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Von Lösung weit entfernt

Helios Klinikum Pforzheim: Mitarbeiter streiken für mehr Lohn

DGB und vom Marburger Bund unterstützen den Streik – Die Verhandlungen der Parteien sind noch weit von einer Lösung entfernt.

Arbeitnehmer des nichtärztlichen Dienstes am Helios Klinikum Pforzheim haben am Mittwoch vor dem Neuen Rathaus gestreikt. Sie fordern mehr Lohn. Die Patientensicherheit ist durch die Besetzung des Notdienstes nicht gefährdet gewesen.
„Wir sind es wert“: Arbeitnehmer des nichtärztlichen Dienstes am Helios Klinikum Pforzheim streiken vor dem Neuen Rathaus und fordern mehr Lohn. Foto: Stefan Friedrich

Seit Oktober laufen die Tarifverhandlungen am Helios Klinikum Pforzheim. Die Gewerkschaft Verdi verlangt dabei die „Sicherung der Kaufkraft durch ein kräftiges Lohnplus“, so Streikleiter Michael Janus bei einer Demonstration am Mittwochmittag vor dem Rathaus.

Konkret sollen die Auszubildenden mindestens 130 Euro mehr Lohn im Monat bekommen, die Beschäftigten mindestens 300 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Momentan sei man vom Angebot des Arbeitgebers also „noch ganz weit entfernt“, räumt Janus ein.

Persönliches Aufeinandertreffen nicht möglich

Das hätten die Demonstranten – allesamt Arbeitnehmer des nichtärztlichen Dienstes der Klinik – dem Ersten Bürgermeister und Aufsichtsratsmitglied der Helios Klinikum Pforzheim GmbH, Dirk Büscher (CDU), gerne auch persönlich gesagt.

„Das Büro hat nur mitteilen lassen, dass die Stadt Pforzheim die Tarifautonomie würdigt und auf eine faire Einigung hofft“, sagt der Streikleiter und bedauert, dass ein persönliches Aufeinandertreffen nicht möglich war.

Stattdessen hat die Stadt über eine Presseerklärung verlauten lassen, dass die Mitarbeiter in den Kliniken – nicht nur während der Pandemie – hervorragende Leistungen erbringen, die fair bezahlt sein sollten. „Alles richtige und wertschätzende Worte“, sagt Janus, „aber nur mit guten Argumenten lässt sich irgendwann mal nicht mehr weiterkommen“.

Hohe Streikbereitschaft der Mitarbeiter

Die Klinik sei „trotz guter wirtschaftlicher Zahlen“ auch nach drei Verhandlungsrunden noch nicht bereit, „ein faires Angebot vorzulegen“.

Auch deshalb hätten sie sich erneut dazu entschieden, die Arbeit niederzulegen, „wobei wir immer auch betonen, dass durch die Besetzung des Notdienstes die Patientensicherheit auch während des Streiks gewährleistet wird“, so Janus.

Wir werden uns niemals einschüchtern lassen vonseiten der Klinikleitung
Michael Janus, Streikleiter

Was ihn besonders freut: In den vergangenen Wochen habe die Streikbereitschaft unter den Mitarbeitern noch einmal zugenommen. „Wir werden uns niemals einschüchtern lassen vonseiten der Klinikleitung“, ist Janus überzeugt. „Wir bleiben standhaft und solidarisch.“

DGB und Marburger Bund stehen hinter dem Streik

Der Protest soll sich aber nicht nur an den Arbeitgeber wenden, sondern auch an die Politik, die durch Fehlanreize alle Einrichtungen im Gesundheitssystem „systematisch zu betriebswirtschaftlichen Fabriken gemacht hat“, kritisiert Janus. „Das ist fahrlässig und wir sind nicht mehr bereit, das weiterhin hinzunehmen.“

Dabei können sie auf die Unterstützung sowohl des Marburger Bundes als auch des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zählen. Vertreter von beiden Seiten machen das am Mittwoch gegenüber den Demonstranten deutlich. Stefan Knoll (Marburger Bund) fordert sie auf, sich durch das Spiel auf Zeit nicht entmutigen zu lassen.

Die Forderungen seien angemessen. „Die Tätigkeit im Krankenhaus muss wieder attraktiv werden“, so Knoll. Daher seien auch Solidarität und Verständnis in der Ärzteschaft des Klinikums „weit verbreitet“, versichert er.

Franz Herkens (DGB) wiederum warnt davor, dass der Gesundheitssektor nicht in privater Hand sein sollte. „Ihr spürt das gewinnsüchtige Wirtschaften am eigenen Leib“, sagt er. „Wer mit der Gesundheit von Menschen Geld verdienen will, ist aus meiner Sicht fehlgeleitet.“

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