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Wallberg-Gedenken abgesagt

Glockengeläut, Public-Viewing und Internet-Messen: So feierten die Kirchen in Pforzheim Ostern

Die Pforzheimer Kirchen zeigten sich am wichtigsten Wochenende des Jahres von ihrer kreativen Seite. Zwar konnte aufgrund der hohen Inzidenz nicht alles stattfinden – doch das Internet hilft im Zweifel aus.

Teilweise in Präsenz: Die Kirchen haben zu Ostern vieles ausprobiert. Der Mitmachgottesdienst in der evangelischen Markuskirche fand trotzdem in der Kirche statt. Foto: Björn Fix

Den Sonnenaufgang am Wallberg haben sich die Menschen dann doch nicht nehmen lassen. Eigentlich hätte hier in der Früh am Ostersonntag ein Gedenken der evangelischen Kirche stattfinden sollen, eine Art inoffizieller Ostergottesdienst. Der wurde kurz zuvor abgesagt.

Inzidenz zu hoch für Wallberg-Gedenken

Die Frühaufsteher hatten also ihre Ruhe, bis 75 Minuten später um 8 Uhr sämtliche Kirchenglocken der Stadt läuteten. Immerhin ist Ostern, das Fest der christlichen Wiederauferstehung. Auch wenn in diesem Jahr, wie schon 2020, das Ganze etwas magerer ausgefallen ist in den Gotteshäusern.

Die evangelische Kirche agierte besonders vorsichtig. „Wenn die Inzidenz auf 100 steigt, dann sagen wir einiges ab“, hatte Dekanin Christiane Quincke noch vor den Feiertagen gesagt. Nun lag der Wert in Pforzheim an Karsamstag bei 92,1. An Gründonnerstag aber war es noch genau 100. „Das hat uns gereicht“, sagt Quincke. „Dieses Rumgeier um die Grenze herum war natürlich blöd. Aber wir haben uns trotzdem schweren Herzens dafür entschieden, die Veranstaltung abzusagen.“

Das Ganze folgt einem Mehr-Stufen-Plan, den die Protestanten aufgestellt haben. Die Werte 100 und 200 sind dabei magische Grenzen, ab denen spezielle Ereignisse ausfallen sollten. Allerdings steckt der Teufel im Detail. „Manche Gemeinden hatten Vorgaben, dass der Wert über mehrere Tage bei 100 liegen muss“, erklärt Quincke.

Und das lag er nicht, jedenfalls nach offiziellen Angaben des Landes Baden-Württemberg. Einzig die Hoffnungsgemeinde in Huchenfeld/Würm habe ihren Gottesdienst abgesagt. In der Stadtkirche aber beispielsweise fanden die Gottesdienste in den Räumlichkeiten wie gewohnt unter Corona-Bedingungen statt.

Katholiken vertrauen auf Hygienekonzept

Noch weniger improvisieren musste man bei den Katholiken. „Wir haben diesen Stufenplan in der Diözese nicht“, erklärt Pforzheims Dekan Georg Lichtenberger. „Auch wenn ich den persönlich sehr gut finde.“ Es habe in der Diözese wohl ein gewisses Maß an Enttäuschung geherrscht, dass die Politik keine klareren Regelungen zu den Messen getroffen hatte.

Jede zweite Bank musste frei bleiben, die Plätze wurden abgesperrt.
Georg Lichtenberger, Dekan in Pforzheim

Auch Quincke betont das mit Verweis auf die Bitte aus der Bund-Länder-Konferenz heraus, auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten. Nach einem Gespräch zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Vertretern der führenden christlichen Kirchen hatte dieser die Bitte zurückgenommen. „Einer solchen Bitte hätten wir uns schwer entziehen können“, sagt Quincke. Und auch Lichtenberger betont, dass es an Klarheit seitens der Politik gemangelt habe.

Voll waren die Gotteshäuser trotzdem nur bedingt. „Jede zweite Bank musste frei bleiben, die Plätze wurden abgesperrt“, berichtet Lichtenberger vom Hygienekonzept der Katholiken. Auch andere Maßnahmen wie Maskenpflicht, Kontaktnachverfolgung und Handhygiene habe man eingehalten. Ähnliches berichtet Quincke. An Karfreitag habe sie so in der Stadtkirche nur vor 60 Gläubigen gepredigt.

Public-Viewing im Pfarramt

Etwas Pfiffiges hatte sich Lichtenbergers Team ausgedacht - und eine Art Public Viewing im Pfarramt aufgebaut, mit Leinwand und Platz für 30 Personen. 20 waren tatsächlich gekommen, um aus der Ferne und doch in Gemeinschaft Messe digital zu schauen.

Schwierig wird es, wenn man Gottesdienst wie eine Netflix-Serie konsumiert.
Georg Lichtenberger, Dekan in Pforzheim

Zudem haben beide großen Kirchen Gottesdienste per Online-Dienst Zoom in die Wohnungen gebracht und teilweise die entsprechenden Filme auf YouTube gestellt. Immerhin 300 Klicks zählt Lichtenberger bei einem der katholischen Gottesdienste.

Ob das denn als Gottesdienstbesuch im katholischen Sinne zähle? „Solange die Einstellung dazu stimmt, natürlich. Schwierig wird es, wenn man das ganze wie eine Netflix-Serie konsumiert.“

Ökumenischer Stadtwecker

Bei aller Improvisation durfte auch das Osterfest nicht zu kurz kommen sowie Zeichen der Ökumene. Auf dem Buckenberg feierten beide Kirchen gemeinsam am Samstag, und um 8 Uhr am Sonntag läuteten sämtliche Kirchenglocken, ganz egal, was deren Besitzer nun im Abendmahl genau sehen.

„Es war als eine Einladung gemeint, mit uns allen zu feiern“, sagt Quincke. „An Ostern besiegt die Liebe den Tod, das feiern wir“, betont Lichtenberger.

Und das sei doch gerade in Zeiten der Pandemie eine frohe Botschaft.

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