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Wegen Einbruchgefahr

Polizeihubschrauber verjagt eislaufende Familien vom Maulbronner Roßweiher

Der Spaß auf dem Roßweiher endete am Sonntag für einige Maulbronner abrupt. Weil das Megafon nicht ausreichte, scheuchte die Polizei vom Himmel aus die Eisbesucher vom See. Der war nämlich gar nicht sicher.

Durch die dauerhaft tiefen Temperaturen trauten sich viele Menschen auf die vereisten Seen und Weiher, wie hier am Pforzheimer Seehaus. Sicher war das nicht überall - wie etwa am Roßweiher in Maulbronn. Foto: Jürgen Peche

Das Gefühl, dass ein Polizeihubschrauber über jemandem kreist, kennen nicht viele. Flüchtige Kriminelle sind da normalerweise die Zielgruppe – und nicht Familien im Winterspaß. Am Sonntag kamen allerdings auch einige „Unschuldige“ auf dem Roßweiher bei Maulbronn zu diesem zweifelhaften Vergnügen.

Den Kampf Mensch gegen Maschine jedenfalls hielten auch die hartgesottensten Schlittschuhfahrer nicht lange aus. „Wir haben das Ziel erreicht, alle sind gegangen“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim dazu. Aus Spaß jedenfalls habe man die Spaßbremse nicht gespielt. Vielmehr aus Sorge.

„Es bestand Gefahr für Leib und Leben“, erklärt die Sprecherin. „Das Thermometer zeigte drei Grad Celsius an, am Rand hatte es zu tauen begonnen.“ Sprich: Es bestand Einbruchgefahr. Zuerst hatten die Beamten vom Ufer aus versucht, die Leute vom Eis zu bringen.

Selbst das Megafon konnte sich nicht gegen den Lärm der Besucher durchsetzen. „Die Menschen waren bis zu 300 Metern entfernt“, erklärt die Polizeisprecherin. Also half nur noch das schwere Gerät. Diverse Medien berichten von einem ähnlichen Einsatz am Wochenende in Berlin.

„Wir haben als Polizei eine Garantenpflicht. Wir können nicht sagen: ,Die hören uns nicht, wir gehen wieder.’ Die Frage war: Wie nimmt es jeder wahr?“ Und so schwebte plötzlich der Heli über dem Eis. Hoch genug, so betont man bei der Polizei, dass die Rotorblätter und der davon ausgehende Wind die Menschen nicht gefährdeten.

Feuerwehr spricht von gefährlichen Bedingungen

Lustig ist das alles nur bedingt, wie Markus Haberstroh einordnet, Vorsitzender des Feuerwehrverbands Enzkreis. „Das ist jetzt die gefährlichste Zeit für Eiseinbrüche“, berichtet er. Nach den deutlichen Minustemperaturen hätte das Wetter am Wochenende zur Leichtsinnigkeit verleitet.

Dabei gebe es keine klaren Hinweise, ob das Eis wirklich dick genug sei. „Wenn es so leicht wäre, dann hätten wir dafür eine Regel“, so Haberstroh. Man wisse nicht, ob es etwa warme oder kalte Zuflüsse zu den entsprechenden Gewässern gebe, wie genau die Wassertemperatur sei. Und dann gefriert ja auch nicht alles Wasser bei exakt 0 Grad Celsius.

Einmal eingebrochen, seien entsprechende Feuerwehr-Rettungseinsätze aufwändig. „Da brauchen wir vier Einsatzwagen und etwa 20 Mann“, sagt Haberstroh. Zumal die Gefahr besteht, dass vermeintliche Retter selbst einbrechen und man noch mehr Menschen aus dem Eis ziehen muss.

„Die Leute meinen es ja gut“, ist sich Haberstroh sicher. Aber darauf nehme das Eis eben keine Rücksicht. Am Sonntag machte die Polizei dem Experiment jedenfalls ein Ende. Eingebrochen ist niemand.

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