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Drei Flüsse in einer Stadt

Ideen für die Flüsse in Pforzheim: Wie man die Ufer für mehr Lebensqualität nutzen kann

Welche Stadt hat schon drei Flüsse? Pforzheim ist mit Enz, Nagold und Würm reich gesegnet, macht nach Meinung vieler aber nicht genug daraus. Ideen und Pläne, wie auch Kultur und Lebensqualität mehr vom Wasser in der Stadt profitieren können, gibt es bereits.

Die drei Flüsse sind ein Pfund, mit dem Pforzheim mehr wuchern müsste, finden viele Bewohner der Stadt – unter ihnen Kulturschaffende. Ideen gibt es viele, die Umsetzung scheitert aber häufig an den Kosten. Foto: Torsten Ochs

„Jede andere Stadt würde sich die Finger lecken, wenn sie nur einen Fluss hätte – wir haben gleich drei“, sagt Bildhauer René Dantes beim Spaziergang durch die Innenstadt. Hier beim Eispavillon an der Roßbrücke ist an diesem Sommertag Lebensfreude zu spüren. Die Gäste schlecken Eis, sitzen unter Bäumen, trinken Sekt. Und das alles mit Blick auf die Enz.

„Die drei Flüsse sind ein Pfund, mit dem die Stadt viel mehr wuchern könnte“, ist Dantes überzeugt. Das steht und fällt mit dem Angebot: Gastronomie und schöne Geschäfte – so wie am Platz an der Roßbrücke, der die Leute in Richtung Sedanplatz lockt.

Ähnliches könnte sich Dantes auch an der Zerrennerstraße und am Waisenhausplatz vorstellen, der nach einer bestimmten Uhrzeit aber wie ausgestorben ist – auch weil die Aufenthaltsqualität und das entsprechende Angebot fehlen. Dantes kann sich so manches vorstellen: Lokale auf dem Fluss und ein Flößerfest – ähnlich wie das in Calw.

Ich habe viel Positives gesehen in den vergangenen 20 Jahren.
Peter Wagner, Vorsitzender „Pforzheim mitgestalten“

Auch der Verein „Pforzheim mitgestalten“ sprüht vor Ideen. „Ich habe viel Positives gesehen in den vergangenen 20 Jahren“, lobt Peter Wagner. Der Vorsitzende des Vereins „Pforzheim mitgestalten“ nennt die Renaturierung der Enz und die Gastronomie zwischen Roßbrücke und Waisenhausplatz. Auf diesem fehle aber noch das Flair, findet auch Wagner.

Verdreckte Goldschmiedemeile an der Enz in Pforzheim brennt Verein auf den Nägeln

Unter den Nägeln brennt dem Verein vor allem der „desolate und verdreckte Zustand“ der Goldschmiedemeile zwischen Goldschmiedesteg und IHK an der Dr.-Brandenburg-Straße. Gemeinsam mit dem Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) will der Verein den Goldstadtuferweg zu neuem Leben erwecken. Auch dass im Bereich der Habermehlstraße am Flussufer gegrillt und Abfälle im Wasser entsorgt werden, ist dem Verein ein Dorn im Auge.

Wassersport auf der Nagold: Ab November soll mit der Blackforestwave im Pforzheimer Metzelgraben beim Kupferdächle gesurft werden können. Foto: Phillip Kragl (Visualisierung)

Gespannt ist Wagner, ob die Blackforestwave Besucher anlockt. Wie berichtet, will der gleichnamige Verein am Metzelgraben, der aus der Nagold abgeleitet wird, für Wassersport und Surfen auf dem Fluss begeistern. Richtig punkten könne die Stadt auch mit ihren „Schönheiten am Stadtrand“ wie Enzauenpark oder der Bereich rund um den Kupferhammer. Für Familien in der Innenstadt seien der Park und die Wiesen im Würmtal wie Balkone.

Wunsch nach Wohlfühlinselns am Ufer der Flüsse in Pforzheim

Wagner findet, die Flussufer sollten zu „Wohlfühlinseln“ der Stadt werden und auch der Waisenhausplatz könnte stärker bespielt werden. Der Vereinsvorsitzende kann sich auch vorstellen, dass bei kleinen Hofkonzerten auch die Flussufer mit eingebunden werden. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal für Pforzheim“, ist Wagner überzeugt.

Eventmanager bemängelt „Verkrautung“ mancher Flussufer

Eventmanager Gerhard Baral bemängelt vor allem die „Verkrautung“ mancher Flussufer, die zumindest auf der Nordseite gemäht werden müssten. „Die Flüsse sind ein Schatz aber man kommt gar nichts ans Wasser“, sagt er und verweist auf Städte wie Ulm, Heilbronn und Würzburg, die durch die Zugänge zum Fluss aufgeblüht seien.

Die Flüsse sind ein Schatz, aber man kommt gar nichts ans Wasser.
Gerhard Baral, Eventmanager

Schade findet er auch, dass die Sitzsteine an der Enz zugewachsen und die Ufer zum Teil durch Müll verdreckt sind. Diese Sitzstufen habe er begrüßt, weil sie zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt beitragen.

Die Flussufergestaltung werde schon lange diskutiert. Hemmschuhe seien Fragen der Sicherheit und der Ökologie – verständlich, findet Baral, der vorschlägt, Inseln zu schaffen, also den Fluss als Erlebnis dort möglich zu machen, wo es geht.

Schöne Aussicht: Die Sitzstufen an der Enz (hier in der Jörg-Ratgeb-Straße) tragen zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt bei. Allerdings bemängeln Pforzheimer, dass die Steine zum Teil zugewachsen sind. Foto: Torsten Ochs

„Es sind kleine Schritte, die schnell realisierbar wären und höchstens guten Willen und nicht viel kosten.“ Vorstellen kann sich Baral, eine kleine Plattform oder ein Podium auf der Enz zu schaffen – für Konzerte und als Bühne für das Stadttheater.

Planungen für Freitreppe an der Enz und Ideen für Grille am Pforzheimer Fluss

Die Attraktivität des Waisenhausplatzes könnte für Stadtrat Axel Baumbusch (Grüne Liste) durch die Freitreppe zur Enz mit Sitzmöglichkeiten gesteigert werden. Für die Treppe am Wehr beim Parkhotel gibt es sogar schon eine Planung, diese sei aber auch mit Kosten verbunden.

Leben am Flussufer: Das findet an manchen Stellen wie am Davosweg schon statt. Manche Pforzheimer nutzen die Stellen zum Grillen oder Planschen. Foto: Torsten Ochs

Auch innerstädtisches Grillen – etwa am Davosweg – hält er für denkbar. Entlang der Nagold kann sich Sozialarbeiter Baumbusch – auch jugendtypische – Sitzgelegenheiten vorstellen. Allerdings sei das mit Hinterlassenschaften verbunden. Deshalb, so Baumbusch, müsse man dann auch den Takt der Müllentsorgung erhöhen.

Pforzheimer Bürgermeisterin schlägt Holzdecks zum Sitzen am Flussufer vor

Die Flüsse begehbarer zu machen – das will auch Sibylle Schüssler. Die grüne Bürgermeisterin für Planen, Bauen, Umwelt und Kultur denkt dabei an Holzdecks an manchen Uferbereichen – zum Sitzen oder für Lokale. „Ich sehe das in vielen anderen Städten“, so Schüssler. In Pforzheim könnten die Decks am Waisenhausplatz oder im Enzauenpark angebracht werden – „wenn wir Kapazitäten frei haben“, so die Bürgermeisterin. Das Ziel sei ganz klar: Den Flussbereich stärker erlebbar zu machen.

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