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Corona ist das große Thema

Pforzheimer Landtagskandidaten setzen beim Endspurt auf persönliche Nähe

Gut eine Woche vor der Landtagswahl setzen die Pforzheimer Landtagskandidaten auf persönliche Nähe zum Wahlvolk und auf charmante Gesten. Inhaltlich spielt die Landespolitik eine geringe Rolle.

Zwischen Käse und Blumen: Pforzheims Landtagskandidaten suchen beim Wochenmarkt auf dem Turnplatz den Kontakt zu Wählerin und Wähler. Neben CDU (hinten), AfD (Mitte) und Die Linke (vorne) sind am Samstag auch FDP, Bündnis 90/Die Grünen und SPD präsent gewesen. Foto: Edith Kopf

Bei Philipp Dörflinger sind es Rosen zum Weltfrauentag an diesem Montag, Felix Herkens zaubert mittels Blumensamen das Lächeln unter die Masken. Oft folgt dann fast schon entschuldigend ein „ich hab‘ schon gewählt“.

Für erfahrene Wahlkämpfer bei der CDU wie bei Bündnis 90/Die Grünen und an den beiden dazwischen positionierten Ständen von AfD und Die Linke ist damit klar, dass die Stimme wohl an die politische Konkurrenz gegangen ist. Ansonsten hätten sie ein „Sie“ oder „Dich“ gehört in dem Satz, der den Aufwand eine Woche vor der Landtagswahl am 14. März geradezu in Frage stellt.

Die vier Landtagskandidaten und ihre Teams lassen sich nicht anmerken, dass doch schon ziemlich viel gelaufen ist in diesem von Corona geprägten Kampf um Stimmen. Es geht um die Unentschlossenen an diesem Samstag beim Wochenmarkt auf dem Pforzheimer Turnplatz.

Das gilt ebenso für Hans-Ulrich Rülke, der mit seinem FDP-Team vor einem Pforzheimer Supermarkt für sich wirbt, wie für die zeitgleich in Ispringen aktive Annkathrin Wulff von der SPD. Alle haben deshalb seit etwa Mitte Februar ihre Straßenpräsenz erhöht.

Corona ist das Hauptthema

Landespolitische Themen spielen dabei so gut wie keine Rolle. „Hauptthema ist Corona und die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Folgen“, sagt Bernd Grimmer. Auf den „Verdachtsfall AfD“ und die Schlappe des Verfassungsschutzes vor Gericht sei er dagegen noch gar nicht angesprochen worden.

Diskussionsstark: Landtagskandidat Bernd Grimmer (Mitte) und seine Wahlkampfhelfer schaffen es immer wieder, Marktbesucher in lange Gespräche zu verwickeln. Foto: Edith Kopf

Er glaube nicht, dass die Sache die Menschen so wahnsinnig beeindruckt. „Es war klar, dass es in diese Richtung läuft, nachdem Maaßen weg war“, verweist der 70-jährige AfD-Abgeordnete auf die Abberufung des früheren Verfassungsschutzpräsidenten und spricht „vom letzten Mittel, über das die Machthabenden verfügen“.

Korruptionsskandal scheint kein Thema zu sein

Korruption und Pandemie-Gewinner in den eigenen Reihen könnten an diesem Samstag Unionsmann Dörflinger beschäftigen. Aber auch hier „ist nichts zu hören“ von dem, was der 24-Jährige „ein Unding“ nennt. Im Vordergrund stehen Pandemiesorgen. Zum Beispiel, dass es mit dem zweiten Impftermin nicht klappen könnte, wenn er nicht extra bestätigt worden ist, wie eine Seniorin vorträgt. Dörflinger und seine Mitstreiterin Oana Krichbaum versichern ihr, dass sich das bei der ersten Impfung klären lasse.

Die meisten Marktbesucher freuen sich über die kleinen Aufmerksamkeiten der Wahlkämpfer, greifen auch mal Kugelschreiber ungeniert ab, ein ernsthafter politischer Austausch aber entsteht selten. Stefan Slamnoiu findet es trotzdem „absolut richtig“, dass die Parteien jetzt nochmal im direkten Kontakt für sich werben.

Jungwähler im Blick: Felix Herkens von Bündnis 90/Die Grünen spricht mit dem Nachwuchs, während sich Vater Stefan Slamnoiu dem Programm des Landtagskandidaten widmet. Foto: Edith Kopf

Der Mann ist bei Felix Herkens stehen geblieben. Während die beiden Kinder beeindruckt auf die Biene schauen, die das Päckchen mit Blumensamen ziert, greift der gebürtige Rumäne gerne nach dem Prospekt, den der 24-jährige Bündnisgrüne ihm in die Hand drückt.

Programm als Gedankenstütze

„Nein“, gewählt habe er noch nicht, sagt Slamnoiu: „Ich brauche noch Zeit, mich zu informieren.“ Der Prospekt ist ihm eine Gedankenstütze. Tatsächlich schaue er dafür ins Internet. Für die Kandidaten bringen die virtuellen Auftritte auf allen Onlinekanälen mehr Parteiprominenz denn je in den Pforzheimer Wahlkampf.

Es fällt auf, dass die Menschen froh sind, dass jemand vorbeikommt.
Annkathrin Wulff, SPD-Kandidatin

Minister und Parteivorsitzende lassen sich blicken – auch bei Annkathrin Wulff. Die 34-jährige Sozialdemokratin, die bereits 2016 für einen Einzug ins Landesparlament kämpfte, setzt dennoch auch jetzt auf Hausbesuche. „Es fällt auf, dass die Menschen froh sind, dass jemand vorbeikommt und zuhört.“

Beherrschende Wirkung entfaltet dieses Bedürfnis am Samstag am Stand von Die Linke. Mit dem Parteiprogramm will sich die Frau nicht beschäftigen, konfrontiert Kandidat Hüseyin Okur dann aber ziemlich unvermittelt mit der Frage: „Wie halten sie’s mit der Kirche?“ Danach ist der 36-Jährige für lange Zeit eher passiv als aktiv in ein Gespräch verstrickt, während die politische Konkurrenz weiter entspannt auf Rosen, Wildblumen und gelegentlich dann doch ein Informationsblatt zu Partei und Landtagskandidat verteilen kann.

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