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Prozess wegen versuchten Totschlags

Kuriose Geldübergabe: Überraschung im Prozess gegen fünf Pforzheimer

Denkwürdige Situation im Prozess wegen versuchten Totschlags: Unerwartet marschierten die Angeklagten zum Opfer und drückte ihm Geldscheine in die Hand.

Fünf junge Männer stehen wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Nun kam es im Gerichtssaal zu einer kuriosen Situation. Foto: Torsten Ochs

Wegen versuchten gemeinschaftlichen Totschlags stehen fünf junge Pforzheimer vor den Schranken des Landgerichts Karlsruhe. Staatsanwalt Bernhard Ebinger wirft ihnen vor, in der Nacht zum 10. Oktober 2020 zwei Opfer in einem Dönerladen angegangen zu sein, unter anderem auch mit Stühlen werfend.

Das Quintett wurde deshalb von den Besitzern aus dem Dönerladen komplimentiert. Das wollten die fünf nicht auf sich sitzen lassen und verfolgten das Duo bis in die Osterfeldstraße.

Direkt vor der Wohnung eines der Opfer kam es zum Showdown. In der wüsten Schlägerei wurde nicht nur ein Schlagstock und ein Schlagring eingesetzt, sondern auch ein Messer. Eines der Opfer musste nach einem lebensgefährlichen Stich in die Lunge notoperiert werden. Der Zweite erlitt neben vielen Prellungen zwei Platzwunden am Kopf.

Schon am ersten Verhandlungstag räumten die fünf Angeklagten das Geschehen grundsätzlich ein. Nachdem am zweiten Verhandlungstag eines der beiden Opfer darauf hingewiesen hatte, dass er bis heute keine Entschuldigung gehört habe, kam es geradezu zu einer Entschuldigungsorgie.

Einem Ritual gleich bedauerte einer nach dem anderen der fünf Angeklagten seine Beteiligung. Damit nicht genug, kündigte der Verteidiger des in Untersuchungshaft sitzenden Hauptangeklagten an, dass die Täter 200 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich direkt und sofort übergeben wollen.

Angeklagte überreichen Geld vor den Augen des Richters

So kam es zu der kuriosen Situation, dass noch im Gerichtssaal nicht nur ein Anwalt mit 200 Euro zum Zeugen marschierte, sondern auch vier der Angeklagte folgten, die 200 Euro überreichten und sich per Handschlag bei dem Opfer entschuldigten.

Unmittelbar vor den Augen von Richter Fernando Sanchez-Hermosilla ein Verstoß gegen die Corona-Regeln, auf deren strenge Einhaltung er nur wenige Minuten zuvor die zahlreichen Zuschauer hingewiesen hatte.

Kurios auch, dass einer der Angeklagten auf die Aktion nicht vorbereitet zu sein schien und sich die 200 Euro aus den Zuhörerreihen zustecken lassen musste. Schon am Vortag war bekannt geworden, dass der zweite Zeuge mit einem weitaus stattlicheren Betrag bedacht worden war.

Viel Neues hatten die beiden Opfer und Hauptzeugen nicht beizutragen. Die wesentlichen Vorwürfe waren am Vortag schon von den Tätern eingeräumt worden.

Opfer entdeckte Messerstich erst, als Blut floss

Erstaunlich immerhin, dass der Hauptgeschädigte den Stich in die Lunge zunächst nur als Faustschlag auf den Rücken wahrgenommen hatte. Den Stich habe er erst bemerkt, so berichtete er, als alles vorbei war und er Blut auf seinem Rücken entdeckte. Der Drohung „Du bist tot!“ habe er bis dahin keine Bedeutung beigemessen. Für die Strafzumessung hingegen könnte sie von erheblicher Bedeutung sein.

Angesichts der eindeutigen Beweislage schlug Fernando Sanchez-Hermosilla vor, „das Beweisprogramm ein bisschen einzudampfen“.

Mit Staatsanwalt und Verteidigern einigte er sich deshalb darauf, auf einige Zeugen zu verzichten. Dadurch könnte man eventuell zwei Verhandlungstage einsparen und schon am 15. Juli zur Urteilsverkündung kommen. Der nächste Verhandlungstag ist für den 29. Juni um 9 Uhr morgens vorgesehen.

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