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„Durchgangsverkehr nein danke!“

Pforzheimer Initiative sieht in Pollern ersten Schritt für mehr Wohnqualität in der Nordstadt

Wenn es um die Poller am Ebersteinplatz in der Pforzheimer Nordstadt geht, scheiden sich die Geister. Im vergangenen Jahr hatte ein Unternehmer der Stadt eine Unterschriftenliste mit rund 280 Pollen-Gegnern vorgelegt. Jetzt hat sich die Initiative Pro Poller gegründet aus Anwohnern und Leuten, die in der Nordstadt arbeiten. Sie sehen in den probeweise von der Stadt aufgestellten Eisenstangen einen wichtigen Schritt zur Verkehrsberuhigung.

Poller statt Durchgangsverkehr: Für den Erhalt der Eisenpfeiler auf dem Ebersteinplatz kämpft die Initiative Pro Poller. Sie sehen darin einen ersten Schritt für mehr Verkehrsberuhigung und bessere Aufenthaltsqualität in der Nordstadt. Foto: Roland Wacker

Rund 25 Leute stehen auf dem Ebersteinplatz. Jemand hat einen kleinen Tisch mitgebracht, auf dem eine Tüte mit Brezeln liegt. Zum gemeinsamen Frühstück sind sie an diesem sonnigen Samstagmorgen aber nicht hergekommen. „Durchgangsverkehr nein danke!“ steht auf einem großen Banner. Sie kämpfen für eine ruhigere Nordstadt mit mehr Lebensqualität.

Die vier Poller am Ebersteinplatz sind Namensgeber für die Gruppe, der es um mehr geht als die Beibehaltung jener Eisenstangen, die die Stadt Anfang Oktober probeweise dort aufgestellt hat. Die Initiative Pro Poller, im Kern bestehend aus rund 20 Personen, fordert weitere Schritte zur Verkehrsberuhigung in dem Stadtteil, in dem die meisten von ihnen wohnen oder arbeiten; bei Michael Eisele und Andreas Glum ist beides der Fall. „Besseres Wohnen beginnt mit Verkehrsberuhigung. Und nur dies führt zu besserem Miteinander“, bringt es Unternehmer Eisele auf den Punkt.

Initiative spricht von deutlicher Reduzierung des Durchgangsverkehrs

Dass die Poller verbunden mit einer Einbahnstraßenregelung in den vergangenen Monaten zur deutlichen Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Nordstadt geführt hat, ist für sie Fakt. Für Kinder sei der Weg zu Schanz- und Nordstadtschule sicherer geworden, meint Rainer Buschkiel aus der Rudolfstraße, gleiches gelte für den Spielplatz.

„Die Poller sind ein super erster Schritt“, erklärt Martin Mäschke vom Fahrradclub ADFC, der sich auch dafür einsetzt, dass die Ebersteinstraße einen Radweg erhält. Der Durchgangsstopp, davon sind alle überzeugt, hält Lkw- und sowie solche Autofahrer fern, die nicht in der Nordstadt einkaufen, sondern über Schleichwege Richtung Autobahn gelangen wollen.

WiP-Stadtrat Christof Weisenbacher und Bürgervereinsvorsitzende Heike Kuppinger engagieren sich seit Jahren für weniger Verkehr. Dass die Nordstadt Sanierungsgebiet ist, sehen sie als große Chance. „Ich höre nur Positives“, sagt Kuppinger zum Thema Poller. Die Initiative betont, dass sie den „sachlichen Dialog“ suchen möchte mit allen Akteuren vom Quartier und der Kommunalpolitik.

Poller-Befürworter stehen Poller-Gegnern gegenüber

Sachlich ging es in den vergangenen Monaten nicht immer zu. Wer sich für die Poller stark machte, bekam mitunter heftigen Gegenwind zu spüren. Im Herbst hatte Unternehmer Jürgen Ahrens der Stadt eine Liste mit rund 280 Poller-Gegnern vorgelegt. Es kämen weniger Kunden in ihre Läden, so einer der Vorwürfe. Bäckerei-Inhaberin Birgit Pasler sagt auch heute: „Für uns hat sich die Situation verschlechtert. Das hat nicht nur mit Corona und den Baustellen zu tun. Aber wir können überleben.“ Bei zwei anderen Einzelhändlern sei dies nicht der Fall. Einer von ihnen ist Jürgen Goll. Der Inhaber eines Leuchtmittelladens steht abseits der Gruppe und klagt: „Am Freitag hatte ich null Umsatz.“ Eine Frau, die in einem Geschäft in der Kronprinzenstraße arbeitet, hält auch nichts von der Verkehrsberuhigung.

Kein Durchkommen und zu wenige Parkplätze

80 Prozent ihrer Kunden seien nicht aus der Nordstadt, sagt Pasler. An Donnerstagen könne sie die Umsatzeinbrüche beziffern, da blieben viele ganz weg. Müllfahrzeuge in der Salierstraße, dazu die Poller am Ebersteinplatz: Es gebe kein Durchkommen und zu wenige Parkplätze. Wie andere Einzelhändler klagt Pasler auch über verkehrswidriges Parken. Ihre Lieferwagen seien ständig zugeparkt.

Wir haben Parkplätze. Man muss nur Gespräche führen.
Michael Eisele, Unternehmer und Anwohner

Die Initiative Pro Poller erklärt, alle Geschäfte seien trotz Poller mit dem Auto erreichbar. Auch sie fordert eine Lösung der Parkprobleme und bringt Car-Sharing-Plätze ins Spiel. Sicherlich könne man abends in der Goldenen Pforte parken, das Landratsamt plane ein mehrstöckiges Parkhaus. „Wir haben Parkflächen. Man muss nur das Gespräch mit den Inhabern führen“, sagt Eisele in Richtung Stadt.

Einen weiteren Vorwurf, die Poller führten nicht zur Beruhigung, sondern zur Verlagerung des Durchgangsverkehrs etwa von der Eberstein- in die Rudolfstraße seht die Initiative durch eigene Erfahrungen entkräftet. Lediglich zu Beginn hätten Autofahrer Orientierungsprobleme gehabt.

Stadt sieht Poller als sinnvolles Mittel zur Verkehrslenkung

Die Stadt erklärt, mit den Pollern dem vielfach geäußerten Wunsch von Anwohnern und Bürgerverein nach mehr Sicherheit und Lärmschutz nachgekommen zu sein und lässt wissen: Auch aus Verwaltungssicht hätten sich die Poller bewährt beim Ziel einer Verkehrsberuhigung und -lenkung. Stadtsprecher Stefan Baust schränkt indes ein: es habe keine Verkehrszählung gegeben; aufgrund der längeren Sperrung der Unterführung Luisenstraße seien keine repräsentativen Ergebnisse zu erwarten, sie würden zugunsten der Poller ausfallen.

Ob die Poller dauerhaft bleiben, kann Baust nicht sagen. Im Lauf des Frühjahrs solle in den Gemeinderats-Gremien ein Zwischenfazit präsentiert werden. Dazu sammle die Stadt derzeit Stellungnahmen. Auch die Initiative Pro Poller will nun auf die Fraktionen zugehen, um ihre Interessen zu verdeutlichen. Sie hat eine online-Petition gestartet, die eigenen Angaben zufolge rund 100 Personen unterzeichnet haben.

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