Skip to main content

Projekt „BianKa“

Kinderarmut ist in Pforzheim nicht allein ein materielles Problem

Bei etwa 20 Prozent liegt die Kinderarmutsquote in Pforzheim. Jasmin Jonietz und Juliane Wagner vom Projekt „BianKa - Bildungsangebote Kinderarmut“ kümmern sich darum, dass sich die Situation verbessert.

Sie wollen die Kinderarmut in Pforzheim verringern: Jasmin Jonietz (rechts) und Juliane Wagner vom Projekt „BianKa - Bildungsangebote Kinderarmut“ haben viele Ideen, wie das gelingen kann, und sehen sich als Netzwerker.
Sie wollen die Kinderarmut in Pforzheim verringern: Jasmin Jonietz (rechts) und Juliane Wagner vom Projekt „BianKa - Bildungsangebote Kinderarmut“ haben viele Ideen, wie das gelingen kann, und sehen sich als Netzwerker. Foto: Stefan Friedrich

Kinderarmut ist in Pforzheim eine große Herausforderung. Man dürfe Armut jedoch nicht alleine am Materiellen festmachen, gibt Jasmin Jonietz zu bedenken. Gemeinsam mit Juliane Wagner betreut sie das Projekt „BianKa - Bildungsangebote Kinderarmut“. Vor kurzem wurde es vom Sozialministerium mit 93.000 Euro gefördert.

„Wir sind seit Ende 2020 dabei“, sagt Jonietz im Gespräch mit unserer Redaktion. Damals durfte man unter Pandemiebedingungen starten, auch wenn diese Zeit das Netzwerken, das eigentlich für ihre Arbeit wichtig ist, erschwert hat.

„Gerade wenn es darum geht, sich auszutauschen und zu schauen, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden kann und welche Bedarfe es gibt“, sei der persönliche Kontakt natürlich besser, weiß Jonietz.

Trotzdem haben sie von Anfang an daran gearbeitet, eine Präventionskette in Pforzheim zu errichten. „Es gibt ja ganz viele Angebote und viele tolle Träger“, verweist sie unter anderem auf den sozialen Dienst oder die Familienzentren. „Manchmal ist es aber ein bisschen schwierig, da den Überblick zu behalten.“

Oft fehlt ein gesundes Frühstück

Mitunter kommt es dann vor, dass Schulsozialarbeiter sie darauf aufmerksam machen, wenn Kinder etwa längere Zeit kein gesundes Frühstück mitbringen können. „Das kann dann zu uns rückgemeldet werden und wir schauen, ob es dafür schon Angebote gibt oder ob man eine Kooperation mit jemandem ins Leben rufen kann“, erklärt Jonietz die Idee hinter BianKa.

Bei etwa zwanzig Prozent liegt die durchschnittliche Kinderarmutsquote in Pforzheim, in manchen Stadtteilen ist sie sogar doppelt so hoch. Dabei sei Armut nicht gleich Armut, gibt Jonietz zu bedenken. „Viele haben ja so die Vorstellung, dass Kinderarmut heißt: Die Kinder laufen in kaputten Schuhen und zerrissenen Jacken durch die Gegend.“ Tatsächlich bedeute Kinderarmut allerdings eher ein Teilhabe-Problem, klärt Jonietz auf.

In der Familie kann es gerade so reichen für das Existenzielle.
Jasmin Jonietz, Projekt BianKA

„In der Familie kann es gerade so reichen für das Existenzielle, aber eben nicht für mehr.“ Die Kinder können dann nicht in einen Verein gehen und das Geld für den Kinobesuch fehlt einfach ganz.

Auf der anderen Seite spiele natürlich auch die Bildung in die Armutsdefinition mit rein, Stichwort: Lernförderung. „Nachhilfe ist teuer und muss erst einmal bezahlt werden, wenn ich feststelle, dass mein Kind in der Schule nicht mit kommt.“ Für solche Fälle haben sie im vergangenen Sommer bei BianKa ein Projekt ins Leben gerufen: Die „Stadtfüchse“ sind eine Kooperation mit der Inselschule.

Dieses Projekt ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie BianKa im Alltag funktioniert und wirkt. „Wir schauen immer, mit wem wir kooperieren können und wie man gemeinsam für die Kinder arbeiten kann“, betont Jonietz. „Das ist unser Ansatz.“

Eine Beratungsstelle für Eltern ist BianKa dagegen nicht. Für sie wären erste Anlaufstellen tatsächlich die Schulsozialarbeit oder die Familienzentren, mit denen auch BianKa eng zusammenarbeitet. Diese melden wiederum bei BianKa den Bedarf und hier wird dann geschaut, wie man gemeinsam etwas auf den Weg bringen kann, um diesen Bedarf zu stillen.

Großes Netz an Spielgruppen in Pforzheim

Das Bundesprogramm „Brücken bauen“ etwa wird in diesem Sinne von Juliane Wagner betreut. Zudem gebe es ein großes Netz an Spielgruppen in der Stadt, erklärt Wagner. „Sie sind aktuell nur bei den Familienzentren angesiedelt“, sagt sie. „Dadurch stehen wir ständig in Kontakt“, zumal auch die Koordination der Familienzentren über Jonietz läuft.

Wichtig ist beiden, dass Familien, die Hilfe brauchen, nicht stigmatisiert werden, auch nicht beim Stellen eines Antrags in einer Behörde. Dafür wollen sie demnächst auch Workshops anbieten, die sensibilisieren sollen. „Familien, die von Armut betroffen sind, sind oft nicht selbst dran schuld“, weiß Jonietz aus Erfahrung. Die Gründe seien oft vielfältig und sollten keine Rolle spielen, wenn es darum geht, Betroffene zu unterstützen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang