraufhin hätten einige andere Häuser vom Wohnpark ebenfalls eine finanzielle Beteiligung abgelehnt.

Verrottet. Die Stützpfeiler unter der „Aufgehrampe“ im Eisinger Wohngebiet Waldpark rosten munter vor sich hin. Hans-Peter Werner, Marco Hubuch und Eberhardt Breitling ärgern sich diesen Schandfleck in ihrem Wohngebiet. Foto: Herbert Ehmann

Hubuch, Werner und Breitling werfen ein, dass Rampe und Parkplätze gar nicht zu ihrem Besitz gehörten, sondern Eigentum einer Erbengemeinschaft seien, die seinerzeit den Waldpark gebaut und verschiedene Gesellschaften mit der Verwaltung der Wohnungen und Pflege der Grundstücke beauftragt habe. Für Unterhaltung der Rampe und Stellplätze sei mittlerweile alleinig Schaefer & Wunsch zuständig. Dennoch würden die Eigentümergemeinschaften der Hausnummern 12, 12a und 4, obwohl sie gar nicht dazu verpflichtet seien, Spenden von jeweils mehreren tausend Euro beisteuern. Zahlungsbereitschaft hätten auch andere Häuser signalisiert.

Schwierige Eigentumsverhältnisse

„Wir sind der falsche Ansprechpartner“, entgegnet Schäfer. Er spricht von einer „hoch komplizierten Historie“ des Waldparks mit seiner Eigentumsstruktur. Seine Firma habe die Pflege für alle nicht zuzuordnenden Flächen übernommen, so auch für die Rampe. Schäfer vertritt aber ebenfalls die Ansicht, dass das Grundstück, auf der sie sich befindet, der Erbengemeinschaft gehört. „Die haben wir auch angeschrieben“ sagt er. „Sie lehnten ab.“

Fest steht: Der Wohnpark mit seiner besonderen Struktur wirft viele bau- und eigentumsrechtlichen Fragen auf. „Die Eigentumsverhältnisse sind schwierig“, bestätigt Bewohnerin und Gemeinderätin Gottwald. Zudem sind verschiedene Verwaltungsgesellschaften im Spiel.

Eine neue Rampe wäre laut Kostenvoranschlag für rund 70.000 Euro zu haben. Würden die rund 1.200 Waldpark-Eigentümer zusammenlegen, müsste jeder rund 60 Euro zahlen. Abzüglich der Finanzspritze aus dem Eisinger Rathaus in Höhe von mittlerweile 11.000 Euro. „Wir stehen zu unserer Zusage“, versichert Bürgermeister Thomas Karst. „Seit 2014 warten wir auf eine Realisierung.“ Der Eigentümer sei zuständig, sagt Karst. Wer dies im Fall Wohnpark ist, vermag auch der Bürgermeister nicht zu sagen.

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