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Initiative der Lebenshilfe

Behindertengerechte Spielplätze in Pforzheim und dem Enzkreis fehlen

Viele Plätze sind für Rollstuhlfahrer nur schwer zugänglich – ein von der Lebenshilfe Pforzheim unterstütztes Projekt will das ändern.

Peter Boch, Anne Marie Rouvière-Petruzzi, Michael Schmidt, Bastian Rosenau, Mohamed Zakzak, Georg Kappler, Yvonne Alvarez und Manuel Linkenheil (von links) wollen sich für inklusive Spielplätze einsetzen. Foto: Stefan Friedrich

Spielplätze werden vor allem ökologisch und familiengerecht geplant. Dass manchmal schon eine kleine Kante oder sogar Holzhackschnitzel ausreichen, Rollstuhlfahrer quasi auszuschließen, das war auch Manuel Linkenheil, Vorstand der Stiftung Lebenshilfe Pforzheim, lange nicht bewusst.

Bis er auf ein Projekt aufmerksam wurde, das Yvonne Alvarez angestoßen hat. Dessen Ziel ist es, die Inklusion schon bei der Spielplatzplanung selbstverständlich zu machen. Sowohl bei der Stadt Pforzheim als auch bei den Enzkreis-Gemeinden renne man damit offene Türen ein, schilderte Linkenheil die bisherigen Rückmeldungen bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

„Es freut uns unheimlich, dass wir mit OB Peter Boch und Landrat Bastian Rosenau wichtige kommunale Köpfe zur Unterstützung gewinnen konnten.“

Inklusion beginnt immer im Kopf

Ohnehin beginnt Inklusion immer im Kopf, betonte Alvarez bei der Präsentation ihres „Herzensprojekts“. Sie selbst begleitet ehrenamtlich einen Jungen mit Behinderung.

„Ich hab dann mal versucht, mit ihm auf einen Spielplatz zu gehen und habe festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, einen inklusiven Spielplatz zu finden, auf dem sich sowohl behinderte als auch nicht-behinderte Kinder aufhalten können.“

Aus dieser Erkenntnis heraus ist auch das Projekt entstanden, denn Inklusion könne im Prinzip so einfach sein, ist Alvarez überzeugt.

Viele hätten bedauerlicherweise Bedenken, „auf kranke, behinderte Menschen und deren Angehörige zuzugehen“ – unter anderem, weil sie fürchten, sich falsch zu verhalten, die falschen Worte zu verwenden oder zu viel Mitleid auszustrahlen.

Dabei ist es viel einfacher: Wenn ein gesundes Kind auf ein behindertes Kind treffe, dann spielen beide ganz ohne Berührungsängste und Vorurteile miteinander. „Ein wunderschöner Gedanke“, so Alvarez.

Viele Spielplätze sind für Rollstuhlfahrer schwer zugänglich

Derzeit gebe es allerdings so gut wie keine behindertengerechten Spielplätze in der Region. Viele Plätze sind durch Sand oder Rindenmulch für Rollstuhlfahrer nur schwer zugänglich und die meisten Spielgeräte sind für Kinder mit Behinderung nicht wirklich nutzbar. Das zu ändern, dafür will das Projekt nun sensibilisieren: Öffentliche Spielplätze sollen für alle da sein.

„Es geht dabei nicht darum, dass man neue Spielplätze baut, sondern dass man die Spielplätze, die schon da sind, inklusiv gestaltet“, betonte Alvarez. Das sei beispielsweise schon dadurch zu erreichen, wenn einfach nur behindertengerechte Spielgeräte zusätzlich montiert werden.

Finanziert würden diese von der Stiftung, respektive über Firmenpatenschaften. Zudem sollten die Zugangswege barrierefrei sein.

Auch das trägt dann dazu bei, dass Kinder miteinander spielen und dadurch erfahren können, wie selbstverständlich es ist, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Sie hatten mich schon in den ersten 30 Sekunden.
Peter Boch, OB von Pforzheim

Diese Vision kam auch bei den Vertretern der Kommunalpolitik gut an. „Sie hatten mich schon in den ersten 30 Sekunden“, gestand OB Peter Boch im Anschluss an die Präsentation.

Aus dem Projekt nehme er mit, dass die Verwaltung auch an die Planung von Spielplätzen anders herangehen muss, damit diese auch von allen Kindern wirklich genutzt werden können. „Ein großartiges Projekt“, befand er in diesem Sinne. „Dafür haben Sie meine volle Unterstützung.“

Gleiches galt für Landrat Bastian Rosenau. „Besser geht’s nicht“, kommentierte auch er das Ansinnen dieses Projekts. „Es ist einfach eine neue Perspektive, die bisher nicht da war“, und die jetzt mehr Beachtung finden werde. Auch auf Gemeindeebene, wie Bürgermeister Michael Schmidt aus Neulingen stellvertretend für seine Enzkreis-Kollegen bestätigte.

„Man hat den Blick seit vielen Jahren auf Naturnähe“, räumte er ein. „Man übersieht dann tatsächlich: Da könnte ja mal jemand mit einem Rollstuhl kommen.“ Insofern sei der inklusive Gedanke ein weiterer wichtiger Aspekt, der zukünftig noch stärker Berücksichtigung finden solle.

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