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Petition gestartet

Petition aus Pforzheim für die Rettung der Schulchöre

Die Corona-bedingten Einschränkungen für den Schulbetrieb bringen die Chöre und Orchester in die Bredouille. Eine Petition aus Pforzheim fordert jetzt: „Rettet die Schulmusik!”

Gemeinsam singen und musizieren - darauf müssen die meisten baden-württembergischen Schüler im neuen Schuljahr voraussichtlich verzichten. Foto: Marcus Simaitis / dpa

Manchen Lehrern gehen die geplanten Lockerungen zum neuen Schuljahr nicht weit genug: Musiklehrer fürchten, dass ihre Chöre und Orchester verstummen und dass so manche Arbeitsgemeinschaft (AG) wegen der Corona-bedingten Einschränkungen langsam stirbt.

„Wenn ein, zwei Jahre nichts passiert, dann geht die AG-Arbeit kaputt”, sagt Dominik Heil, Musiklehrer am Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasium und Leiter der dortigen Musical-AG. Er hat deshalb die Online-Petition „Rettet die AGs - Rettet die Schulmusik! (Link zur Petition) ” gestartet. Sein erklärtes Ziel: „Wir müssen eine Überbrückungslösung finden.” Stein des Anstoßes sind mehrere Passagen im Konzept des Kultusministeriums für das neue Schuljahr.

Wenn ein, zwei Jahre nichts passiert, dann geht die AG-Arbeit kaputt
Dominik Heil, Musiklehrer am Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasium

„Singen in geschlossenen Räumen ist ausgeschlossen, dies gilt auch für die Verwendung von Blasinstrumenten”, so heißt es in den Vorgaben für den „Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen” - wegen der stärkeren Aerosol-Bildung und der folglich höheren Ansteckungsgefahr . Außerdem wird „eine jahrgangsübergreifende Gruppenbildung” grundsätzlich untersagt - und das gilt ausdrücklich auch für Arbeitsgemeinschaften.

Doch diese AGs bestehen in der Regel aus Schülern unterschiedlicher Klassenstufen, wie Heil im Gespräch betont. Er geht nüchtern davon aus, dass Bevölkerung und Schulen noch auf Jahre mit der Pandemie leben müssen.

„Wenn Singen und Musizieren als etwas Gefährliches stigmatisiert wird, dann hat das auf Dauer negativen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung”, sagt der Musiklehrer. „Man muss nur mal in die Gesichter der Kinder schauen, wenn sie singen und Musik machen!”

Lehrer fordern Gleichbehandlung mit den Musikschulen

Heil und seine Kollegen setzten sich durchaus für einen sehr besonnenen Umgang mit der Pandemie ein, erklärt er, aber sie forderten schlicht eine Gleichbehandlung mit den Staatlichen Musikschulen. Dort dürfen schon wieder 20 Musiker in einem Ensemble spielen - bei zwei Metern Sicherheitsabstand zwischen den Musikern.

„Wir könnten mit entsprechenden Abstandsregeln zum Beispiel mit den Schülern in der Turnhalle proben”, sagt Heil. Er verweist auch auf andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, wo Singen und Musizieren an Schulen erlaubt ist.

„Das ist so uneinheitlich geregelt, dass es keinen Sinn mehr macht”, sagt auch Hans-Jochen Stiefel, Leiter des Fachbereichs Musik am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium. „Es gibt Schüler, die dürfen in der Schule keinen Pups mehr machen, aber nachmittags spielen sie am Konservatorium in einem 20-köpfigen Orchester und abends womöglich noch im Musikverein.” Sein Musik-Gymnasium sei „zu allen Schandtaten bereit”, was die Probenräume angeht.

In der Aula könne das Orchester sicher proben, und auch von Kirchen gebe es schon Angebote. Signale der Kompromissbereitschaft sendet das Kultusministerium. „Wir werden analog zum Infektionsgeschehen und aktueller medizinischer Einschätzungen die Vorgaben kontinuierlich überprüfen”, erklärt die Sprecherin von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Ihr Haus wolle „auch über mögliche Lösungen für das Singen mit mehr Abstandsmöglichkeiten nachdenken, etwa was die Nutzung von größeren Räumlichkeiten, also abseits der Klassenräume, betrifft”.

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