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Hauptbahnhof wird zur Bühne

Ornamenta-Gala 2022 in Pforzheim: Erster öffentlicher Aufschlag ist geglückt

Keine gewöhnliche Gala versprachen die Organisatoren - und lieferten. Der erste öffentliche Auftakt im Vorfeld der Ornamenta 2024 machte den Pforzheimer Hauptbahnhof zur Bühne für Kunst und Tanz.

Kein Reinigungstrupp, sondern Performancekunst: Die Ornamenta-Gala machte den Pforzheimer Hauptbahnhof zur Bühne.
Foto: Birgit Metzbaur

Es war der erste große öffentliche Aufschlag der neuen Ornamenta, die Ornamenta-Gala 2022 am Freitagabend im Hauptbahnhof und das Publikum war angetan. Von den szenischen Installationen, vom Veranstaltungsort und von der Möglichkeit Reisende und zufällige Passanten mitzunehmen auf die Reise in die werdende Ornamenta 2024.

An fünf Stationen wurde jeweils eine der fünf Gemeinden der Ornamenta, Solartal, Zum Eros, Schmutzige Ecke, Inhalatorium und Bad Databrunn, mit achtminütigen Vorführungen repräsentiert. Gemeinsam war allen Stationen, dass sie Überraschendes miteinander verbanden. Angefangen damit, dass Reisende von den Darbietungen überrascht wurden und einige zögerlich aber gerne die Gelegenheit nutzten, sich in die mit Fahrscheinen ausgestattete Publikumsgruppen einzureihen.

Der Bahnhof müsse „unbedingt als Veranstaltungsort in die Ornamenta aufgenommen werden“, hieß es aus den Reihen der Gäste. Er ermögliche „schöne Interaktionen, ist ein Ort der Begegnung“, bekräftigte auch der Pforzheimer Künstler Janusz Czech im Gespräch mit dieser Redaktion.

Im Solartal in der Bahnhofshalle trafen „KI-Text-Bild-Loops“ auf sphärische Klänge. Der Medienkünstler und Forscher der Alltagswelt, Michail Rybakov, schuf einen von einer Künstlichen Intelligenz (KI) zusammengefügten Bilderfluss aus dem Solartal und traf auf acht Frauen des Vokalensembles Herztöne. Unter Leitung von Salome Tendies führte der Chor auf einer Empore „Stars“ des lettischen Komponisten Eriks Ešenvalds auf. Gestimmte Weingläser als Begleitung verliehen dem Chor eine mystische Aura.

Ornamenta-Gala in Pforzheim: Rhythmischer Tanz mit Nasswischern

In die östliche Bahnhofs-Unterführung ging es zur „Schmutzigen Ecke“, dem Symbol für unangenehme Meinungen, unbequeme Wahrheiten und unerwartete Konfrontationen. Der sich auf Performancekunst konzentrierte multidisziplinäre, in Madrid geborene Künstler, Eloy Cruz, zeigte mit fünf weiteren Tänzern einen auf den ersten Blick rhythmischen Tanz mit Nasswischern.

Auf den zweiten Blick beschwörten die dezenten Botschaften auf den weißen Hemden der Tänzer, „Who can“ (wer kann), „the Stranger“ (der Fremde) oder „be trusted“ (sei vertrauenswürdig) „durch den Umgang mit Wasser drei soziale Aggregatzustände: Reflexion, Machtkritik und Introspektion“. Mit den Tänzern korrespondierten die Säulenskulpturen des Amsterdamer Künstler Josse Pyl, die unsere Beziehungen zur Sprache reflektieren.

Schon bei den Proben hatte das „Inhalatorium“ aufmerksame Blicke von Passanten auf sich gezogen. Die Blackforest Society, Pforzheims größter, markenoffener Tuningverein, war mit Fahrzeugen am Eingang der westlichen Bahnhofsunterführung vorgefahren. Vier Tänzer und Tänzerinnen aus Stuttgart und Zürich, führten eine temperamentvolle Choreografie auf, begleitet von Mitarbeitern der städtischen Technischen Dienste, die mit ihren Laubbläsern die alle Menschen verbindende Luft in Schwingung versetzten.

Künstliche Tomaten als Gaumenfreude

Mit leisen Tönen vom Streichquartett des Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim in einem bereitgestellten Zug lud die Station „Bad Databrunn“ dazu ein, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Und bei der Station „Zum Eros“ trafen der Graffiti-Pionier aus Amsterdam, Niels Shoe Meulmann, und die Industriedesignerin Sabrina Bündgens aus der Oberpfalz aufeinander. Meulmann zeigte mit seinem überdimensionierten Liebesbrief auf Leinwand, dass „ein Wort ein Bild ist und Schrift Malerei“. Während Bündgens über den Gaumen mit künstlichen Tomaten zu verführen versuchte.

Den Abschluss für zahlende Gäste bot das Gala-Get-together in der Vivo-Bar. Dort war ein thematisches Fingerfood in fünf Gängen gerichtet. Zum Beispiel Tapa arepas (Sandwiches aus dünnem Maisbrot) im Solartal oder in Bad Databrunn Schokolade, Lollis und Energie-Riegel mit Mehl- und Buffalowürmern. Musikalisch ergänzt jeweils von Klanglandschaften von Anjana Berger und Kosmas Dinh.

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