Skip to main content

Die kleine Kirmes in der City

Pforzheim verwandelt sich in ein Budenstädtchen

Die Aufregung ist groß unter den Schaustellern und Besuchern, die sich ab Mittwoch in der Pforzheimer City bespaßen lassen wollen. Dann startet die kleine, dreiwöchige Kirmes.

Es wird bunt: In der Fußgängerzone bauen vier Männer das Kinderriesenrad auf, eine der Attraktionen der am Mittwoch beginnenden Kirmes. Foto: Jürgen Müller

An den Buden auf dem Marktplatz wird geschraubt und gebohrt. „Gibt es hier ein Weinfest?“ werden die emsig arbeitenden Menschen von Passanten gefragt. Vier Männer werkeln am Holzgerüst des Kinderriesenrads, an das später die Gondeln gehängt werden.

Seit 7 Uhr am Montag sind Schausteller und ihre Helfer damit beschäftigt, die kleine Kirmes mit 14 Buden und Geschäften in der Pforzheimer City aufzubauen.

Die Stimmung ist so ausgelassen und fröhlich wie unter Schülern, die sich nach den Sommerferien wieder sehen. Doch im Unterschied zu diesen hat die Pause, zu der die Schausteller verdonnert waren, nicht sechs Wochen, sondern ein ganzes Jahr gedauert.

Kollegen freuen sich über Wiedersehen

Ob Dominik Krämer mit seinem Churros-Stand, Waffelbäcker Alexander Schreiber oder Patricia Kinzler mit ihrem Kinder-Riesenrad – sie alle haben bei dem am Mittwoch, 25. August, startenden Rummel ihren ersten Auftritt seit der Mini-Mess im vergangenen Herbst.

„Es ist wunderbar, die Kollegen wiederzusehen“, sagt Dieter Seyfert und strahlt Marktmeister Marc Pfrommer an, mit dem er seit Mitte der 80er-Jahre zusammenarbeitet. Seyfert freut sich für seine Kollegen und mit ihnen, er selbst kann mit seiner Cocktailbar nicht dabei sein.

Wenigstens durfte er kürzlich bei der Karlsruher Mess Umsatz machen. „Meine Saison ist nach dem einen Mal wieder zu Ende“, sagt er – eigentlich zum Spaß, denn alle Schausteller hoffen auf eine Wiederkehr zum Weihnachtsmarkt.

Es geht nicht nur um den Umsatz sondern darum, wieder rauszukommen.
Marc Pfrommer, Marktmeister

„Es geht nicht nur um den Umsatz, sondern darum, wieder rauszukommen“, erklärt Marktmeister Marc Pfrommer. In entspannter Runde stehen er und sein Kollege Jörg Folke mit den Schaustellern Dieter Seyfert, Artur Dingeldein und Karl Müller zusammen.

Es wird gelacht und herumgealbert. Selbst der Mais-Man scheint nach einjähriger Abstinenz besonders heiß auf Kundschaft zu sein.

Ist sein Lachen nicht breiter als sonst? Karl Müller hat seinem Schützling neuerdings eine Unterthekenbeleuchtung verpasst, „bundesweit die einzige“, behauptet er euphorisch. Und er hat ihm ein Fähnchen in die Hand gedrückt: „Hallo Pforzheim“, wird der überdimensionierte Maiskolben schon bald ein Publikum begrüßen, von dem Pfrommer sagt, es sei besonders „messverrückt“.

„Viele Schausteller haben ihre Stammkundschaft.“ Dahinter stehen Beziehungen, die über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte aufgebaut wurden.

Über Jahrzehnte Beziehungen zu Stammkundschaft aufgebaut

Ludwig Schneiders Familie kommt seit drei Generationen her. Die Weisenheimer Schausteller waren schon auf der Pforzemer Mess zu finden, als die noch im Stadtgarten organisiert wurde. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte bietet er an einem Stand auf dem Marktplatz gebrannte Mandeln und Nüsse an. „Man arrangiert sich“, kommentieren beide den einjährigen Stillstand. Selbst in Kriegszeiten habe man immer was verkauft.

Für Julius Kritz beendet das Pforzheimer Gastspiel eine noch längere Auszeit. „Die letzte Veranstaltung war auf dem Weihnachtsmarkt hier“, sagt der 30-Jährige, der am östlichen Ende der Fußgängerzone mit einer besonderen Attraktion für kleine Messe-Gäste aufwartet: Einer Kinderschleife, die dem Formel-1-Rennen nachempfunden sei. 20 kleine Rennwagen und Lkw fahren in Form einer Schleife über eine Brücke.

Bei der Mini-Mess im September half er bei seinem Onkel, Mais-Man Müller, aus. Jetzt freut sich Kritz darauf, sein eigenes Geschäft zum Einsatz zu bringen. Seine Mutter bespielt schon seit 50 Jahren die Pforzheimer Jahrmärkte. „Wenn wir mit dem Auto in die Stadt reinfahren, ist es für sie wie nach Hause zu kommen.“

Öffnungszeiten

Der kleine Rummel ist ab Mittwoch jeden Tag von 11 bis 20 Uhr geöffnet und endet am 15. September.

Einige Meter entfernt arbeitet Philipp Triska an seinem Plüschtier-Greifer. Der 33-jährige Waiblinger stammt ebenfalls aus einer alteingesessenen Schaustellerfamilie und ist selbst seit dem 18. Lebensjahr im Geschäft. Seine Devise: Das Beste draus machen „Wir haben lange genug gejammert.“ Nur bedauert er, dass die Kirmes nicht wie ursprünglich geplant größer ausfällt.

„Das Problem war, wir hätten die Mess einzäunen und kontrollieren müssen“, erinnert Dingeldein, Vorsitzender des Schaustellerverbands, an die hohen Inzidenzzahlen, die nach der Corona-Verordnung im Frühjahr maßgeblich für die Ausrichtung eines Events waren.

Zurück auf den Messplatz konnte man auch nicht ziehen, weil dort das Testzentrum aufgebaut wurde. Wie künftige Jahrmärkte coronakonform aussehen könnten, hängt davon ab, welche Parameter die kommende Bundesregierung als Maßstab setzt, so ist hinter vorgehaltener Hand zu erfahren.

nach oben Zurück zum Seitenanfang