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Keine Hilfen für Pforzheimer Hotel

Hohenwart Forum in Pforzheim kämpft ums Überleben

Das Pforzheimer Tagungshotel Hohenwart Forum bringt Politiker in Stellung: Es fällt durch alle Raster der Corona-Hilfen. FDP-Obmann Hans-Ulrich Rülke macht dazu einen ersten Vorschlag.

Beliebtes Tagungshotel: Das Hohenwart Forum schmiegt sich in die Landschaft des gleichnamigen Höhenstadtteils von Pforzheim. Foto: Björn Fix

Martin Reising ist so einsam wie die Skulpturen in der neuen Ausstellung im Hohenwart Forum. Seit einem Jahr ist er verantwortlich für das Tagungshotel mit 140 Betten in 99 Zimmern. Der erste Lockdown kam am 22. März.

Das ist eine absolute Katastrophe.
Martin Reising, Leiter des Hohenwart Forums

Seitdem sitzt er „alleine da“ und der Umsatz hat sich mehr als halbiert verglichen mit 2019. „Das ist eine absolute Katastrophe“, sagt der Hotelier, der ab 1998 das durch die CSU berühmte gewordene Landhotel in Wildbad Kreuth leitete. Er ging 2016 weg, weil die Besitzer andere Pläne hatten. Seitdem ist das Anwesen der Wittelsbacher geschlossen.

Dem Hohenwart Forum soll das nicht passieren. Deshalb brachten Pforzheims evangelische Dekanin Christiane Quincke und Reising am Mittwoch mit 16 Briefen Politiker Stellung. Sie tun dies auch vor dem Hintergrund, dass zum Beispiel in der Diözese Würzburg „vier von zehn Tagungshotels wohl geschlossen werden“. Reising kämpft um jeden Euro, damit derartige Gespenster in seiner bayrischen Heimat bleiben. Es ist auch ein Kampf mit den Fallstricken der Corona-Hilfen.

Ein Stichtag und die Evangelische Kirche machen dem Hotelier bislang einen Strich durch die Rechnung. Er kann weder auf Pandemie-Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) noch auf November- und Dezember-Hilfen hoffen, um das Tagungshaus mit Kulturprogramm aus den roten Zahlen zu holen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass das Hotel als Kirchen-Tochter mit GmbH-Status durch alle Raster fällt.

Einzigartig und wirtschaftlich unabhängig

„Während es bei uns wirtschaftlich läuft, wird andernorts zugeschlossen“, nennt Dekanin Quincke den Punkt, über den Reising beim Griff in die Fördertöpfe stolpert. Corona-Hilfen seien nicht für Häuser öffentlicher Einrichtungen vorgesehen, weil sie als öffentlich gefördert gelten. Die evangelische Landeskirche sowie das Dekanat Pforzheim beendeten dies bereits vor rund 20 Jahren. Das Hohenwart Forum ist unabhängig von der Kirche – es bekommt nichts und es gibt nichts.

Förderrichtlinien sind selten für Sonderfälle gemacht. Entsprechend tut sich das Hohenwart Forum schwer. Hinzu kommt, dass Reising mit einer Bilanz zu kämpfen hat, die nicht dem entspricht, was für Corona-Hilfen festgeschrieben wurde. Nach dem Motto, schlechtem solle nicht gutes Geld hinterhergeworfen werden, wurde auf politischer Ebene die Jahresbilanz 2019 als entscheidende Maßgabe festgesetzt. „Es sind nur wenige Euro“, aber in dieser Schlussrechnung standen beim Hohenwart Forum eben mehr Ausgaben als Einnahmen.

Briefe an 16 Politikerinnen und Politiker

„Ich gestehe Politikern zu, dass sie nicht alles im Griff haben“, sagt Dekanin Quincke. Da es aber „wichtig ist, dass man überhaupt von dieser Grundproblematik weiß“, haben sie und Reising an die drei Landtagsabgeordneten, die beiden Bundestagsabgeordneten und EU-Politiker aus der Region sowie an Wirtschaftsministerin Nicole Hofmeister-Kraut und Touristikminister Guido Wolf geschrieben.

Nachschärfung des Härtefallfonds gefordert

Umgehend reagiert hat Hans-Ulrich Rülke. Dekanin Quincke schätzt dies nicht nur. Sie freut sich auch, dass der Pforzheimer FDP-Obmann im Landtag konkrete Vorschläge hat. Wie Rülke selbst darlegt, hat er sich bei der Wirtschaftsministerin dafür stark gemacht, dass diese dem Hohenwart Forum Hilfen aus dem vom Bund angekündigten Härtefallfonds ermögliche. Es brauche eine Nachschärfung, „weil es viele einzelne Unternehmensgeschichten gibt, die sich nicht alle an denselben Faktoren bemessen lassen“. Betriebe wie das Hohenwart Forum, „die gut wirtschaften und Aushängeschilder für die Region sind“, sollten deshalb ihre Situation darlegen dürfen und dann Anspruch auf Unterstützung aus dem Härtefallfonds erhalten, wenn das plausibel ist.

Dass das Hohenwart Forum „kein Einzelfall“ ist, bestätigt Sprecher Daniel Ohl vom Landesverband für Hotel- und Gaststätten. In welchem Umfang die Mitgliedsunternehmen davon betroffen seien, könne er aber nicht sagten.

Minus in der Bilanz

Martin Reising kann dafür erläutern, wie es kommt, dass so ein Minus plötzlich in der Jahresbilanz steht. Das Jahr 2019 sei von Krankheitsfällen geprägt gewesen. Das habe die Personalkosten erhöht. Als dann noch Veranstaltungen abgesagt wurden, habe sich das nicht mehr ausgleichen lassen.

Die Bilanz legte noch Reisings Vorgänger vor, der das Hohenwart Forum über rund 15 Jahre „auf einen guten Kurs gebracht hat“. Jetzt halten fünf bis sechs von sonst über 50 Angestellten den Betrieb aufrecht. Es gibt zwar „keinerlei Umsatz“, aber Strom, Heizung und Rezeption müssen laufen. „So ein Haus verursacht immer Kosten“, sagt Reising, der natürlich auch intern alles auszuschöpfen versucht, was geht.

https://bnn.de/pforzheim/coronavirus-bei-mueller-fleisch-infizierte-ziehen-ins-pforzheimer-hohenwart-forum-ein

Von außen hört er dazu immer mal wieder ein „Haltet durch, wir kommen wieder“. Aber das „Tagungsgeschäft ist relativ träge“, sagt Reising. Es brauche einen langen Vorlauf. Mit einer Öffnungsstrategie ließe sich hier etwas machen. So aber gebe es auch für dieses Jahr Stornierungen – selbst von Stammgästen.

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