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St.-Franziskus-Kirche macht den Anfang

Pforzheimer Katholiken dürfen Gottesdienste wieder in der Kirche feiern

Insgesamt 16 Gottesdienste – sowohl Messen als auch Wortgottesfeiern – wurden am Wochenende in zehn katholischen Kirchen in Pforzheim gefeiert. Die Wortgottesfeier in der St.Franziskus-Kirche zählte am Samstagabend zu den ersten.

Nach der coronabedingten Zwangspause: Seit Samstag dürfen die katholischen Gläubigen in Pforzheim wieder Gottesdienste in den Kirchen feiern, wie hier bei der Wortgottesfeier in St. Franziskus. Foto: Stefan Friedrich

Seit dem vergangenen Wochenende dürfen in den katholischen Kirchen Pforzheims wieder Gottesdienste gefeiert werden, nachdem infolge der hohen Infiziertenzahlen zuletzt eine solche Präsenzveranstaltung nicht mehr möglich war.

Inzwischen ist jedoch nicht nur die 7-Tage-Inzidenz gesunken; es liegt sowohl seitens der Landesregierung, als auch der Erzdiözese und der Stadt Pforzheim eine Erlaubnis vor, dass Gläubige auch in den Gotteshäusern wieder anwesend sein dürfen, wenn auch unter strengen Auflagen. Insgesamt 16 Gottesdienste – sowohl Messen als auch Wortgottesfeiern – wurden an diesem Wochenende in zehn Kirchen begangen.

Kirchenbesucher muss Zettel ausfüllen

Natürlich ist vieles auch jetzt noch anders als in normalen Zeiten. Kurz nach dem Betreten des Kirchengebäudes muss jeder Gottesdienstbesucher erst mal einen Zettel mit seinen Kontaktdaten ausfüllen, zur Nachverfolgung, falls doch mal etwas wäre. Und auch die Sitzreihen stehen nicht alle zur Verfügung; jede zweite ist mit einer kleinen Kordel abgesperrt, damit die Abstände von jedem Platz aus gewahrt bleiben – sowohl seitlich, als auch nach vorne und hinten.

Die Abstände wurden sogar noch einmal erhöht: Zwei Meter statt bislang 1,50 Meter sind jetzt ebenso Pflicht, wie FFP2- statt Stoffmasken während des Gottesdienstes. Nur Kinder unter sechs Jahren sind von der Maskenpflicht ausgenommen. Der Gemeindegesang ist zudem weiterhin nicht erlaubt. Die Musik kommt dennoch nicht zu kurz: Dafür sorgen Organist und Solosänger.

Gesang ist weiterhin nicht erlaubt

Am Samstagabend stellten die Vorgaben kein Problem dar: Es waren ohnehin nur wenige Gläubige gekommen, um den Gottesdienst gemeinsam wieder in der Kirche feiern zu können. Alle trugen Maske und alle saßen weit verteilt im ganzen Raum, als die Orgel zum Vorspiel erklang und Ursula Herb mit den Ministranten sowie den beiden Lektoren Brigitte Langer-Glock und Holger Nickel den Mittelgang entlang nach vorne zum Altarbereich schritt.

Dass sie diesen Gottesdienst im Team mit Mesner Alexander Bäcker und im Beisein ihres Mentors Diakon Stephan Rist leiten durfte, darüber sei sie froh und dankbar gewesen, verriet sie im Anschluss an die Wortgottesfeier. „Für mich war es erfüllend und erbauend. Ich diene meinem Gott und meiner Gemeinde sehr gerne.“

Für mich war es erfüllend und erbauend.
Brigitte Langer-Glock, Lektorin

Dass die Gläubigen noch nicht wieder in größerer Zahl zum Gottesdienst kommen, dafür hat Herb jedoch Verständnis. „Die Leute haben noch etwas Angst.“ Viele wägen noch ab: Wie schütze ich mich, wie schütze ich andere. „Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden“, so Herb.

Doch auch in kleinem Rahmen sind stimmungsvolle Feiern wie am Samstagabend möglich. Einerseits gehe es den katholischen Kirchen ohnehin weniger um die Quantität, sondern um die Qualität, versicherte Herb; andererseits sei von Jesus Christus eine „wunderschöne Aussage“ überliefert, die zu einem solchen Abend passt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Für die Gottesdienstbesucher hatte Herb Worte des Trostes parat. Dass die Schriftlesung sich dabei auf Hiob bezog, also „von Klage und Leid, von Krankheit und Heilung“ erzählte, war nicht etwa für diesen Anlass – quasi unter dem Eindruck der Pandemie und ihrer Folgen – so gewählt; die Lesungen sind langfristig geplant, boten aber dennoch eine Steilvorlage: „Gerade in Corona-Zeiten kann Kirche ein Ort sein, an dem sich den Menschen in Not die Hand Gottes entgegenstreckt“, versicherte sie den Gottesdienstbesuchern. „Wir können unseren Mitmenschen Hoffnung und Mut schenken, damit sie nicht verzweifeln.“

Wortgottesfeiern sollen etabliert werden

Für Herb war diese Feier ein besonderer Moment – nicht alleine, weil es der erste Gottesdienst nach der Corona-Pause war. Sie absolviert derzeit einen Liturgie-Kurs und wird dazu ausgebildet, als Beauftragte des Bischofs zukünftig Wortgottesfeiern halten zu dürfen.

„Wir versuchen, dass wir diese Wortgottesfeiern etablieren“, erklärte Diakon Stephan Rist. Bereits im Zweiten Vatikanischen Konzil sei 1963 festgelegt worden, dass auch Laien einen Gottesdienst leiten dürfen, wenn kein Priester zur Verfügung steht. Drei Gottesdienste muss Herb im Rahmen dieses Kurses leiten, bevor sie offiziell beauftragt wird.

Den ersten hat sie Mitte Dezember mit der Gemeinde gefeiert; der zweite war ursprünglich nicht für diesen Samstagabend, sondern für die Lichterprozession auf den Wallberg geplant, die coronabedingt allerdings ausfiel.

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