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Online fehlt Vitamin B

Firmen sehnen sich nach Präsenztagungen – Pforzheimer Congresscentrum bereitet sich darauf vor

Nur online ist zu wenig für den geschäftlichen Erfolg. Es braucht den direkten Kontakt und die Nebengespräche bei Tagungen und Messen. Diese Überzeugung bei Akteuren im Wirtschaftsleben spiegelt sich in der Herbstauslastung des Pforzheimer Congresscentrums.

„Wir wollen den Kunden in die Augen schauen, wir wollen den ungeplanten Plausch – dieses Netzwerk.“ Eugen Müller möchte „unbedingt“ zurück in die großen Säle und Hallen, zum Beispiel im Pforzheimer Congresscentrum (CCP).

Dabei ist er in seinen beiden Firmen Meyle & Müller und Apollon technisch betrachtet bestens aufgestellt für digitale Kongresse und Workshops und richtet sie auch für andere aus. Nur die Sache mit den Kaffeepausen lässt sich online einfach nicht umsetzen. „Aber die sind ebenso wichtig wie die Vorträge“, sagt der Pforzheimer Unternehmen.

Wirtschaftsförderer Markus Epple bestätigt das voll und ganz: „Alles, was neben der offiziellen Tonspur passiert, ist das Salz in der Suppe und steigert die Effizienz.“

Insofern sei es allerhöchste Zeit, dass der direkte Austausch wieder stattfindet, sagt der Geschäftsbereichsleiter bei Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Epple bezieht das auf die Unternehmen der Region. Ganz wichtig sei aber auch, dass Pforzheim selbst zurück aufs Messeparkett komme.

Aufmerksamkeit fürs Congresscentrum

Für Epples WSP-Kollege Daniel Schuch sind das nur weitere Aufbruchssignale. Denn es läuft schon recht ordentlich an im Congresscentrum, das der Vertriebsleiter im Juli auch bei der Messe Location in Ludwigsburg vermarktet. Das Sehen und gesehen werden dort ist nach langer Pause der erste lebendige Akzent in einem ganzen Bündel von Aktivitäten fürs CCP.

Während pandemiebedingt fast jede Veranstaltung ins Internet abwanderte, hat Schuch die Gute Stube der Stadt auf den Internetportalen Instagram und LinkedIn zu einer Adresse gemacht, den Facebook-Auftritt und die Homepage des Hauses modernisiert und dafür gesorgt, dass Pforzheims Veranstaltungspotenziale auf „nahezu allen Portalen“ fürs Kongress- und Konferenzgeschäft zu finden sind.

Alles neben der offiziellen Tonspur ist das Salz in der Suppe.
Markus Epple, Wirtschaftsförderer

Diese Werbung kommt an. Dies zeigten Gesprächen mit potenziellen Neukunden, die den ganz großen Hallen den Rücken kehren und auf kleinere Präsenzveranstaltungen mit digitalen Komponenten setzen. „Pforzheim wird von diesem Trend profitieren“, sagte Schuch bereits vor knapp einem Jahr. Jetzt, so scheint es, wird das CCP als ein dafür gutes Angebot wahrgenommen.

„Viele lechzen danach, den persönlichen Kontakt wieder zu ermöglichen“, sagt Schuch zur Marktlage insgesamt. Das gilt auch für den Kulturbereich, der normalerweise knapp 40 Prozent des CCP-Geschehens ausmacht.

Dem CCP drohen Verluste

Wie das Beispiel Bülent Ceylan zeigt, ist hier aber bis auf Weiteres nicht mit größeren Ereignissen zu rechnen. Der Komiker hat seine komplette Tournee auf 2022 verschoben. Mit 400 anstatt der kalkulierten knapp 2.000 Zuschauern drohen Verluste, rechnet Schuch vor. Er blicke zwar „optimistisch skeptisch“ in die Zukunft, an den kurzfristigen Ersatz im Unterhaltungsbereich glaube er aber eher nicht.

Anders sieht es im Geschäft mit Firmen aus. Dass sich Präsenzveranstaltungen durch den Corona-Wandel komplett erledigt haben, „hat noch keiner gesagt“, so Schuch. Im Gegenteil: Das CCP sei ab September sehr gut gebucht. Die meisten setzten bei ihren Konferenzen und Kongressen auf hybrid – also ein Nebeneinander von Präsenz und Online-Übertragung. Dabei würden spannende Konzepte erprobt. So habe ein Verband den großen Saal dreigeteilt und seine Führungskräfte gruppenweise zugelassen.

Für reine Wissensvermittlung ist ein derartiger Aufwand nicht erforderlich. „Das funktioniert digital wunderbar“, sagt Schuch. Bei Dentaurum in Ispringen führt diese Erfahrung jetzt zu einem Nebeneinander von Digital und Präsenz, erläuterte Geschäftsleitungsassistentin Maria Cubero.

An den wegen der Kontaktbeschränkungen eingerichteten Webinare beteiligten sich international Menschen, die sonst nie zu solchen Fortbildungen anreisten. Das Angebot werde deshalb weiter ausgebaut. Daneben aber bleibe der persönliche Kontakt das wichtigste. „Es ist einfach etwas ganz anderes, wenn die Kieferorthopäden und Zahntechniker wieder ins Schulungszentrum kommen“.

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