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Kreisvorsitzender tritt zurück

Nun also doch: Mährlein schmeißt bei SPD Pforzheim hin

Anfangs hatte er sich noch kämpferisch nach den Rücktrittsforderungen gegeben, nun hat Christoph Mährlein doch sein Amt als Kreisvorsitzender abgegeben. Das Lager seiner Kritiker gibt sich versöhnlich. Doch der Riss innerhalb der Goldstadt-SPD ist tief.

Einen Schlussstrich gesetzt: Christoph Mährlein ist von seinem Amt als SPD-Kreisvorsitzender zurückgetreten. Foto: str

Vor einer Woche noch hatte Christoph Mährlein einen Rücktritt ausgeschlossen, nun war der Druck auf den Kreisvorsitzenden der SPD Pforzheim wohl doch zu groß. Seit Dienstagabend ist das Amt vakant, wie Mährlein am Mittwoch der Öffentlichkeit mitteilte. Der Chaos-Kreis Pforzheim ist nun ohne Steuermann. Mährleins Stellvertreter Eray Aydin und Johanna Kirsch übernehmen, bis ein neuer Vorsitzender gewählt ist.

Mährlein galt seit seiner Wahl als ein König ohne Land, hatte aufgrund einer nur knappen Mehrheit – ohne Gegenkandidat – bereits angekündigt, den Platz bei der nächsten Wahl zu räumen. Nun geht also alles noch schneller. Mährlein selbst erklärte gegenüber dieser Redaktion, der Rücktritt habe „persönliche und berufliche Gründe”.

Ich habe mich entschlossen, da einen Schlussstrich zu ziehen.
Christoph Mährlein

Die Rücktrittsforderung diverser Kreisvorstände vor einer Woche, darunter von seiner Stellvertreterin Johanna Kirsch, habe das nicht bewirkt. „Deswegen trete ich nicht zurück”, stellte er klar. Die Entscheidung sei dennoch „im Nachdenken über diese Vorgänge” gefallen. „Ich habe mich entschlossen, da einen Schlussstrich zu ziehen.”

Was die Mährlein-Gegner endgültig gegen ihn aufbrachte, war zuletzt die Entscheidung, die Mitgliederversammlung zur Delegiertenaufstellung zu wiederholen.

Wie Ralf Fuhrmann und Kirsch bestätigten, wurde gegen diese Entscheidung Einspruch eingelegt, das SPD-Landesschiedsgericht entscheidet nun. Mit einem neuen Vorsitzenden sei aufgrund der anstehenden Wahlen nicht vor Oktober zu rechnen.

Ob damit der Weg frei ist zu einer Versöhnung zwischen Alt- und Neumitgliedern? Mährleins aktuelle Nachfolger hoffen das zumindest. „Wir müssen jetzt erst einmal die Partei wieder zusammenführen”, sagt Kirsch.

Unterschiedliche Reaktionen auf den Rücktritt

Es müsse darum gehen, die Neumitglieder zu integrieren, sich geschlossen aufzustellen für die Landtags- und Bundestagswahl und „das Vertrauen in die SPD wiederherzustellen”. Aydin, als Sympathisant der „Offenen Partei” um Uwe Hück ein Mährlein-Unterstützer, sprach ebenfalls vom „Brückenbauen in alle Richtungen”.

Im Gegensatz zu Kirsch nannte er den Rückzug „höchst bedauerlich”. Und weiter: „Der Umgang mit Christoph Mährlein und die Diffamierungen – das ist kein Umgang, den man so pflegen sollte.”

Versöhnliche Töne kommen aus dem Lager der Mährlein-Gegner. „Wir haben alle zum Sommertheater beigetragen”, sagt Stadtrat-Fraktionssprecherin Jacqueline Roos, die im Vorfeld fleißig Öl ins Feuer gegossen hat mit klaren Statements gegenüber der Bewegung „Offene Partei” um Uwe Hück.

„Es ist schade, dass es so weit kommen musste. Aber sein Rücktritt ist die logische Konsequenz”, sagte Roos. Etwas selbstkritisch bemerkte sie: „Man sollte unter Genossen nicht so umgehen. Aber wie es in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus.” Wobei sie mit ihrer Kritik vor allem Hück meinte.

Katja Mast redet von „Führungsversagen”

Die Bundestagsabgeordnete Katja Mast attestierte Mährlein „Führungsversagen”. „Jetzt gilt es, die SPD Pforzheim wieder zusammenzuführen, denn es gibt nur eine SPD und nicht viele. Dabei unterstütze ich jederzeit gerne.” Und auch Stadtrat Fuhrmann, der zusammen mit Kirsch den Brandbrief vor einer Woche verfasst hatte, verkündete: „Ich hoffe, dass jetzt Ruhe in den Kreisverband einkehrt.”

Die Gegenseite allerdings ist da deutlich lauter. Dabei ist Offene-Partei-Gründer Uwe Hück noch verhältnismäßig handzahm. „Ich muss gerade viele Leute in unserer Bewegung beruhigen”, sagt er. Er tadelte noch einmal die „erschreckenden Umgangsformen” in seiner Partei. Hück misstraue den Aussagen der Gegenseite, man wolle nun die Partei einen.

„Ich bin leider davon überzeugt, dass das Lippenbekenntnisse sind.” Einen Rückschlag für seine Bewegung sieht er nicht, zumal immer weiter Mitglieder hinzukommen. Hück habe zudem juristische Schritte eingeleitet, die das Schiedsgericht nur mit einer Entscheidung in seinem Sinne stoppen könne.

Radikaler in seinen Aussagen war Kreisvorstand Esad Esmer, der zusammen mit Mährlein den Beschluss zur Neuwahl mitgetragen hatte. „Diese Botschaft wird nicht unbeantwortet bleiben”, stellte er klar. „Es wird ungemütlich.” Die Aussagen von Mast und den anderen nannte er „Heuchelei” und „scheinheilig”, bemängelte eine echte Diskussionsbereitschaft.

Auch kritisierte er, dass Mährlein allein in der Kritik nach der Neuwahl-Entscheidung stand. „Ich habe das mitgetragen. Aber die waren auf ihn eingeschossen.”

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