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Gestaltungsbeirat Pforzheim

Kniffliger Dissens über Kita-Neubau in Pforzheim-Eutingen

Das architektonische Erbe in Pforzheim setzt der Gestaltungsbeirat der Stadt als Maßstab für zwei Neubau-Vorhaben. Die Diskussion warf grundsätzliche Fragen auf.

Mit einer Stahlkonstruktion, Sichtbetonstützen sowie großzügiger Verglasung und Klinkerverkleidung wurde 1960 an einer Hanglage zwischen der damaligen Friedenstraße und der Bahnlinie das evangelische Gemeidnehaus mit Kindergarten in Eutingen errichtet - hier die Südseite.  Foto: Linde
1960 wurde das evangelische Gemeindehaus mit Kindergarten in Eutingen errichtet. Nun soll es weichen. Foto: Oliver Linde

Das architektonische Erbe der Stadt stellte Pforzheims Gestaltungsbeirat bei seiner jüngsten Sitzung in den Mittelpunkt. Gelegenheit dazu gab ihm die geplante Erweiterung des Amtsgerichts sowie der mögliche Abriss des Eutinger Gemeindehauses. Insbesondere dem Vorsitzenden Ludwig Wappner bot beides eine Vorlage für Lob und grundsätzliche Kritik.

Der Besitz guter Gebäude verpflichtet, machte der Karlsruher Professor sinngemäß deutlich. Für das Landesamt für Vermögen und Bau hieß das, es möge „als Kulturträger des Landes“ doch bitte besser pflegen, was es „als Sachwalter der öffentlichen Hand“ zu verantworten hat.

Bäume statt Parkplätze fürs Amtsgericht

Wappner verknüpfte seine Kritik am Bauunterhalt mit einem grundsätzlichen Einverständnis für die vorgelegte Erweiterungsplanung. Marc Oei präsentierte einen Zwilling zu der ebenfalls vom Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei gebauten ersten Erweiterung von 2008. Er zeigte sich mit dem Gestaltungsbeirat einig, dass der Abstand zur östlich gelegenen Wohnbebauung größer werden sollte und dass die zur Lindenstraße hin geplante Mauer keine abweisende hohe Hofbegrenzung werden darf.

Wenig zu tun hat der Architekt bislang mit dem Parkplatz vor dem „feinen, gut erhaltenen Bestandsgebäude“ aus den 50er Jahren, der Wappner wie „ein Déjà-vu“ vorkam. Die vom Bauherrn vorgebrachte Stellplatzverordnung wischte er damit sinngemäß vom Tisch.

Uta Gruber-Stock hat den Amtsvertretern von Vermögen und Bau vordem bereits signalisiert, die Stadt sei bereit, Ersatz in dem gegenüberliegenden Park anzubieten. Weiter regte die Professorin für Landschaftsarchitektur große Bäume zwischen den restlichen Stellplätzen an. Auch zur Treppe zwischen dem Parkhaus auf der Nordseite und dem wichtigen öffentlichen Gebäude in Bahnhofsnähe machte der Gestaltungsbeirat eine klare Ansage in Richtung Stadt: Sie muss weg.

Haus mit gesamtgestalterischem Wert, der heute selten ist.
Ludwig Wappner, Gestaltungsbeirat

Kniffliger stellte sich die Auseinandersetzung mit den Plänen der Stadtbau für die Fritz-Neuert-Straße 30-32 in Eutingen dar. Um den geplanten Kita-Neubau mit Gemeindehaus und Wohnungen ging es dabei so gut wie nicht. Dieser war bereits in der vergangenen Sitzung vorgestellt worden und sollte in Abwägung mit einer möglichen Ertüchtigung des Bestands überprüft werden.

Das Ergebnis hat den Worten von Professorin Martina Baum zufolge wenig überzeugt. Hinzu kam allerdings noch ein laut Wappner „irritierender“ Punkt, auf den das Gremium durch einen Kurier-Bericht aufmerksam wurde. Dem Neubau würde ein „Haus mit gesamtgestalterischem Wert, der heute selten ist“ geopfert, so der Architekt weiter. Das im Karlsruher Büro Rossmann maßgeblich von Hilde Axster-Trappmann entworfene Stück Pforzheim sei kein 08/15-Gebäude.

Pforzheimer Stadtbau-Chef warnt vor finanzieller Dimension

Stadtbau-Chef Oliver Lamprecht reagierte mit Verweis auf „einen notwendigen kompletten Rückbau und große Probleme mit der Nutzung“. Er erläuterte weiter, das ganze Vorhaben sei durch den Rückzug der evangelischen Kirche entstanden und stehe unter erheblichem Druck. Weiter machte Lamprecht auf die mögliche finanzielle Dimension eines solchen Ansatzes aufmerksam und zweifelte an, dass die Bestandsnutzung überhaupt möglich ist.

„Sie verschanzen sich zu schnell hinter den täglichen Sorgen und Nöten“, hielt dem Wappner entgegen. Die Verantwortlichen sollten für die Kinder, für die gebaut wird, auch in die Zukunft schauen und die Aufgabe ganzheitlich begreifen. Weiter führte der Vorsitzende an, „wir sitzen hier treuhänderisch für die Interessen der Stadt“.

Geklärt wurde der Dissens nicht, auch weil „keinerlei Grundlagen“ dafür vorliegen, führte Bürgermeisterin Schüssler die Diskussion auf den Ausgangspunkt zurück. „Pforzheim täte gut daran, die Nachkriegsarchitektur mit Stolz zu zeigen“, nahmen die Sitzungsteilnehmer für die nächste Runde mit. Das sei natürlich nicht ganz einfach, aber es werde in Zukunft generell nicht mehr einfach sein, nachdem Bauen auf der grünen Wiese mit Wärme-Verbund-System ein Thema von gestern geworden ist.

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