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Viele Detailanregungen

Pforzheimer Gestaltungsbeirat gibt grünes Licht für stadtbildprägende Bauten

Pforzheims Gestaltungsbeirat hat in seiner 50. Sitzung viele Detailanregungen und lehnt zum vierten Mal ein Wohnbauvorhaben im Villenviertel des Rodgebiets ab. Bei den stadtbildprägenden Bebauungen an der Stelle des früheren Sinn-Leffers, auf dem Kirchenareal im Arlinger und einem Villengrundstück in der Lameystraße kann es jetzt losgehen.

Neue Zentrumsadresse: Die Beletage über dem Lebensmittelhandel und dem Eingang zum Sozialrathaus (rechts) muss nach Pforzheim aussehen - also stärker ausgeprägt werden, findet der Gestaltungsbeirat. Foto: Visualisierung Böhm Architekten

Jubiläen wollen gefeiert werden, „aber es wird nichts geschenkt“ im Gestaltungsbeirat. Mit dieser kleinen Replik auf die Eröffnung der 50. Sitzung durch Bürgermeisterin Sibylle Schüssler unterstreicht der Vorsitzende, Professor Ludwig Wappner, den Anspruch des Gremiums.

Es stehen zwei Wohnbebauungen im Villenviertel des Rodgebiets zur Diskussion, eine Tagespflege mit Kita in der Brendstraße sowie als zentrales Thema die Neugestaltung der Nordost-Ecke Leopold-/Zerrennerstraße mit dem Sozialrathaus plus Lebensmittel im Erdgeschoss. Bei allen Vorhaben geht es um eine Weiterentwicklung auf Basis der Expertenkritik.

Den eindrücklichsten Vorher-Nachher-Effekt bei diesem zweiten Aufschlag schafft der Schwabacher Architekt Johann Böhm und mit ihm Bauherr Johannes Kalker. Für Professorin Uta Stock-Gruber zeigt ihr Innenstadtprojekt einen guten Qualitätssprung.

Sozialrathaus: Gestaltungsbeirat beschäftigt sich mit Detailfragen

Dass die Fassade mit Naturstein ausgebildet werden soll, begrüßt die Landschaftsarchitektin. Ansonsten dreht sich die Diskussion um Detailfragen wie, ob der Absturzschutz vor den Fenstern wirklich gläsern werden muss oder vielleicht ein zartes, kaum sichtbares Metallgeflecht die Aufgabe erfüllen kann.

Zeigen Sie ganze Klaviatur des Muschelkalks.
Ludwig Wappner, Vorsitzender Gestaltungsbeirat

Weniger Platz für die Verwaltung zu Gunsten von Besuchern und Öffentlichkeit bringt eine der wenigen grundsätzlichen Anmerkungen zu dem von Wappner so bezeichneten „Stadtbaustein“ zwischen Leopold- und Lammstraße mit sich.

Er ist im Erdgeschoss an der Leopoldstraße durch Stützen strukturiert, die zunächst die Schaufensterfront gliedern und dann eine Kolonnade vor dem Eingang zum Sozialrathaus bilden. „Da wird man ja nass“, kommentiert der Gestaltungsbeirat, dass der Platz dazwischen gerade mal 1,20 Meter tief ist. Die beim ersten Mal als versteckt und zu klein kritisierte Eingangssituation insgesamt hält aber dem Fachurteil stand.

Gleiches gilt für die kleingliedrige Fensterstruktur, die das lange Gebäude nach oben streckt und zu einer zweiten, gleich einem Gegengewicht zur unteren angelegten Abschlusskolonnade führt.

Böhm und Kalker nehmen dazu als Anregung mit, die ganze Klaviatur des mit Bezug auf Vorkommen im Enzkreis ausgewählten Muschelkalks zu zeigen. In der Lammstraße empfiehlt Wappner einen neuen Farbton, damit der Bau auf der Grundfläche des bisherigen Sinn-Leffers „nicht als großes Monstrum durchs Zentrum wabert“. Beim Sonnenschutz schwebt dem Gremium eine textil gestaltete Heiterkeit vor.

Mit architektonischen Detailideen und Zustimmung begleitet der Gestaltungsbeirat auch den Neubau mit acht Wohnungen in der Lameystraße. Architekt Hans Klumpp betont, dass die Anregungen das Haus auch in seinen Augen voranbringe. Es werde jetzt deutlich niedriger, das zunächst opulent angelegte Treppenhaus ist zurückgenommen. „Die geringfügigen Modifikationen insgesamt haben dem Haus gut getan“, urteilt Henning Ehrhardt. Es entfalte jetzt Wirkung auf das sich nordseitig anschließende „liegende Hochhaus“, ergänzt der Beiratsvorsitzende Wappner.

Mehr Platz für Kinder

Viel Lob und nicht minder viele Anregungen bekommt auch Carsten von Zepelin für das von der Arlinger Baugenossenschaft geplante Ensemble aus Tagespflege, Wohnungen und Kita an Stelle und in Ergänzung des bisherigen Theresienzentrums. Nutznießer der Nacharbeiten hier sind Kindergartenkinder. Sie bekommen eine deutlich großzügigere Gartenetage mit gleichfalls vergrößerter Außenfläche.

Gar nicht überzeugend fällt der erneute Versuch aus, in der Bichlerstraße neben einem Kulturdenkmal ein Mehrfamilienhaus zu bauen. Es ist bereits der vierte Anlauf, das stark abschüssige, aber reizvolle Grundstück zu bebauen. Die Architektin erlebt bei der Diskussion, dass der Gestaltungsbeirat kein Baurechtsamt ist, wie Wappner mehrfach anmerkt.

Es reiche in so eine Lage nicht, einfach nach den Buchstaben des Gesetzes zu planen. „Man merkt, dass das Gefühl für das Areal noch nicht vorhanden ist.“ Schüssler empfiehlt hier eine kleine Mehrfachbeauftragung und sichert Unterstützung zu.

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