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Neue Daten für Radwege

Das soll die neue Fahrrad-App in Pforzheim bewirken

Pforzheimer Fahrradaktivisten diskutieren differenziert über eine Fahrrad-App. Einerseits würden sie das Geld lieber für neue Radwege ausgeben. Andererseits sehen sie in der bikePF-Kampagne auch Chancen.

Schluss mit der App zum Stadtplan: Der Gemeinderat kippte das Vorhaben, mit einer bikePF-App fürs Radfahren zu motivieren und einen Baustein für die Smart City Pforzheim zu gewinnen. Foto: Stefan Friedrich

„Wer sich nicht sicher fühlt, wird sich nicht aufs Rad setzen“, sagt Martin Mäschke. Für ihn ist die Fahrrad-App, die gerade von vielen Pforzheimer Stadträten begeistert begrüßt wurde, deshalb ein ziemlicher Aufreger.

Der hiesige Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) würde die 150.000 Euro für den in der Diskussion stehenden städtischen Routenplaner mit Datensammelfunktion für die Verkehrsplanung lieber im Sofortprogramm für eine bessere Fahrradinfrastruktur in Pforzheim sehen. Denn die gibt es aus seiner Sicht so gut wie nicht.

Zweiradenthusiasten teilen Martin Mäschkes Empörung nicht

Mäschke fordert nicht als Einziger mehr Geld für Radwege. In zwei Chatgruppen musste er allerdings erfahren, dass andere Zweiradenthusiasten seine Empörung über das Thema bikePF-App eher nicht teilen: „Es gab wenig Feedback.“

Die App kann helfen kann, die digitallastige jüngere Generation aufs Fahrrad zu bekommen.
Peter Heissenberg, Critical Mass

Das liegt auch an Leuten wie Peter Heissenberg von Critical Mass. Der Radaktivist für mehr Gleichberechtigung auf Pforzheims Straßen beklagt wie Martin Mäschke das kleine Budget von 150.000 Euro für Fahrradinfrastruktur im aktuellen Haushalt. Trotzdem hält er „die App allein schon deshalb für sinnvoll, weil sie helfen kann, die digitallastige jüngere Generation aufs Fahrrad zu bekommen“.

Außerdem eröffne sie die Möglichkeit, gezielt für bessere Radwege in die Pedale zu treten. Bevor er die App für Critical Mass vorschlägt, will er sie aber erst einmal selbst testen.

Gelegenheit dazu bekommt er, sobald das digitale Bindeglied zwischen Radfahrenden und Verkehrsplanung am Dienstag, 12. Oktober, vom Gemeinderat beschlossen und danach gebaut ist. Laut Baureferent Marc Feltl kommen drei bis fünf App-Anbieter für die Ausarbeitung einer Pforzheim-Variante in Frage.

Verkehrministerium von bikePF-App überzeugt

Für die auf zwei Jahre angelegte Kampagne gibt es einen Landeszuschuss von 150.000 Euro. Diese 50-Prozent-Unterstützung ist ein Nebeneffekt der Teilnahme Pforzheims bei einem Programm des Bundesinnenministeriums.

Nachdem Pforzheim 2019 mit seiner bikePF-App dort zwar überzeugen, diese aber nicht über den „Strategiedialog Automobilwirtschaft“ gefördert werden konnte, griff das Landesverkehrsministerium zu.

Auch bei der regionalen Wirtschaft kommt die Idee gut an. Mehr als 20 Firmen zeigten bei einer Voraberkundung der Stadt Interesse an der bikePF-App, so Feltl. Das heißt auch, dass sie die Kampagne mit Wettbewerben und anderen Aktionen im Betrieb begleiten wollen.

Wir wollen, dass Mitarbeiter das Fahrrad nutzen, weil es gesund ist.
Bernhard Förster, Forestadent

Das bringt Teilnehmer, ist Feltl überzeugt. Radfahraktivist Martin Mäschke dagegen bezweifelt, ob die App-Aktion für viele Leute ein Argument ist, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen. Solange das hügelige Pforzheim nicht fahrradgerecht ausgebaut ist, werden sich unsichere Menschen nicht auf den Sattel setzen, so sein Hauptargument. Viele müssten sich überhaupt erst einen leisten, schiebt er sinngemäß nach.

Eine der Firmen, die bei bikePF dabei sein wollen, ist Forestadent. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter das Fahrrad nutzen, weil es gesund ist“, begründete Bernhard Förster. Der Geschäftsführer stellt das Argument ganz an den Anfang seiner Argumentation.

Er fahre selbst regelmäßig mit dem Mountainbike von seinem Haus in einem Höhestadtteil runter zur Arbeit in der Westlichen. Das sei bei der chaotischen Pforzheimer Verkehrssituation einfach sinnvoll.

Radeln statt parken

Das Gros der 240 von 300 Forestadent-Mitarbeitern, die am Stammsitz arbeiten, könnte sich auch von der Parkplatzsituation aufs Fahrrad bewegen lassen. Die Dentalfirma hat 40 bis 50 Parkplätze in einer Tiefgarage, auf dem Grundstück und auf einer benachbarten Fläche. Wenn der naheliegende Messeplatz gesperrt ist, sieht es schlecht aus für Autofahrer.

„Sobald die Infrastruktur fürs E-Bike stimmt, wächst auch die Nachfrage“, bestätigt Förster die Einschätzung von Mäschke und Heissenberg. Forestadent würde dies fördern, kündigt er an. „Als ein Baustein von vielen“ bewertet der Geschäftsführer die App-Kampagne als Beitrag zur Mitarbeitermotivation.

Gar keine Rolle bei der Entscheidung spiele die CO2-Bilanz. Der Klima-Fußabdruck des Unternehmens stehe noch nicht im Fokus.

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