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Faschingsvereine feiern im Netz

Pforzheimer Narren lassen sich den Spaß nicht ganz nehmen

Am Faschingssonntag, wenn bei den Umzügen im Enzkreis eigentlich der Höhepunkt der fünften Jahreszeit gefeiert wird, sitzen die Mitglieder der Faschingsvereine in diesem Jahr zuhause, um Fotos und Videos anzuschauen. Auch der digitale Narrengottesdienst lockte am Sonntag sehr viele Faschingsfans ins Internet.

Molkefrauen werden zu Fleckenhexen: Zum Faschingshöhepunkt verbreiten die närrischen Dekorationen in der Ersinger Ortsmitte trotz Corona etwas Faschingsflair. Darüber freuen sich „Fledermaus“-Präsident Dominik Kern (links) und Umzugsleiter Robin Brenk. Foto: Torsten Ochs

So ganz lassen sich die Ersinger auch in diesem Jahr den Spaß nicht nehmen. Viele Einwohner der Faschingshochburg haben Fenster und Häuser mit Fledermäusen und Hexen dekoriert. In Schaufenstern sind Fotos aus Faschingskampagnen vergangener Jahrzehnte ausgestellt und in der Ortsmitte vor dem Rathaus hängen bunte Fähnchen, die Kinder gestaltet haben.

Auf die Ersinger ist Verlass. Der Rückhalt aus der Bevölkerung ist enorm.
Robin Brenk, Umzugsleiter der Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“

„Auf die Ersinger ist Verlass. Der Rückhalt aus der Bevölkerung ist enorm“, schwärmt Umzugsleiter Robin Brenk. Begeistert sind die Faschingsfans auch von der digitalen Kampagne, die in der Region einmalig sein dürfte. Seit Mitte Januar veröffentlicht ein Team aus neun Fledermaus-Mitgliedern regelmäßig Fotos, Videos und Bildershows auf ihrer Internetseite und in den sozialen Medien.

Einen digitalen Umzug gab es auch am Faschingssonntag. 26 Gruppen schickten Bilder und Clips aus vergangenen Jahren ein, die viele Erinnerungen wecken und verdeutlichen, was den Ersinger Umzug ausmache, so Brenk. Der Umzugsleiter hat das Material zu einem langen Video zusammengeschnitten. Umzugssprecher moderieren den Film.

Viel Zeit und Herzblut in digitale Kampagne investiert

„In die digitale Kampagne hat das Projektteam seit Oktober viel Zeit und Herzblut investiert und alles umgesetzt, was möglich war“, sagt „Fledermaus“-Präsident Dominik Kern stolz. Und das Ergebnis sei außerordentlich. Dass der Umzug bei Kaiserwetter nur digital stattfinden könne, sei sehr schade.

Andererseits rage die digitale Kampagne aus der Vereinsgeschichte heraus und habe bei der Bevölkerung Eindruck hinterlassen, so Kern. Ein Vorteil sei auch, dass sich der Verein in den vergangenen Monaten ein Bild- und Videoarchiv aufgebaut habe, unter anderem von allen Prinzenpaaren seit 1957.

Viele Faschingsvereine feiern Fasching im Netz

Die meisten Faschingsvereine in Pforzheim und Enzkreis hielten die närrische Fahne hoch und erinnerten ihre Fans an die fünfte Jahreszeit. Mitglieder des Neuhausener Hau-Hu beispielsweise haben die Ortsmitte dekoriert, die Spaßvögel Singen laden auf Facebook zum närrischen Gewinnspiel ein und viele Vereine werfen mit Videos und Fotos den Blick zurück auf Kampagnen der vergangenen Jahre. „Irgendwie wollten wir die Kampagne 2020/2021 doch nicht ohne ein wenig Fasnet über die Bühne gehen lassen“, sagt Hau-Hu-Präsident Heiko Stoll.

Hunderte sehen bei Narrengottesdienst zu

Eine große Schar versammelte sich am Faschingssonntag auch beim einstündigen Narrengottesdienst, der dieses Mal allerdings nicht in der Stadtkirche stattfand, sondern im Internet. Moderiert von Pfarrerin Heike Reisner-Baral gab es Live-Schaltungen zu Mitgliedern von Faschingsvereinen und kurze musikalische und tänzerische Einspielungen. Unter den Hunderten von Zuschauern waren auch Faschingsfans aus Schweden, Düsseldorf und Konstanz. Zugeschaltet war mit Norbert Heizmann eine Legende der Konstanzer Fastnacht.

Alle Interviewpartner – von Hartmut Seifried (Kieselbronner Gugge Gaiße) über Björn Fix (Pforzheimer Faschings-Gesellschaft) bis hin zu Thomas Häffelin (Kräheneckhexen) – betonten, dass ihnen eines in diesem Jahr besonders fehlt: die Gemeinschaft. Die Faschingsnarren hoffen daher auf eine „megatolle“ Kampagne 2021/2022 und sahen den digitalen Narrengottesdienst wie ein Zuschauer, der im Chat schrieb: „Schöne Veranstaltung. Sie hat wenigstens ein ein bisschen Fasnet nach Hause gebracht.“

Programm auch am Rosenmontag

Die Fledermaus-Kampagne geht am Rosenmontag mit einem digitalen Beitrag zum Kinderumzug weiter. Kinder reichten hierfür Bilder und Videos ein. Am Aschermittwoch ist die Hexenverbrennung das Thema. Dann geht es schon bald an die Planung künftiger Projekte wie Sommerfest, Generalversammlung und die nächste Kampagne, die hoffentlich wieder analog stattfinden wird.

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