Skip to main content

Fünf Männer vor Gericht

Mit Schlagstock zugeschlagen, bis er zerbricht: Streit in Pforzheim eskaliert

War es versuchter gemeinschaftlicher Totschlag oder nur eine Schlägerei, die aus dem Ruder gelaufen ist? Das versucht seit Dienstag die Schwurgerichtskammer am Landgericht Karlsruhe zu klären.

Prozessauftakt: In acht Verhandlungstagen will die Schwurgerichtskammer am Landgericht Karlsruhe klären, ob fünf junge Männer aus Pforzheim und Enzkreis des versuchten gemeinschaftlichen Totschlags schuldig sind. Foto: Torsten Ochs

Angeklagt sind fünf junge Männer, die sich in Pforzheim mit zwei anderen Männern prügelten. Eines der beiden Opfer wurde danach mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Ordentlich Promille getankt haben die jungen Männer, die am 10. Oktober 2020 einen Freund in Niefern abholten: Eine 0,7-Liter-Flasche Whiskey tranken die Vier vor dessen Haus. Hinzu kamen zwei weitere Flaschen Whiskey in einer Shisha-Bar in Pforzheim.

Hier stieß ein weiterer Freund dazu. Und wie von selbst stand ein Tablett mit Tequila vor ihnen. Wie viel sie davon getrunken haben, wusste keiner der fünf Angeklagten mehr genau. Zumal ein paar von ihnen zwischendurch auf der Toilette Kokain schnupften.

Gegen 2 Uhr morgens beschlossen die fünf Freunde, noch etwas essen zu gehen. In einem Pforzheimer Döner-Imbiss trafen sie auf zwei Bekannte, mit denen sie schon öfter Streit hatten, wie einer der Angeklagten, ein 24-jähriger Pforzheimer, schilderte. Das sollte auch in dieser Nacht nicht anders laufen: Auf einen Wortwechsel folgten Handgreiflichkeiten. Mitarbeiter des Lokals gingen dazwischen und beförderten die Streithähne nach draußen.

Streithähne liefern sich Prügelei mitten auf der Straße

Die Fünf gingen zum Auto und beschlossen, den beiden anderen noch einen „Denkzettel“ zu verpassen, sagte der Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Richter Fernando Sanchez-Hermosilla aus.

In der Osterfeldstraße sahen sie die beiden anderen Männer auf dem Gehweg stehen. Sie parkten mitten auf der Straße, sprangen aus dem Auto und lieferten sich eine weitere Prügelei, bei der die beiden Männer schwer verletzt wurden. Zum Einsatz kam ein Teleskopschlagstock und ein Messer. Der 24-jährige Pforzheimer gestand, dass er es war, der einen der beiden Geschädigten mit dem Messer verletzt hatte.

Das Opfer musste mit einer sieben Zentimeter tiefen Stichwunde am Rücken und weiteren Stichen an Becken und Lendenwirbel ins Krankenhaus gebracht werden, sagte der Erste Staatsanwalt Bernhard Ebinger. Die Verletzung sei lebensbedrohlich gewesen und das Opfer musste an der Lunge notoperiert werden. „Sie haben den Tod billigend in Kauf genommen“, so Ebinger. Das zweite Opfer trug unter anderem Platzwunden an Auge und Kopf und Hämatome an der Hand davon.

Sie haben den Tod billigend in Kauf genommen.
Bernhard Ebinger, Erster Staatsanwalt

Er habe das Opfer nicht in Todesgefahr bringen wollen, sagte der 24-Jährige, der momentan noch in Untersuchungshaft sitzt, weiter aus. Außerdem habe er nicht das Gefühl gehabt, den anderen schwer verletzt zu haben, weil dieser immer weiter kämpfte. Seine vier Freunde hätten von dem Messer nichts gewusst, so der Pforzheimer, der dem lebensbedrohlich Verletzten im Rahmen einer Ausgleichs- und Wiedergutmachungs-Vereinbarung 15.000 Euro überwiesen hat. Die anderen vier Angeklagten haben ebenfalls zugesagt, jeweils 2.500 Euro an Schmerzensgeld zu bezahlen.

Streit zwischen beiden Gruppen schon seit Längerem

Nach der Schlägerei im Dönerladen sei die Stimmung aufgeheizt gewesen, sagte der Angeklagte aus Niefern, der ebenfalls einige Schläge ausgeteilt hatte. Sie seien aggressiv gewesen, als sie ins Auto stiegen und hätten die Verfolgung der beiden Männer aufgenommen. Dass einer der beiden so schwer verletzt wird, habe er nicht gewollt.

Zerknirscht zeigte sich der 23-jährige Pforzheimer, der mit dem Schlagstock zugeschlagen hat, bis dieser zerbrochen ist: „Es tut mir leid, was passiert ist. Ich würde jetzt anders handeln.“ Allerdings habe ihn der schwer Verletzte ein Jahr vor der Schlägerei einmal „grundlos attackiert“.

Der Streit zwischen den beiden Gruppen dauere schon einige Zeit. Wer ihn wann angefangen hatte, könne niemand mehr sagen. Körperliche Auseinandersetzungen habe es öfter gegeben, sagte der 21-jährige Angeklagte, der das Auto gefahren hat und als einziger nicht betrunken gewesen sein soll. Die Beleidigungen seien von den beiden Geschädigten ausgegangen; handgreiflich sei aber seine Gruppe geworden. Die Nacht sei ein „Ausnahmezustand“ gewesen, beteuerte der fünfte Angeklagte, ein 21-Jähriger aus Engelsbrand.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 9. Juni, ab 9 Uhr mit Aussagen der Geschädigten fortgesetzt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang