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Begehrliche Blicke

Konzept für neues Wohnen im Schlachthof in Pforzheim vorgestellt

Pforzheims CDU-Fraktion nennt die Genossenschaft Gewerbekultur einen „rührseligen Verein“. Sie macht damit klar, wie sie deren Arbeit für neues Wohnen in der Großstadt Pforzheim beurteilt.

Ideal zum Arbeiten: Die Firma Recens Aura hat Karlsruhe den Rücken gekehrt, als im alten Pforzheimer Schlachthof das Atelier möglich wurde, das Christof Grosse hier zeigt. Foto: Herbert Ehmann

Begehrlichkeiten beim Alten Schlachthof in Pforzheim. Seit die Stadtbahn fast schon sichtbar in unmittelbarer Nähe halten könnte, steigt die Nachfrage nach den mindestens zwei Hektar Fläche, die die Stadt dort zu vergeben hat. Dies macht ein Fragenkatalog der CDU-Fraktion deutlich, den Stadtrat Andreas Sarow diese Woche verschickte.

Für die Genossenschaft, die dort seit 2017 ein Konzept für neues Wohnen mit „Gewerbekultur“ verwirklichen will, ist das ein Angriff. Sarow bezeichnet sie als „rührseligen Verein“ und bezweifelt, dass sie ein derartiges Projekt stemmen kann.

„Es war nur eine Frage des Wann, nicht aber des Ob jemand nach dem Gelände greifen will“, sagt dazu Christoph Grosse. Er gehört zum Kern der Genossenschaft, war in Dillweißenstein ab 2004 bei der Entwicklung der Alten Papierfabrik dabei. Als das Gelände dann zum Kauf stand, entzog die Stadt die zugesagte Unterstützung.

Das Gelände ging vor rund zehn Jahren, für eine Million Euro an Klinikbesitzer Bernhard Rieser. Die Mitglieder der Gewerbekultur boten bei der Zwangsversteigerung 820.000 Euro. Die stadteigene Baugesellschaft Stadtbau durfte laut Grosse nicht mitmischen.

Am Ende geht es um Geist oder Geld.
Andreas Sarow, CDU-Fraktion

Die Chance war verloren, aber nicht die Idee ein lebendiges Quartier mit bezahlbarem Wohnraum zum Leben und Arbeiten zu schaffen. Aus städtischer Sicht kommt hinzu, dass die Genossenschaft mit ihren Zielen in Pforzheim eine bedeutende Rolle ebenso bei der Entwicklung der Oststadt spielen könnte wie bei einem zeitgemäßen Angebot an Wohnmöglichkeiten. Die Stadt machte der „Gewerbekultur“ ein Angebot in der Kleiststraße.

Fleischhaken baumelten noch von der Decke, als die Genossen erstmals überlegten, ob das Areal mit der denkmalgeschützten Sheddachhalle entwickelt werden kann. Bis 1970 liefen dort Schweine durch die unterirdische Verbindung zum Ladeplatz. Dann begann der Verfall. 2009 hat die Stadtverwaltung eine Neuordnung des Gewerbegebiets angestoßen.

Zwischennutzung angestrebt

Wohnen schien dort 2017 fast nicht denkbar, aber die „Gewerbekultur“ griff zu, trotz dem Debakel mit der Stadt bei der alten Papierfabrik und dem nachfolgend erfolglosen Anlauf beim alten Güterbahnhof.

Vor knapp drei Jahren wurde im Bauausschuss über eine Grundstücksoption befristet bis Ende 2020 gesprochen.

Corona funkte dazwischen bei dieser laut Sitzungsvorlage „Gelegenheit, Vorstellungen zu konkretisieren und für diesen Standort Planungen voranzutreiben“. Die Genossenschaft konnte nicht mehr werben für das Projekt. Entsprechend lagen die Umsetzungs- und Realisierungsplanungen bis Bauantragsreife nicht vor zum Stichtag. Stattdessen wurde in enger Absprache mit der Stadtverwaltung eine Zwischennutzung angestrebt.

850.000 Euro aus den Landeswohnbauprogramm

„Das ist alles weit entfernt von Rentabilität“, argumentiert Sarow und warnt, die Stadt könne in „eine moralische Sackgasse“ kommen, wenn das alles so weiterlaufe. Er stellt dazu viele Fragen, die er vor dem 26. Juni beantwortet sehen möchte. Die Genossenschaft hat für diesen Samstag den Gemeinderat sowie die Öffentlichkeit eingeladen, den Stand der Dinge zu erkunden.

Zentrales Thema dabei wird ab 13 Uhr der langfristige Wert einer 850.000-Euro-Förderung vom Land sein. Das Geld ist für den Ausbau von Ateliers und Werkstätten und damit grundlegend für die Finanzierung des Gesamtprojekts.

Die zwei angedachten Häuser für Wohngruppen der Lebenshilfe auf der Westseite des Geländes werden vorgestellt sowie ein ausgezeichneter Entwurf einer jungen Architektin für die Gebäude.

Die Architektenkammer informiert über die Neue Leipziger Charta, für die der Entwurf der „Gewerbekultur“ beispielhaft steht, und Mitglieder wie Christoph Grosse beantworten Fragen und unterstreichen, dass es ohne Unterstützung durch den Gemeinderat nicht geht.

„Bisher hat es nicht so weh getan, wie es jetzt anfängt weh zu tun“, kommentiert Sarow die CDU-Sicht dazu. „Am Ende geht es um Geist oder Geld.“ Dass er als „kapitalistischer Freigeist“, wie er über sich selbst sagt, hier schon Interessenten an der Hand hat, weist der Architekt und Immobilienmakler zurück.

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