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Online-Aktion der Polizei

Pforzheim: Wenn die fehlende Rettungsgasse zum Problem wird

Im vergangenen Jahr hat das Polizeipräsidium Pforzheim bundesweit Beachtung für eine Kampagne zur Rettungsgasse bekommen. Inzwischen wird die Rettungsgasse zwar öfter gebildet – doch viele wissen offenbar noch immer nicht, wie es geht

Wenn es stockt, gilt die Regel: Wer links fährt, ordnet sich möglichst weit links ein, alle anderen möglichst weit rechts, jedoch ohne die Standspur zu benutzen Foto: Screenshot Kampagnenvideo, Polizeipräsidium Pforzheim

Bei schweren Verkehrsunfällen zählt jede Sekunde: Was auf den ersten Blick wie eine Binsenweisheit klingen mag, wird in der Realität oft durch das Verhalten von Verkehrsteilnehmern konterkariert. Stichwort: Rettungsgasse. Eigentlich sollte jeder Autofahrer wissen, wie man sie bildet, doch beim Polizeipräsidium Pforzheim stellt man immer wieder fest, dass es diesbezüglich Probleme gibt – „vor allem auf der Autobahn“, weiß Christian Schulze von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Präsidiums.

„Leider kommen Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehren oft nicht schnell genug zur Unfallstelle, weil dann doch irgendeiner die Rettungsgasse versperrt.“ Deshalb hat man in Pforzheim schon im vergangenen Jahr eine groß angelegte Kampagne gestartet, die auch bundesweit für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Das Motto lautete: „Mach Platz, wir wollen retten.“

Bundesweit wurden dadurch über fünf Millionen Menschen erreicht. „Wir waren in mehreren Fernsehbeiträgen und in mehreren Zeitungen.“ Das scheint auch im Alltag etwas bewirkt zu haben. Mit konkreten Zahlen lasse sich das zwar derzeit noch nicht belegen, „aber es gibt einen subjektiven Trend, dass die Rettungsgasse inzwischen öfter gebildet wird“, berichtet Schulze von den Erfahrungen seiner Kollegen rund ums Nadelöhr der Autobahn 8 bei Pforzheim. 90.000 Fahrzeuge passieren das täglich; bis Juni wurden hier 54 Unfälle gemeldet, 22 mit Personenschäden.

Rettungsgasse muss frühzeitiger gebildet werden

Doch trotz des Erfolgs der Kampagne gilt es weiterhin, für ein Thema zu sensibilisieren „das schon hundert Mal genannt wurde und überall zu sehen ist, das aber doch irgendwie keiner richtig beachtet“, so Schulze. „Wir müssen ein größeres Verständnis dafür bekommen, dass schon ab der ersten Anstockung eine Rettungsgasse gebildet wird“, sprich: schon wenn der Verkehr nicht mehr fließt und die Ursache dafür noch unklar ist. Dann sollten die Fahrzeuge auf der linken Spur bereits möglichst weit nach links, alle anderen möglichst weit nach rechts fahren. Die Standspur selbst muss allerdings frei bleiben.

Noch immer vergessen das viele oder halten sich aus Bequemlichkeit nicht daran, bedauert Schulze. Auch deshalb liegt dieses Thema der Polizei weiterhin am Herzen. Übrigens auch wegen eines anderen Aspekts: „Viele meinen, sie können aussteigen, wenn die Rettungsgasse gebildet ist.“ Und nicht wenige zückten dann auch ihre Handys und behinderten die Arbeit der Rettungskräfte. Ein Ärgernis, für das Schulze und seine Kollegen keinerlei Verständnis haben.

„Das hat sich irgendwie eingeschlichen“, weiß er und gibt zu bedenken: „Das ist kein guter Trend und da muss etwas dagegen unternommen werden.“ Schulze fordert Gaffer und Filmer dazu auf, über eine Sache nachzudenken, bevor sie zum Smartphone greifen: „Jeder sollte sich einmal vorstellen, dass er selbst, nahe Verwandte oder einer seiner Freunde das Unfallopfer ist“ und sich dann gut überlegen, wie er sich dabei fühlen würde, gefilmt oder begafft zu werden.

Sein Appell an alle ist deshalb: „Man soll doch bitte die Kollegen vor Ort an der Unfallstelle arbeiten lassen und nicht seine Sensationsgeilheit erfüllen und filmen, nur weil da etwas Schlimmes passiert ist.“

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