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Busfahrer will Fahrgast nicht befördern

Ohne Maske aber mit Attest: Lungenkranker muss Bus in Pforzheim wieder verlassen

Eine Maske würde Klaus Lang das Atmen noch schwerer machen. Der Pforzheimer leidet an der Lunkenkrankheit COPD und ist deshalb von der Maskenpflicht befreit. Sein ärztliches Attest wollte ein Fahrer der Linie 6 nicht sehen. Er forderte Lang auf, auszusteigen.

Den Bus von hinten sah Klaus Lang kürzlich, nicht weil er zu spät dran war, sondern weil er wieder aussteigen musste, weil er keine Maske trägt, aus Gesundheitsgründen. Foto: Roland Wacker

Klaus Lang war außer sich. Es kommt mal vor, dass der Bus weiter vorne an der Haltestelle hält oder verspätet ist, aber dass ihn ein Fahrer nicht befördern will, hat er bis vor kurzem noch nicht erlebt.

Am vergangenen Dienstagmorgen sei er mit seinem Rollator an der Haltestelle Flößerviertel eingestiegen, um mit der Linie 6 Richtung Krankenhaus zu fahren. Als er sich gesetzt hatte, habe ihm der Fahrer zugerufen: „Maske auf!“

Wegen COPD von Maskenpflicht befreit

Er sei von der Maskenpflicht befreit, weil er an COPD leide, berichtet der 65-jährige Pforzheimer. Bei COPD handelt es sich um eine fortschreitende Lungenkrankheit mit Symptomen wie Husten und Atemnot.

Er habe immer ein Attest dabei, das er auch schon mal Polizisten vorgelegt habe, als diese das Einhalten der Maskenpflicht überprüften. Seit er vor 20 Jahren einen schweren Autounfall hatte, ist Lang Frührentner. Rollator und – seit Einführung der Maskenpflicht – auch besagtes Attest sind seine ständigen Wegbegleiter.

Busfahrer interessiert Attest nicht

„Ich habe auch dem Busfahrer angeboten, das Attest zu zeigen.“ Der habe erwidert, dass ihn das nicht interessiere und befohlen: „Dann steigen Sie aus.“ Woraufhin Lang erklärte, die Polizei zu rufen.

„Das können Sie machen“, habe der Busfahrer entgegnet und demonstrativ den Motor ausgeschaltet. „Die Leute im Bus haben mich alle angesehen“, erinnert sich Lang an eine für ihn sehr unangenehme Situation. Weil er nicht wollte, dass wegen ihm alle zu spät kämen, sei er ausgestiegen und habe dann die Polizei alarmiert.

RVS-Mitarbeiterin entschuldigt sich

Der Beamte am Telefon habe ihm dargelegt, dass er die Sache mit dem Busunternehmen klären müsse. Das tat er dann auch. Für den Stadtverkehr ist das Unternehmen Regionalbusverkehr Südwest (RVS) zuständig.

Eine Mitarbeiterin, die seinen Anruf am selben Morgen entgegen nahm, habe sich bei ihm entschuldigt, erzählt Lang. Sie habe ihm gesagt, das Verhalten des Fahrers sei nicht rechtens, man werde den Vorfall klären. Und Lang sei überdies nicht dazu verpflichtet, ein Attest vorzulegen – das besagter Fahrer der Linie 6 ohnehin nicht sehen wollte. „Ich tue das meistens von mir aus“, erklärt hingegen Lang.

Der Fahrer war extrem komisch.
Klaus Lang, Fahrgast

Die Fahrer, mit denen er bisher unterwegs war, fanden das wohl auch alle in Ordnung. „Nur der Mann neulich war extrem komisch“, klagt er. Nach dem Vorfall sei er richtig fertig gewesen. „Es war kalt an dem Morgen und ich musste auf den nächsten Bus warten.“ Der nachfolgende Fahrer nahm Lang anstandslos mit. Sein Ärger ist mittlerweile verflogen.

Pressestelle der Bahn kann Sachverhalt nicht aufklären

Eine Anfrage dieser Redaktion verweist RVS weiter an die Pressestelle der Deutschen Bahn in Stuttgart. Dort ist der Vorgang zunächst nicht bekannt. Und er lässt sich auch nach weiterer Recherche nicht aufklären.

„Wir können es nicht nachvollziehen“, bedauert eine Bahnsprecherin. Auf ihre Rückfrage bei RVS in Pforzheim wird ihr zwar Langs Beschwerde bestätigt und auch, dass sich eine Mitarbeiterin für das Verhalten des Fahrers entschuldigte. Aber von den Fahrern will sich keiner an den Zwischenfall erinnern können.

„Wir haben sie befragt“, sagt die Pressereferentin. Lang wundert sich: „Aber es muss doch bekannt sein, welcher Fahrer zu diesem Zeitpunkt gefahren ist.“

Wir haben die Fahrer befragt.
Pressesprecherin der Deutschen Bahn

Merkwürdigerweise gab es einen anderen – offenbar besser dokumentierten – Zwischenfall am selben Morgen, ebenfalls auf der Strecke der Buslinie 6. Laut Bahnsprecherin trug dieser sich einige Haltestellen vor dem Flößerviertel zu und gut anderthalb Stunden nachdem Lang dort in den Bus stieg. Auch dabei sei es um fehlenden Mund- und-Nasenschutz eines Fahrgasts gegangen.

Auch wenn sich die Angelegenheit wohl nicht mehr aufdröseln lässt – die Bahnsprecherin stellt klar: „Wenn ein Fehler gemacht wurde, entschuldigen wir uns. Es darf nicht sein, dass ein Fahrgast nicht mitfahren darf, wenn er ein Attest hat.“ Allerdings müsse der Betroffene die ärztliche Bestätigung, dass er von der Maskenpflicht befreit ist, bei sich haben.

„Am besten zeigt er sie dem Fahrer, wenn er einsteigt“, rät sie. Langs Erlebnis habe man jetzt zum Anlass genommen, die Fahrer für das Problem zu sensibilisieren.

Unternehmen will Fahrer für das Problem sensibilisieren

Gleichzeitig wirbt die Bahnreferentin um Verständnis für die Fahrer, die sich bei ihren täglichen Fahrten jetzt in der Pandemie mit allerlei Problemen konfrontiert sehen.

Ob begründet oder nicht, die Pforzheimer Polizei kennt bislang nur Einzelfälle von Leuten, die sich weigern, im öffentlichen Nahverkehr eine Maske zu tragen. Dass eine Kontrolle für die Beamten vor Ort – bei Stichproben im Bus oder in der Fußgängerzone – nicht einfach ist, erklärt eine Sprecherin: „Wenn jemand aus Gesundheitsgründen von der Maskenpflicht befreit ist, muss es glaubwürdig dokumentiert sein.“ Doch nicht jedes Attest sei glaubwürdig.

Polizei: Befreiung muss glaubwürdig dokumentiert sein

Die Polizistin erinnert daran, dass Leute übers Internet Blanko-Atteste bezogen hätten. Auch denkt sie an ein korrekt ausgestelltes ärztliches Attest, auf das im Nachhinein ein anderer Name geschrieben wurde. Im Zweifel werde der Betroffene angezeigt und dann entscheide die Bußgeldbehörde. Jedoch bemühten sich die Ordnungshüter um Augenmaß. „Es hängt immer von der Einschätzung der jeweiligen Situation ab.“

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