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Logistik teilweise überlastet

Händler in Pforzheim klagen über Lieferengpässe

Trotz gutem Absatz durch Click&Collect haben einige Branchen im Lockdown große Probleme: Sie erhalten weniger Warenlieferungen und können deshalb oft weniger verkaufen.

Mangelware Piano: Frank Steinbrecher von Musik-City Steinbrecher muss Lieferschwierigkeiten bei den Tasteninstrumenten hinnehmen. Die sind im Lockdown gefragt. Foto: Susanne Roth

Seit mehreren Wochen dürfen Einzelhändler keine Kundschaft mehr in ihren Läden begrüßen. Click&Collect, also das Bestellen der Ware per Internet oder Telefon, um sie dann beim Geschäft abzuholen, oder der reine Online-Handel mit Versand ist für viele nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Doch es gibt auch Branchen, auf deren Absatz sich die Corona-Pandemie positiv auswirkt. Dazu gehört Musik-City Steinbrecher in der Östlichen Karl-Friedrich-Straße von Pforzheim.

„Wenn etwas reinkommt, ist es eigentlich auch schon wieder verkauft“, erzählt Frank Steinbrecher. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch der Musik-City-Inhaber berichtet von Pandemie-Problemen anderer Art: Lieferengpässe machen ihm zu schaffen.

„Vor allem im Bereich der Tasteninstrumente ist das so. Die brauchen halt auch richtig viel Platz beim Transport.“ Der Transportweg führt nun mal in der Hauptsache von Asien nach Deutschland. „Und wenn nach Asien keine Autos verkauft werden, dann wird auch nichts zurück transportiert“, stellt er die Situation etwas überspitzt, aber anschaulich dar. Die Container müssten ja voll sein.

Auch würden kaum Flüge derzeit stattfinden, weiß Steinbrecher. Und wenn dann mal wieder Container gepackt werden, so sein Kenntnisstand, „dann sind es erst mal die Apple und medizinische Geräte, aber keine Instrumente, die reinkommen in die Container“. Oder eben auch Masken und Schutzkleidung. Also bleibt nur noch, die Ware mit dem Schiff kommen zu lassen. Und das dauert.

Paketdienste kommen kaum hinterher

Ist die Ware in Deutschland angekommen, läuft es dann auch nicht immer reibungslos. Die Paketdienste kommen aufgrund des im Lockdown noch gestiegenen Online-Handels kaum nach mit dem Liefern, offenbar müssen auch schon Fahrzeuge zum Ausfahren angemietet werden, wie mancher Händler beobachtet hat.

Am Skurrilsten war für Frank Steinbrecher wohl diese Situation: „Als die Ware dann am 26. Dezember in Stuttgart war hat sie nochmal 14 Tage gebraucht bis Pforzheim. Die DHL war total überlastet. Dann waren noch Leute krank oder in Quarantäne.“ Da muss der City-Musik-Inhaber schon fast wieder lachen, dass ein Weg von knapp 50 Kilometern so viel Zeit in Anspruch nimmt.

Er habe, so erzählt er, bereits im Sommer Probleme gehabt, die Wünsche seiner Kunden zu befriedigen, wobei Keyboard, digitale Pianos und generell Tasteninstrumente ganz oben auf der Wunschliste stehen. Seit die Pandemie viele in Quarantäne oder in den Lockdown gezwungen hat, habe alles Hochkonjunktur, womit man sich zu Hause die Zeit totschlagen oder das Zuhause verschönern kann.

„Gartenbedarf, alles, was für daheim ist. Die haben alle gewonnen“, weiß Steinbrecher. Er selbst habe für seine Kinder ein Trampolin kaufen wollen und festgestellt, dass auch die ausverkauft waren. Den Bereich der Halterungen indessen hat Steinbrecher vergrößert.

In Zeiten des Streamings und der Online-Meetings waren Halterungen für Tablets und Smartphones gefragt, seine Kopfhörer seien im April, Mai ausverkauft gewesen. „Waren ja drei Milliarden Menschen, die das auf einmal gebraucht haben. Ich hatte Anfragen aus ganz Deutschland.“ Auf diesen Trend – wozu auch Mikrofone gehören – hat er sich eingestellt. Und so gesehen die Wartezeit auf Keyboards aus Asien sozusagen sinnvoll genutzt.

Lieferungen bis in die Emirate

Steinbrecher versucht natürlich, den Kundenwünschen – bis in den Pazifik, in die Vereinigten Arabischen Emirate wird geliefert – so schnell wie möglich nachzukommen.

Seine Beliebtheit führt er aber auch auf die Tatsache zurück, dass er in seine Angebotspalette auch gebrauchte Instrumente aufnimmt. „Kaum einer betreibt diesen Aufwand. Aber da hat ja jeder was davon.“

Auch Fahrradhandel betroffen

Auch Fahrradhändler Daniel Ferreira von Simoes Bikes stellt fest, dass es schwieriger, wenn nicht gar unmöglich geworden ist, Teile zu bestellen. Wenn überhaupt, dann könne man nur noch im Inland etwas bekommen. Ob Gabel, Stoßdämpfer oder Akku für das E-Bike: Einzelteile aus China zu bekommen, da liegen die Chancen laut Ferreira derzeit nahezu bei null – oder sind mit sehr langen Wartezeiten verbunden.

Zum einen hat keiner die Pandemie und schon gar nicht die Auswirkungen ahnen können. Die Nachfrage war in manchen Bereichen, wie eben auch im Radhandel, sehr hoch. Aber auch in Asien standen zeitweise Produktionsstraßen still.

Wenn derzeit noch etwas ankommt, dann per Luftfracht. Damit steigt der Preis für das Teil auch um mindestens das Doppelte. „Das kann man natürlich nicht dem Kunden sagen“, sagt Daniel Ferreira. Ausgeschlossen auch, den höheren Preis an die Kunden weiterzugeben. Also bestellt er seine Teile nun überwiegend bei einem Versand-Riesen. Damit er nicht fünf Wochen warten muss, um ein Rad zu reparieren.

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