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CDU-Spitzenmann auf Wahlkampftour

Gegen die schlechten Prognosen: Friedrich Merz versprüht in Pforzheim Zuversicht

CDU-Promi Friedrich Merz hat am Mittwoch in Pforzheim eine kämpferische Wahlkampfrede gehalten. Der örtliche Direktkandidat Gunther Krichbaum kann die Unterstützung gebrauchen. Denn die Prognosen sind nicht gut.

Balsam für die Parteiseele: Friedrich Merz sitzt am Mittwoch im Pforzheimer Enzauen-Biergarten im Kreise von CDU-Anhängern. Der Politiker sprach auf Einladung des CDU-Wahlkreiskandidaten Gunther Krichbaum. Foto: Daniel Streib

Gunther Krichbaum steht auf der festlich geschmückten Bühne im Enzauenpark und macht auf gut Wetter. „Es war strömender Regen vorhergesagt und jetzt ist es trocken.“ Ähnlich sei es mit Wahlprognosen, hofft der CDU-Bundestagsabgeordnete mit Blick auf die aktuellen Zahlen, die in Pforzheim nicht viel ermutigender sind für die Christdemokraten als derzeit fast überall.

Nach einem Berechnungsmodell wackelt angeblich sogar das Direktmandat, dass Krichbaum seit 2002 sein eigen nennt.

Für den Wetterumschwung, ein stabiles CDU-Hoch, soll Friedrich Merz sorgen, der an diesem Mittwochnachmittag für eine Stunde im Biergarten Station macht. Davor war er auf einem gemeinsamen Termin mit Kanzlerkandidat Armin Laschet in Stuttgart.

Friedrich Merz spricht im Enzauen-Biergarten in Pforzheim Foto: Daniel Streib

Nach Pforzheim kommt Merz alleine. Gastgeber Krichbaum hatte sich bei der Wahl zum Parteivorsitzenden im Januar klar für den Sauerländer und gegen Laschet ausgesprochen, auch als Kanzlerkandidaten hätten Merz viele Pforzheimer CDUler gern gehabt.

Der Kandidat der Herzen ist deshalb auch dazu nach Pforzheim gekommen, um die geschundene Parteiseele zu streicheln, um Zuversicht und Kampfesmut zu versprühen.

Gewarnt wird vor Grünen, Roten aller Art und auch der FDP

Seine Biergarten-Rede – im Kern die aktuelle Standardansprache, die er jetzt überall hält – richtet sich denn auch eher an die Stammwählerschaft. Es gibt gesalzene Sprüche in Richtung Roten, Grünen und Linken aller Art und sogar vor der FDP wird eindringlich gewarnt. Denn: „Es wird eine alles entscheidende Richtungswahl.“ Nur mit der Union in der Regierung könne man Deutschland und eigentlich auch Europa vor dem Schlimmsten bewahren. Stichwörter Schulden, Stichwort Währungsstabilität.

Beim Mega-Thema Umwelt forderte Merz „Innovation statt Repression“. Er lasse sich das Autofahren nicht von grünen Radfahrern in Berlin vermiesen. Und überhaupt: Nur schnell auf Klimaneutralität setzen, das bedeute auch nicht das Ende aller Probleme. „Auch wenn das Fridays for Future, Extinction Rebellion, Greenpeace und wie sie alle heißen immer behaupten.“

Diesmal schloss Merz den Nabu nicht namentlich in seine Kritik ein. Unlängst in Bad Saulgau hatte er den Naturschutzbund noch als „Vorfeldorganisation“ der Grünen bezeichnet und sich damit den Ärger des Vereins zugezogen, der immerhin 800.000 Mitglieder hat, eines davon ist Annegret Kramp-Karrenbauer, die Merz 2018 bei der Wahl zum Parteivorsitz bezwang. Kurz vor seinem Pforzheimer Aufritt hatte sich Merz per Twitter beim Nabu entschuldigt.

Banges Raunen geht über die Biertische

Lange warten auf eine Entschuldigung kann sicherlich SPD-Kanzlerkandidat Olav Scholz, der ob seiner angeblichen Verwicklung in Skandale besonders heftige Merz-Spitzen abbekam. Bei Scholz sehe er zwei Möglichkeiten. Entweder er sei krankhaft vergesslich oder „der belügt die deutsche Öffentlichkeit“. Der biedere Finanzminister sei in Wirklichkeit ein Linker, im Prinzip fast so links wie jene Genossen, die die SPD im Wahlkampf versteckt habe. Merz muss nur einzelne Namen nennen und ein banges Raunen geht durch die Biertische. Saskia Esken. Kevin Kühnert. Ralf Stegner.

Dann thematisiert Merz eine Liste, die durchs Internet geistert und angebliche Ministerposten einer rot-grün-roten Regierung auflistet. Dass Annalena Baerbock von den Grünen dort als Außenministerin geführt werde, dass sei ja noch nachvollziehbar witzelt Merz mit Blick auf ihre Plagiatsaffäre, schließlich komme die Kanzlerkandidatin aus dem Völkerrecht und nicht aus dem Urheberrecht.

Hochprozentiges zum Abschied

Eine weitere angebliche Ministerposition ruft erneut banges Raunen hervor: Der langhaarige Anton Hofreiter als Verkehrsminister, dass will man sich lieber nicht vorstellen. Merz sinngemäß: Dann könne man sich alle Fördermittel für Baden-Württembergs Straßen auf Jahre hinaus abschminken.

Das war der Schub, den wir für den Endspurt brauchen.
Marianne Engeser, CDU-Ratsfraktionsvorsitzende

Aber soweit muss es nicht kommen. Beide Stimmen für die CDU seien das beste Mittel dagegen. Das Rennen sei knapp, viel knapper als viele denken. Soviel Optimismus wirkte angesichts zuletzt durchschnittlich fünf Prozentpunkten Abstand zur SPD erstaunlich ansteckend. Pforzheims CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzende Marianne Engeser wirkt fast euphorisch: „Das war der Schub, den wir für den Endspurt brauchen.“

42 Prozent: Gunther Krichbaum überreicht Friedrich Merz eine Pforzheimer Spirituose zum Abschied. Foto: Daniel Streib

Wahlkreiskandidat Krichbaum ist ebenfalls glücklich. Zum Abschied schenkt er Merz eine Flasche Gin aus Pforzheimer Herstellung – mit den Worten: „Der hat 42 Prozent, da muss die Union auch wieder hin.“

Etwas später, Merz ist schon wieder weg, holt Krichbaum der graue Wahlkampfalltag wieder ein. Ein leicht aufgebrachter Bürger hat den CDU-Wahlkreiskandidaten abgepasst und will von ihm wissen, wie er es denn fand, dass Armin Laschet im Katastrophengebiet gelacht hat.

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