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Coronavirus

Pforzheim schließt Gastro: OB Boch begrüßt Stuttgarter Maßnahmen zur Corona-Eindämmung

Ab sofort keine geöffneten Restaurants mehr, kein Eisverkauf und keine größeren Ansammlungen von Menschen: Die Leere, die sich der Pforzheimer City mit jedem der vergangenen Tage stärker bemächtigt hat, wird ab diesem Samstag noch spürbarer sein. Oberbürgermeister Peter Boch begrüßt die von der Landesregierung angekündigten weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Dies teilt der Pforzheimer Rathauschef in einer am Abend herausgegebenen Presseerklärung mit.

LEERE TISCHE bei Eis Casal. Eis gab es auch am Freitag nur zum Mitnehmen. Und am Freitagnachmittag war dieses mittags geschossene Foto bereits Makulatur. Das Ordnungsamt kam vorbei und forderte die Räumung. Foto: dia

Ab sofort keine geöffneten Restaurants mehr, kein Eisverkauf und keine größeren Ansammlungen von Menschen: Die Leere, die sich der Pforzheimer City mit jedem der vergangenen Tage stärker bemächtigt hat, wird ab diesem Samstag noch spürbarer sein. Oberbürgermeister Peter Boch begrüßt die von der Landesregierung angekündigten weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Dies ließ der Rathauschef in einer am Abend herausgegebenen Pressemitteilung wissen.

Zahl der Erkrankten auf 19 in Pforzheim und 30 im Enzkreis gestiegen

Wie das Gesundheitsamt am Abend mitteilte, hat sich die Zahl der Erkrankten in der Region weiter erhöht- Inzwischen liegen bei 19 weiteren Menschen  positive Testergebnisse auf das neuartige Corona-Virus vor. Acht der Personen leben in Pforzheim, elf in verschiedenen Gemeinden im Enzkreis. Alle befinden sich in häuslicher Quarantäne, so die Behörde weiter. Damit ist die Zahl der Betroffenen in Pforzheim auf 19 und im Enzkreis auf 30 Menschen gestiegen.

Notsituation wie in Italien ist nicht mehr abstrakt

Bereits am Vortag hatte Boch kritisiert, dass sich bei dem schönen Wetter noch immer zu viele Menschen in Gruppen draußen treffen. Jetzt erklärte er, der Ernst der Lage sei offenbar noch nicht von allen begriffen worden. Die Notsituation, wie sie in Italien herrsche, sei nichts Abstraktes mehr. Sie könne in naher Zukunft auch in Deutschland eintreten, „wenn wir jetzt nicht energisch entgegensteuern“. Essen zum Mitnehmen ist weiter erlaubt.

Boch: Viele Pforzheimer haben sich vorbildlich verhalten

Ausdrücklich lobte Boch aber auch das „vorbildliche Verhalten“ vieler Pforzheimerinnen und Pforzheimer. Und tatsächlich schien der letzte Warnschuss vor einem möglichen Shutdown vielfach auf offene Ohren gestoßen zu sein. In Supermärkten und Drogerien hielten die meisten Kunden an diesem Freitag Abstand zueinander.

An den Kassen halten die  Kunden Abstand

Um Staus zu vermeiden, wies eine Mitarbeiterin des Drogeriemarkts in der Leopoldstraße Einkaufenden die Kasse zu, die sie ansteuern sollten. Der Bestand an Toilettenpapier war ohnehin spätestens am Vormittag überall ausverkauft. „Am Montag bekommen wir wieder welches“, sagte eine Mitarbeiterin beim City-Supermarkt.

Gruppenbildung unbedingt vermeiden.
Wolfgang Raff, Leiter des Ordnungsamts

„Der Befolgungsgrad ist extrem hoch“, stellte Ordnungsamtsleiter Wolfgang Raff noch am Nachmittag fest und bezog dies sowohl auf die Gastronomie wie auch auf die übrige Bevölkerung, die nun gebührenden Abstand zum Nächsten halte. Mit Ausnahme der Schlangen, die sich weiterhin vor Ladenöffnung bei Drogerie- und Lebensmittelmärkten gebildet hätten.

„Gruppenbildung unbedingt vermeiden“, sagte der Ordnungsamtschef. Sein Appell an Disziplin und Vernunft wurde am späten Nachmittag praktisch von der Realität überholt, als die Stadt Stellung bezog zur Vorgabe aus Stuttgart. Auch die Tische und Stühle, die mittags vor der Eisdiele in der Westlichen gestanden hatten, waren zu dem Zeitpunkt weggeräumt – auf Anweisung des Ordnungsamts.

Corona-Infektionen in Baden-Württemberg

"Corona-Partys" gibt es keine

„Klassische Corona-Partys hatten wir hier nicht“, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Aber die Kollegen seien mehrfach über Gruppen überwiegend junger Leute auf Spiel- und Bolzplätzen informiert worden. Man habe versucht, sie zu sensibilisieren und darauf hinweisen, „dass soziale Kontakte wegen der Ansteckungsgefahr eingeschränkt werden sollten“. Meistens hätten die Angesprochenen positiv reagiert, erklärte der Polizeisprecher weiter.

Die Polizei zeigt in diesen Tagen sichtbar mehr Präsenz, Sonderkontrollen gab es bislang keine. Für Maßnahmen darüber hinaus brauchte es bislang eine gesetzliche Grundlage – die die Ordnungshüter nun mit den verschärften Regelungen aus Stuttgart haben.

Boch wünscht keine Alleingänge

Stadtrat Reinhard Klein hatte OB Boch Stunden vor dessen Ankündigung aufgefordert, eine Ausgangssperre zu verhängen. Dies lehnte Boch ab. Einseitige Maßnahmen werde es nicht geben. „Es ist kein gutes Zeichen, wenn jetzt in der einen Stadt etwas gilt, was in der Nachbarstadt ganz anders geregelt ist.“

Die FDP/FW/UB/LED-Fraktion im Gemeinderat fordert die Stadt indessen auf, die Ordnungsdienste statt auf Falschparkerjagd für Vorsichtsmaßnahmen in der Corona-Bekämpfung einzusetzen. „Außergewöhnliche Zeiten fordern außergewöhnliche Maßnahmen.“

Recyclinghöfe des Enzkreises bleiben ab Samstag geschlossen

Aufgrund aktueller Entwicklungen werden ab  Samstag auch alle Recyclinghöfe des Enzkreises bis auf weiteres geschlossen. „Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und des Personals machen diesen Schritt ab sofort leider nötig", bedauert Landrat Bastian Rosenau.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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