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Mobilitätswende

Nun auch Lime: Dritter E-Scooter-Anbieter kommt nach Pforzheim

Nach Zeus und Bird will auch Lime die Goldstadt erobern. Zudem soll bis 2022 der neue integrierte Mobilitätsplan der Stadt Pforzheim stehen. Zumindest beim Feindbild Auto war man sich schonmal einig.

Bald auch in Pforzheim: Die Scooter der Firma Lime fahren bereits durch viele Großstädte in Baden-Württemberg, wie beispielsweise Karlsruhe. Foto: Fabian Sommer/dpa

In Karlsruhe gibt es die grün-weißen Flitzer schon etwas länger, nun sollen sie auch ihren Weg in die Goldstadt finden. Die Firma Lime wird die dritte sein, die in Pforzheim E-Scooter bereitstellt. Das verkündete der Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Kevin Lindauer am Rande der Sitzung des Mobilitätsbeirats am Donnerstag.

Schon am Dienstag sollen die Roller aufgebaut werden und dann den bisherigen Platzhirschen der Firmen Zeus und Bird Konkurrenz machen. Die entsprechende Selbstverpflichtungserklärung liege bereits vor.

Beschwerden über Scooter in der Südstadt

Schnell entbrannte in dem frisch geschaffenen Gremium eine emotionale Diskussion. Lindauer betonte, es habe bisher kaum Beschwerden wegen der Scooter gegeben. Dem widersprach Stadträtin Stefanie Barmeyer (Bündnisgrüne): „Sie stehen und liegen in der Südstadt mitten auf dem Gehweg.“ Wenn es tatsächlich so wenige Beschwerden gebe, so mutmaßte Barmeyer, „dann wissen die Leute vielleicht einfach nicht, wo sie sich beschweren sollen“.

Gerade im Winter habe sie Probleme damit gehabt, die verschneiten Scooter zur Seite zu schaffen. Lindauer betonte, 1,60 Meter Breite für Fußgänger sei vorgeschrieben. So breit, konterte Barmeyer, sei ja schon der gesamte Fußgängerweg. Und Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) gab sich schon froh, dass die Firmen überhaupt eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet hätten.

Mehr als 100 Roller pro Firma solle es jedenfalls nicht geben. Schließlich räumte Lindauer dann etwas kleinlaut ein, dass es tatsächlich einzelne Beschwerden aus der Südstadt gegeben habe.

Lieb (VCD) kritisiert jahrelangen Stillstand

Bliebe noch das eigentliche Hauptprojekt des Mobilitätsbeirats bei seiner ersten richtigen Arbeitssitzung: der integrierte Mobilitätsentwicklungsplan. Der soll den gescheiterten Verkehrsentwicklungsplan 2020 ersetzen. Zwei Referenten der Firma PTV Group skizzierten dazu den Zeitplan. Bis Sommer 2022 soll das fertige Konzept stehen.

Vielleicht wissen die Leute einfach nicht, wo sie sich beschweren sollen.
Stefanie Barmeyer, Bündnis 90/Die Grünen

Aus Umfragen habe man grobe Ziele zusammengefasst: mehr und sicherere Radwege, mehr Aufenthaltsqualität an Haltestellen, bessere Vernetzung zwischen den einzelnen Verkehrstypen, weniger CO2-Emissionen, weniger Autoverkehr. Das war so gefällig, dass Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte: „Es sind die gleichen Themen, die wir nach zehn Jahren jetzt wieder bearbeiten. Egal, wen Sie beauftragen, Sie bekommen immer die gleichen Ergebnisse.“

Klares Feindbild Autofahrer

Dabei ist man sich im Feindbild ja einig. Bärbel Jansen vom Landesnaturschutzverband (LNV) betonte: „Alle holen auf, das Auto steckt zurück, das finde ich sehr gut.“ Zum Privatkrieg gegen Wohnmobile holte CDU-Stadträtin Marianne Engeser aus, die zudem den durchschnittlichen Pforzheimer als „rücksichtslosen Autofahrer“ skizzierte.

Ein Hinweis des Ersten Bürgermeisters Dirk Büscher (CDU) auf die Straßenverkehrsordnung bremste die Fraktionsvorsitzende. OB Boch hingegen wetterte gegen rücksichtslose Parker. „Vielleicht ist ja der einzige freie Parkplatz deshalb frei, weil man nicht berechtigt ist“, gab Boch eine Denkhilfe. Der ADAC-Vertreter, der erstmals auch Mitglied des Gremiums war, äußerte sich dazu übrigens nicht.

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