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Werden Fördergelder nicht abgerufen?

Fahrrad-Aktivistin von „Critical Mass“ kritisiert die Stadt Pforzheim

Die Fahrradaktivistinnen von Critical Mass haben sich am Freitag in der Pforzheimer Innenstadt für Frauen eingesetzt, die kein Fahrrad fahren dürfen. Eine von ihnen übt Kritik an der Stadt.

In den Startlöchern: Auf den Fancy Women Bike Ride freuen sich Stephanie Aeffner, Sabine Rabl, Kirstin Heissenberger, Christine Fischer und Jing Wormer (von links). Foto: Nico Roller

Klingelnd machen sich die Fahrradaktivisten der Critical Mass am Freitagabend vom Waisenhausplatz aus auf de Weg auf ihre Tour durch die Pforzheimer Innenstadt.

In der ersten Reihe in eleganten Kleidern, mit Sonnenhüten auf dem Kopf und Blumen an den Fahrrädern: Jing Wormer, Kirstin Heissenberger, Christine Fischer und Sabine Rabl. Ihr Ziel: Auf den Fancy Women Bike Ride aufmerksam machen, der am 19. September um 15 Uhr an derselben Stelle starten wird.

„Es geht darum, sich mit Frauen zu solidarisieren, die in Gesellschaften leben, in denen es nicht gewünscht oder akzeptiert ist, dass sie Fahrrad fahren“, erklärt Fischer: „Oft lernen sie das Fahrradfahren erst gar nicht.“ Es handelt sich um eine weltweite, seit rund acht Jahren existierende Bewegung, von der zumindest in Pforzheim auch Männer nicht ausgeschlossen werden – vorausgesetzt, sie werfen sich in Schale.

Radfahrerinnen wollen auffallen

Die Strecke soll durch die Innenstadt verlaufen und auch für Ungeübte leicht zu fahren sein. Voriges Jahr hat der Fancy Women Bike Ride schon einmal stattgefunden – und war aus Fischers Sicht prompt ein voller Erfolg. Sie berichtet von 55 Teilnehmern und sagt, dieses Mal müssten es mindestes 100 werden.

Die Menschen am Straßenrand haben sich mit uns gefreut.
Christine Fischer, Aktivistin von Critical Mass

„Wir sind aufgefallen, die Menschen am Straßenrand haben sich mit uns gefreut.“ Auch die Critical Mass fällt auf – und zwar seit 2017, denn so lange gibt es sie in Pforzheim schon. Bis Corona kam, habe man die Teilnehmerzahlen stetig gesteigert, sagt Peter Heissenberger. In der Spitze habe man 120 Teilnehmer gehabt. „Wenn Corona nicht gewesen wäre, dann wären wir jetzt bestimmt schon bei 200 bis 300 Leuten.“

Aber Corona war nun einmal und so musste auch die Critical Mass schauen, wie sie in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin präsent bleibt. Zumal auch ihre Filmreihe mit dem Kommunalen Kino wegen des Winter-Lockdowns eingeschlafen ist.

Zum Glück, sagt Heissenberger, gebe es einen „harten Kern“ von rund 50 Teilnehmern, der fast immer komme. Mit „umso mehr Schwung“ versuche man jetzt, auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Und das ist klar: Mehr Radwege, sicher, breit, gut ausgebaut und untereinander vernetzt.

Dass die Aktionen der Critical Mass etwas bringen, davon ist Heissenberger fest überzeugt. Als Beispiel nennt er die Diskussion im Vorfeld der Kommunalwahl, nach der der Gemeinderat die von ihnen geforderte Stelle des Radverkehrsbeauftragten geschaffen habe. Ein Anfang, aber nicht genug.

Kritik an der Stadt: So schafft Pforzheim die Klimawende nicht

Heissenberger beklagt, dass in Pforzheim viele der Fördergelder nicht abgerufen würden, die es für den Ausbau des Radwegenetzes gebe. „Wenn wir genauso weitermachen, wird Pforzheim weder die Mobilitäts- noch die Klimawende schaffen.“

Wenn wir genauso weitermachen, wird Pforzheim weder die Mobilitäts- noch die Klimawende schaffen.
Kirstin Heissenberger, Aktivistin von Critical Mass

Neben den Stadträten Annkathrin Wulff (SPD) und Christof Weisenbacher (WiP/Die Linke) ist am Freitagabend auch die Grünen-Bundestagskandidatin Stephanie Aeffner vor Ort. „Ich finde es großartig, was Zivilgesellschaft hier auf die Beine stellt“, sagt sie: „Veränderung bekommen wir nur gemeinsam hin.“

Aeffner ist überzeugt: Mit E-Bikes kann man sich auch in der hügeligen Landschaft in und um Pforzheim problemlos fortbewegen. „Wenn der Strom dann noch aus Erneuerbaren Energien kommt, fährt man komplett emissionsfrei.“

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