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Reuchlins Spuren

Das Museum Johannes Reuchlin stellt Herkunft, Leben, Werk und Wirken des Pforzheimers vor

Überall in Pforzheim begegnet man Erinnerungen an Johannes Reuchlin. Das Museum stellt alles Stationen seines bewegten Lebens vor.

Eingang Reuchlin Museum
Eingang zur Ausstellung: Bereits vor 100 Jahren gab es in Pforzheim ein Reuchlinmuseum. Nachdem dieses 1945 zerstört wurde, dauerte es 60 Jahre, bis das neue Museum eröffnet wurde. Foto: Birgit Metzbaur

Informationen über Johannes Reuchlin findet man nirgendwo sonst so komprimiert wie im Museum Johannes Reuchlin. Und dann auch noch an einem historisch so bedeutsamen Ort, an dem nach Reuchlins Tod 1522 viele Jahre lang seine berühmte Bibliothek aufbewahrt wurde.

Der spätgotische Anbau der Schlosskirche, „Reuchlinkolleg“ genannt, galt im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. Bereits vor 100 Jahren (1922) hatte die Stadt ein Reuchlinmuseum eingerichtet. Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum jedoch total zerstört.

Mehr als 60 Jahre dauerte es, bis das neue Museum eröffnet wurde. Der Neubau von 2008, der nach Entwürfen des Hamburger Architekten Bernhard Hirche gefertigt wurde, nimmt die historische Form der ehemaligen Sakristei der Schlosskirche auf. Initiator und treibende Kraft für den Aufbau des Museum Johannes Reuchlin waren die „Freunde der Schloßkirche“ mit dem 2017 gestorbenen Geschäftsmann Jürgen Wahner an der Spitze.

Humanist Reuchlin hatte seine Wurzeln in Pforzheim

Das Museum versteht sich als eine Stätte des Humanismus, als weltweiten Ort zur Erinnerung an Johannes Reuchlin. Auf vier Ebenen werden Herkunft, Leben, Werk und Wirken des europäischen Humanisten, Juristen, Hebraisten und Menschenrechtlers vorgestellt. Er lebte von 1455 bis 1522 und hatte seine Wurzeln in Pforzheim.

Die Pforzheimer Lateinschule und der Knabenchor der Schlosskirche waren erste Stationen auf dem Lebensweg des hoch begabten Jungen. Im Alter von 15 Jahren schrieb sich Reuchlin an der Universität zu Freiburg ein, studierte in Paris, Basel, Orléans, Poitiers, lehrte unter anderem an der Universität Tübingen und wurde 1483 Bürger von Stuttgart. Seine Pforzheimer Herkunft betonte er jedoch sein Leben lang mit dem lateinischen Namenszusatz „Phorcensis“.

Nach seinem Tod vermachte Reuchlin seine Bibliothek der Stiftskirche zum Heiligen Michael (Schlosskirche). Dort befand sich zu dieser Zeit auch die Hofbibliothek des badischen Markgrafen. Als der Markgraf seine Residenz nach Durlach verlegte, nahm er Reuchlins Bücher, die er als sein persönliches Eigentum ansah, mit.

Im Nachhinein ein Glück. Nicht nur, dass sich mithilfe von Reuchlins Bibliothek die Badische Landesbibliothek entwickelte. Wären die Bücher in Pforzheim geblieben, wären sie wohl spätestens 1945 verbrannt. Die meisten Exponate im Museum Johannes Reuchlin sind Replikate von Büchern und Briefen. Originale sind unter Verschluss im Stadtarchiv, in der Badischen und der Württembergischen Landesbibliothek. Die alten Schriften müssen vor Licht geschützt werden.

Seine humanistischen Schriften machten den Pforzheimer berühmt

Das Museum stellt das bewegte Leben Reuchlins vor. Interaktive Medienstationen erlauben ein „Blättern“ in seinen Büchern und Briefen. Hier wird deutlich, dass Reuchlin ein Vorreiter in Sachen Toleranz im Sinne einer Anerkennung kultureller Vielfalt war. In seinem Buch „Die Kunst der Kabbala“ rief er Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf.

Seine Druckwerke, Theaterstücke, Hebräisch- und Kabbala-Studien machten ihn bereits zu Lebzeiten berühmt. Zu sehen ist auch ein Exemplar des „Augenspiegel“, in dem sich Reuchlin zum Fürsprecher der jüdischen Literatur machte, gegen die Bücherverbrennung kämpfte, sich auf menschliche Grundrechte berief und damit 1511 europaweit für Aufsehen sorgte.

Im Museum kann der Renaissance-Mensch Reuchlin mitsamt seinen bis heute aktuellen Botschaften, die Quellen zu studieren und den Dialog zu führen, entdeckt werden. Das Museum ist montags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

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