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Abberufung am Freitag?

Pforzheim: Aufsichtsräte erheben schwere Vorwürfe gegen Stadtwerke-Chef

Neue Eskalation bei den Stadtwerken Pforzheim: Zehn Monate nach dem Rauswurf der Geschäftsführer Roger Heidt und Thomas Engelhard droht ihrem Nachfolger Herbert Marquard ein ähnliches Schicksal. Aufsichtsräte erheben schwere Vorwürfe.

NEUER CHEF: Herbert Marquard wurde Ende Janaur 2019 zum Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim bestellt. Foto: str

Neue Eskalation bei den Stadtwerken Pforzheim (SWP): Zehn Monate nach dem Rauswurf der Geschäftsführer Roger Heidt und Thomas Engelhard droht ihrem Nachfolger Herbert Marquard ein ähnliches Schicksal. Aufsichtsräte erheben schwere Vorwürfe gegen den Stadtwerke-Chef. Solidarität für Marquard kommt von der Belegschaft.

Wie eine SWP-Sprecherin bestätigte, ist für diesen Freitag eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung anberaumt. Darüber hatte zuerst die „Pforzheimer Zeitung“ berichtet.

Dabei soll auch die mögliche Abberufung des Geschäftsführers auf der Tagesordnung stehen. Insbesondere die Aufsichtsratsmitglieder Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Uwe Hück (SPD) sollen sich nach Informationen des Pforzheimer Kurier für eine entsprechende Option eingesetzt haben.

Die aus dem Gremium kolportierten Vorwürfe sind schließlich erheblich: Wie seinen geschassten Vorgängern wird Marquard von Mitgliedern des Aufsichtsrates vorgeworfen, er habe „bewusst falsch informiert“, man könne dem Geschäftsführer nicht mehr vertrauen, so ein Gremiumsmitglied gegenüber dieser Redaktion.

Stadtwerke-Aufsichtsratschef in der Klinik

Ob Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Büscher die Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat teilt, ließ sich zunächst nicht klären. Pforzheims Erster Bürgermeister liegt derzeit wegen einer akuten Erkrankung in einer Klinik. Die Aufsichtsratssitzung am Freitag dürfte deshalb wohl von Büschers Stellvertreter Otto Huber geleitet werden, der den Minderheitsgesellschafter Thüga vertritt.

Dem Vernehmen nach soll man bei dem deutschlandweit agierenden Versorger mit Sitz in München die Rolle Marquards deutlich weniger kritisch betrachten. Eine Stellungnahme lehnte das Unternehmen auf Anfrage ab.

Konkrete Vorwürfe sind unklar

Worin die angeblichen Verfehlungen Marquards konkret bestehen soll, bleibt unscharf. Hierzu dringt aus dem ansonsten höchst durchlässigen Aufsichtsrat nichts Konkretes.

Zumindest vordergründig geht es offenbar um das 50-prozentige Tochterunternehmen „Intelligent Building (IB) Company GmbH“, ein mittelständischer Anbieter von „Smart-Home“-Lösungen aus Pforzheim. Die Stadtwerke waren dort 2016 eingestiegen, nach dem Gewinneinbruch 2018 im Zuge der Telesales-Krise soll noch unter dem alten Management beschlossen worden sein, die Beteiligung wieder zu veräußern.

Dementi: Wirbel um angebliches Kaufangebot

Doch Marquard habe angeblich einen entsprechenden Aufsichtsratsbeschluss nicht umgesetzt. Vielmehr soll der Stadtwerke-Chef gar „per Messenger-Dienst eine halbe Million Euro für das Unternehmen geboten haben“ wie die „PZ“ mit Verweis auf den Aufsichtsrat schreibt.

Ein solches Kaufangebot per Messenger-Dienst gab es nicht.

Matthias Zeh von „IB Company“ dementierte allerdings auf Nachfrage dieser Redaktion: „Ein solches Kaufangebot per Messenger-Dienst gab es nicht.“ Darüber hinaus wollte der Gründer und Geschäftsführer keine Stellungnahme abgeben. Er verwies auf die kommende Aufsichtsratssitzung, wo er auf Antrag von Ratsmitgliedern seine Sicht der Dinge schildern soll.

Betriebsrat spricht Stadtwerke-Chef Vertrauen aus

Auch bei den Stadtwerken hielt man sich inhaltlich bedeckt. Eine Sprecherin verwies auf Verschwiegenheitspflichten. Betriebsratschef Henry Wiedemann sagte auf Anfrage: „Wir stehen bedingungslos hinter dem Geschäftsführer Herbert Marquard und dem eingeschlagenen Konsolidierungskurs.“

KLAGE VOR GERICHT: Roger Heidt, der im Januar abberufene Chef der Stadtwerke Pforzheim (im Bild die Zentrale) und frühere Erste Bürgermeister von Pforzheim, klagt vor Gericht gegen seine Abberufung. Foto: str

Großes Unverständnis herrsche in der Belegschaft darüber, so heißt es zudem in einer Mitteilung des Betriebsrats, „dass die Person Marquard so in der Kritik stehe. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben Herrn Marquard in einer nie gekannten Offenheit und Transparenz kennengelernt.“

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