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Kommunales Kino

Regen verwässert die Bilanz des Open-Air-Kinos in Pforzheim

Die Erwartungen der Macher des Kommunalen Kinos waren größer. Aber das durchwachsene Wetter hält die Besucherzahlen klein. Noch bis zum 4. September gibt es Kino unter freiem Himmel in Pforzheim.

Trotz angenehmer Temperaturen blieben viele Stühle beim Open-Air-Kino im Innenhof des Kulturhauses Osterfeld frei. Foto: Susanne Roth

Christine Müh sitzt – wenn es ihre Zeit zulässt – auch mal gern an einem lauschigen Platz unter den Bäumen des Restaurants Comedia. Das ist dann besonders schön, wenn der Sommer sich tatsächlich als Sommer zeigt. Was natürlich noch mal mehr Publikum zum Open-Air-Kino im Innenhof des Kulturhauses Osterfeld lockt.

„Das Wetter spielt eine Wahnsinns-Rolle“, sagt sie. Alles andere ist perfekt: Team passt, Filme passen (von Natur-Dokus über Sommerkomödien alles dabei), Location passt.

Daumen hoch auch vom Koki-Techniker Timo Gerstel, der die neue und noch größere Leinwand etwas anders positionieren musste, weil eine Sandstein-Umrandung eines Fensters im Weg war. „Projektor verrücken oder Hammer und Meißel“, sagt er lachend. Natürlich wurde der Standort des Projektors korrigiert.

Die durch Crowdfunding finanzierte Leinwand ist auch der Grund, warum laut Geschäftsführerin Müh noch Mitarbeiter des Grünflächenamtes mit Steigeisen anrücken und ein Ästchen eines Baumes entfernen mussten, damit dieses keinen Schatten auf die Leinwand werfen konnte. Ein Grünschnitt, den der Baum auf jeden Fall verkraften kann.

Nach acht Kino-Abenden zeigt die Besucherkurve nach oben

Alles gut also? Es könnte besser sein. Christine Mühs Begeisterung, die sich parallel beim Open-Air-Kino im Kurpark von Hirsau aufgrund im Dauerregen abgesoffener Wiesen noch ganz anderen Problemen gegenübersah, hält sich für die in Pforzheim vom 5. August bis 4. September in die 26. Auflage gehende Veranstaltung unter freiem Pforzheim-Himmel in Grenzen.

„Die Erwartungen waren größer“, räumt sie nach ein paar Tagen ein. Nach vier Vorstellungen zählte man 398 verkaufte Tickets. Also etwa 100 Besucher im Schnitt. Das Auf und Ab des Sommers macht es auch nicht besser.

Inzwischen, nach acht Kino-Abenden, zeigt der Besucherpfeil nach oben. Während es laut Christine Müh in der ersten Woche insgesamt 400 Gäste waren, die sich die Filme und das Vorprogramm anschauten waren es bis zum Tag 18 dann insgesamt 1.266 Personen – im Schnitt nicht mehr 100, sondern 160 Gäste pro Abend.

Pandemie, Regen: Beim Kommunalen Kino kommt in diesem Jahr alles zusammen

Dass der verregnete Start am 5. August nur knapp 30 Gäste vor die Leinwand brachte ist nachvollziehbar, aber was ist mit den restlichen Veranstaltungen? Falsche Filme? Doch zu kühl? Angst vor der vierten Pandemie-Welle?

Es ist, so vermutet sie, eine Mischung aus allem. Christine Müh ist sich bewusst, dass in diesem Jahr keine Publikumslieblinge, keine bekannten Movies im Programm sind. Unbekanntes ist wohl immer ein Wagnis, obwohl sogar vier Kinopremieren abgespult werden können beziehungsweise konnten: „Death of a Ladies’ Man“, „Der Rosengarten der Madame Vernet“, „Unter den Sternen von Paris“ und „Der Hochzeitsschneider von Athen“ (26. August).

Dank Osterfeld-Leiter Bart Dewijze und seinem Team vom Kulturhaus Osterfeld kann auch ein sehens- beziehungsweise hörenswertes Vorprogramm geboten werden.

Koki-Team zählt derzeit eher 100 statt 300 Gäste pro Abend

„Wir sind halt verwöhnt vom letzten Jahr, da hatten wir im Schnitt 300 Gäste pro Abend“, sagt Koki-Geschäftsführerin Christine Müh. Jetzt zählt das Koki-Team an einem guten Abend „so viele Gäste wie an einem schlechten Abend in einem normalen Jahr“.

Bisheriger Spitzenreiter ist der Film „Ich bin dein Mensch“ über eine Forscherin und ihren humanoiden Roboter-Partner mit 314 Zuschauern. „Da hat alles gestimmt: toller Film, tolles Wetter“, sagt Christine Müh über den vergangenen Samstag.

Maximal 320 können aber auch nur hinein gelassen werden auf das Gelände, denn Christine Müh wollte es ihrem Publikum nicht „antun“, dass Masken getragen werden müssen am Platz. Also müssen die Abstände stimmen.

Aber auch das Verhalten habe sich definitiv nach einem Corona-Jahr, in dem nichts geboten werden konnte, verändert. Dazu komme noch, dass zu ihrer Klientel auch viele „Best Ager“ gehörten, Menschen zwischen 40 und 50 Jahre, die sich vielleicht doch Sorgen wegen der Ansteckungsgefahr machen würden.

3G-Regeln gelten auch beim Open-Air-Kino in Pforzheim

Die „3G“ bereiten Müh allerdings Sorgen für die Kinofilme im Kinosaal – bei denen Testpflicht gilt. Die neue, seit dem 18. August geltende Verordnung sieht sie „mit gespaltenen Gefühlen“ und bezeichnet es als „unglücklich“, dass keine länderübergreifende Regel gefunden wurde.

Für Besucher des Kommunalen Kinos (egal, an welchem Platz) werde das „sehr aufwendig, sich einen Test zu beschaffen“ (von den Kosten abgesehen). Christine Müh befürchtet, dass dann für ihre größte Zielgruppe, die Kinder und Jugendlichen, Kino nicht stattfinde, weil man eine weitere Hürde aufbaue. „Gerade die Gruppe, die unter der Pandemie am stärksten gelitten hat“, äußert sie Bedauern.

Und gewissen Bedenken über die weitere Finanzierung ihres Betriebs hat sie auch deshalb, weil „Der Rosengarten von Madame Vernet“ zwar als Vorpremiere im Open Air-Betrieb laufen konnte, danach jedoch nicht im Kommunalen Kino gezeigt werden kann, „weil er im kommerziellen Kino läuft“, das jetzt auch verstärkt auf Arthouse-Filme setze – eine bisher vom Koki besetzte Nische.

Doch die Hoffnungen von Christine Müh richten sich jetzt erst mal auf die Open-Air-Saison. „Der Sommer ist noch nicht vorbei“, sagt sie. „Und wir haben noch viele tolle Filme.“ Ihr Highlight, der Besuch des ehemaligen und derzeit sehr gefragten Berlinale-Chefs Dieter Kosslick ist zwar schon vorbei, aber es warten ja noch weitere verfilmte Bonbons. Und natürlich die traditionelle „Rocky Horror Picture Show“ am letzten Abend, am 4. September.

Weitere Informationen und Ticketvorverkauf gibt es unter www.openairkino-pforzheim.de.

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