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Im Zweischichtbetrieb

Die Vesperkirche in Pforzheim läuft mit 2G-Regelung

In der Stadtkirche können Besucher von Mitte Januar bis Mitte Februar wieder täglich zusammen essen. Also fast wie in Zeiten vor Corona. Manches wird bei der 23. Pforzheimer Vesperkirche dennoch anders sein.

Die Essensausgabe in der Pforzheimer Vesperkirche in diesem Jahr muss unter Pandemiebedingungen laufen. Foto: Stefan Friedrich

Bei einer warmen Mahlzeit für ein paar Stunden der Einsamkeit entfliehen und bei Bedarf spirituelle oder soziale Unterstützung erhalten: Wenn die Pforzheimer Vesperkirche am 16. Januar nächsten Jahres ihre Pforten in der Stadtkirche öffnet, dann kann sie ihren Besuchern dieses Rundum-Paket wieder bieten, für das sie seit mehr als 20 Jahren steht.

Die 23. wird eine fast normale Vesperkirche sein, mit vielen Menschen, die vier Wochen lang an den Tischen im weitläufigen Kirchenraum gemeinsam ihr Mittagessen verzehren können, allerdings mit 2G-Regelung und in zwei Schichten.

„Wir wollten weg vom To-Go-Angebot“, erinnert Thomas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Vereins Ökumenische Vesperkirche Pforzheim, an den ersten Pandemie-Winter vergangenes Jahr, der das Organisationsteam dazu zwang, den Menschen das Essen abgepackt mitzugeben, ohne ihnen dabei die Räumlichkeiten für Seelennahrung öffnen zu können.

Gäste wie Ehrenamtliche müssen geimpft oder genesen sein

„Die Vesperkirche ist für uns mehr, als Menschen nur Essen anzubieten. Sie sollen Gemeinschaft erleben können“, beschreibt Lutz das Spannungsfeld, das im zweiten Jahr mit dem Coronavirus zur Entscheidung für die 2G-Variante geführt hat.

Gäste wie Ehrenamtliche müssen also geimpft oder genesen sein und den Nachweis dafür vorlegen, denn beide Gruppen sollen sich sicher fühlen können, wenn sie in großer Zahl aufeinander treffen.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Lutz rechnet damit, dass ein Teil der Gäste möglicherweise nicht geimpft ist. Deshalb ist der stellvertretende Geschäftsführer der Diakonie froh um das niederschwellige Angebot der Impfambulanz in der Bahnhofstraße, wo man sich ohne Anmeldung ein Vakzin gegen das Coronavirus spritzen lassen kann.

Die meisten Gäste der Suppenküche sind geimpft.
Rudolf Mehl, Ehrenamtlicher

In der Suppenküche, die ebenfalls vom ökumenischen Verein der Vesperkirche betrieben wird, machen die Ehrenamtlichen derzeit andere Erfahrungen. „Die meisten sind geimpft“, erklärt Rudolf Mehl, der mit seiner Frau Christiana dort und in der Vesperkirche seit vielen Jahren Essen an Bedürftige oder einsame Menschen ausgibt.

Der Betrieb läuft bislang bei 3G-Regelung

Nachdem das Angebot zum Mitnehmen kürzlich eingestellt wurde, können Leute wieder in den Räumen der Kiehnlestraße zusammensitzen und gemeinsam essen. Der Betrieb läuft bislang bei 3G-Regelung. „Die Besucher zeigen ohne weiteres ihren Nachweis vor“, berichtet Elisabeth Schweizer vom Leitungsteam der Vesperkirche. „Es klappt einwandfrei“, erfährt sie von Helfern wie dem Ehepaar Mehl.

Vielleicht gilt 2G bald auch für die Suppenküche

„Wir überlegen allerdings, ob wir nicht die 2G einführen“, wirft Rudolf Mehl ein. Es sei ohnehin die Ausnahme, dass jemand einen Test vorlege, der in der Regel selbst gezahlt werden muss. Registriert wird jeder, der in die Suppenküche kommt. Das Helferteam habe dafür ein Karteikartensystem, sagt Mehl.

170 Besucher finden Platz in der Vesperkirche

Die Suppenküche schließt traditionell für den Zeitraum, da die Vesperkirche geöffnet ist. Von 16. Januar bis 13. Februar wird Gästen dort täglich eine warme Mahlzeit zum Preis für einen Euro gereicht, in zwei Schichten von 11 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 14.30 Uhr. Damit es luftig bleibt, habe das Organisationsteam beschlossen, pro Zeitraum nur bis zu 170 Plätze anzubieten, also in etwa die Hälfte im Vergleich zu sonst. Frühstück wird es keines geben.

Aber Kaffee und süße Stücke sowie alkoholfreie kühle Getränke, die am Tisch ausgeschenkt werden, wie Elisabeth Schweizer betont. Damit will man, mit Blick auf die Pandemie, Fußgängerverkehr in der Kirche einschränken. Für Zuhause bekommt dann jeder Besucher wieder sein Vesper.

Weitere Details zur Vesperkirche müssen noch vereinbart werden, zum Beispiel, wie man die 2G-Nachweise kontrolliert. „Bändchen am Einlass auszugeben, wären eine Möglichkeit“, stellt sich Lutz vor.

Keine Kinderbetreuung aber Arztsprechstunde

Eine Kinderbetreuung wird es diesmal noch nicht geben. Aber ein Arzt wird regelmäßig Sprechstunde im Kirchenraum abhalten. Und wer psychologische oder soziale Betreuung braucht, kann auf ein Gespräch oder die Weitervermittlung an eine Anlaufstelle vertrauen.

Vesperkirche-Verein ist auf Sponsoren angewiesen

Wie immer ist der ausschließlich durch Spenden finanzierte Vesperkirche-Verein auf Sponsoren angewiesen. Lutz rechnet mit einem Budget von 200.000 Euro, um die vierwöchige Vesperkirche und die ganzjährig betriebene Suppenküche zu finanzieren.

Den Betrieb der Vesperkirche halten rund 350 Ehrenamtliche am Laufen. „Wir haben alle bisherigen Helferinnen und Helfer aus unserem Pool angeschrieben“, berichtet Schweizer. Nun wartet das Organisationsteam auf Rückmeldungen. Einen Mangel an hilfsbereiten Menschen gab es bisher nie: Wenn ältere Ehrenamtliche ausschieden, rückten Jüngere nach, sagt Schweizer. „Das klappt gut.“

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