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Hilfe für den Hochwasserschutz

Jugendliche Straftäter schuften für den guten Zweck: 5.000 Sandsäcke für Pforzheim befüllt

Sandsäcke sind wichtig für den Schutz bei Hochwasser. Aber wer befüllt sie? In Pforzheim haben 13 verurteilte jugendliche Straftäter schwer geschuftet - am Ende profitieren alle davon.

Sandsack füllen ist angesagt: Sebastian Fischer, Dirk Büscher und Tobias von der Ehe (von links) sowie Volker Weingardt (rechts) wissen, wie wichtig solche Einsätze sind, um verurteilte Jugendliche wieder auf die richtige Bahn zu kriegen Foto: Stefan Friedrich

Sandsäcke sind ein wichtiges Hilfsmittel für den Hochwasserschutz. In regelmäßigen Abständen werden deshalb Säcke mit Sand befüllt und eingelagert, wie am vergangenen Samstag bei einer Aktion in Zusammenarbeit mit den Technischen Diensten der Stadt und dem Haus des Jugendrechts. 13 verurteilte Jugendliche leisteten dabei ihre Sozialstunden unter Aufsicht der Polizei ab.

15 Jugendliche – neun Jungs und vier Mädchen – waren vorgeladen, 13 sind erschienen, zwei haben sich krank gemeldet. Für Polizeihauptkommissar Volker Weingardt ist das eine „wahnsinnig positive“ Bilanz, denn: „Normalerweise fehlt Minimum ein Drittel.“

Ganz ohne Konsequenzen bleibt es aber nicht, wenn die verurteilten Jugendlichen nicht auftauchen: „Dann kommen wir zu denen nach Hause, holen sie aus dem Bett und drohen Arrest an.“ Das war am Samstag nicht nötig. Alle waren mit großem Engagement bei der Sache – mit einem Nebeneffekt: „So kann man Jugendlichen das Leben beibringen“, beschreibt Weingardt die Intention eines solchen Einsatzes.

Beim Füllen der Sandsäcke gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Helfern von Technischem Hilfswerk (THW) und Technischen Diensten komme man mit ihnen ins Gespräch. Sie verstünden dann schnell, dass sie hier etwas Sinnvolles tun, mit dem man später auch Schwächere oder Ältere schützen kann. Das Zwischenmenschliche ist laut Weingardt dabei besonders wichtig und hilft, die Jugendlichen frühzeitig wieder auf die richtige Bahn zu bringen.

Verurteilte „quer durchs Strafgesetzbuch“ sind dabei

Wer am Samstag dabei ist, wurde schließlich rechtskräftig zu sechs bis 80 Sozialstunden verurteilt. Die Delikte reichen dabei „quer durchs Strafgesetzbuch“, weiß Weingardt.

Vom Diebstahl bis zum Schule schwänzen, von der Körperverletzung bis zu Trunkenheit im Verkehr ist alles dabei. Wirklich anzumerken ist ihnen das nicht. Sie packen an, unter fachkundiger Anleitung. In kleinen Behältern der Technischen Dienste wird der Sand kurz getrocknet und dann mit einer Sandsack-Füllmaschine eingefüllt, erklärt Feuerwehrmann Tobias von der Ehe aus Dillweißenstein, jeweils maximal 15 Kilogramm, insgesamt 5.000 Säcke. Fürs erste reicht das, ergänzt Kommandant Sebastian Fischer. „Man kann nicht Zehntausende von Sandsäcken die ganze Zeit gefüllt vorhalten, sonst verwittern sie.“

Die Bestände werden deshalb nach und nach wieder aufgefüllt. Die Säcke lagern dann vor allem bei der Feuerwehr in Dillweißenstein, sowie in kleineren Mengen auch in allen anderen Feuerwehrhäusern und bei den Technischen Diensten.

„Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten

Von der Aktion vor Ort macht sich auch der Erste Bürgermeister der Stadt Pforzheim, Dirk Büscher (CDU), einen Eindruck. Er spricht von einer „sehr guten Sache“ und von einer Win-Win-Situation. „Der wichtige Effekt ist, dass die Jugendlichen hier eine sinnvolle Tätigkeit haben und ihre Strafen so ableisten können.“ Dadurch könnten sie auf den Weg der Tugend zurückgeführt werden. In aller Regel funktioniere das, bestätigt Weingardt. Nicht selten dienen solche Einsätze auch dazu, dass die Jugendlichen später selbst bei der Feuerwehr oder bei anderen Institutionen aktiv werden. Nur etwa fünf Prozent der Straftäter sieht er später wieder.

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