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Gutachter rät zu Therapie

Prozess um Feuer in Pforzheim-Brötzingen: 32-Jährige gesteht Brandstiftung

Sechsmal hat es im Januar in Brötzingen gebrannt – innerhalb von gerade einmal zwei Wochen. Die mutmaßliche Brandstifterin steht jetzt vor Gericht. Der Gutachter sieht verminderte Schuldfähigkeit und rät zu einer Therapie.

Einsatz in der Nacht: Am 30. Januar musste die Feuerwehr einen Gartenhausbrand in der Dietlinger Straße löschen. Die Tatverdächtige ist eine 32-jährige Frau. Nun steht sie vor Gericht. Foto: Igor Myroshnichenko

Vom 15. bis 30. Januar gingen ein Wohnwagen-Anhänger, ein Wohnmobil, eine Thuja-Hecke, Holzstapel auf Gartengrundstücken, zwei Schuppen auf dem Gelände der Arlingerschule, ein Lkw und eine Gartenhütte in Flammen auf.

Als die Polizei die Umgebung überwachte und Kameras aufstellte, ging ihnen die Brandlegerin ins Netz. Am Donnerstag stand die 32-Jährige wegen schwerer Brandstiftung vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Oliver Weik.

Einige Brände räumte die junge Frau unumwunden ein, an andere konnte sie sich nicht erinnern. „Das kann ich nicht gewesen sein“, meinte sie. „Ich habe keinerlei Erinnerung daran.“ Wohnwagen, Wohnmobil und Thuja-Hecke lagen allerdings, genau wie die anderen Brandherde, in ihrer Wohnumgebung. Bei einer Hausdurchsuchung nach ihrer Festnahme wurden Stiefel mit zu den Fußabdrücken passenden Sohlen an einem der fraglichen Brandobjekte festgestellt.

Prozess um Feuer in Brötzingen: Angeklagte hat Alkohol- und Drogenprobleme

Wie die Angeklagte einem einfühlsam fragenden Vorsitzenden berichtete, ist sie spielsüchtig, hat ein Alkohol- sowie ein massives Drogenproblem. Über ihre Kindheit äußerte sie sich sparsam; dass sie zu Tagesmüttern abgeschoben wurde, die wenig mütterlich waren. Sie wurde eingesperrt, durfte nicht mit den anderen Kindern spielen.

Wenn es brannte, fühlte sie sich besser.
Gutachter im Brandstifter-Prozess

Sie besuchte das Gymnasium, machte den Realschulabschluss, begann Ausbildungen, die sie nicht abschloss, geriet an einen Freund, der verlangte, dass sie das Zuhause in Schuss hielt und ansonsten dieses kaum verließ. Als die Beziehung 2020 zerbrach, blieben ihr die Drogen und der Alkohol, die ihr mangelndes Selbstvertrauen aufbauten. „Wenn es brannte, fühlte sie sich besser“, erläuterte der Sachverständige. „Ähnlich Menschen, die sich selbst schneiden.“

Prozess in Pforzheim: An manche Vorfälle erinnert sich die Angeklagte nicht mehr

Wie er in seinem Gutachten ausführte, handelte die junge Frau im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit. Dank einer weitgehend lieblosen und traumatisierenden Kindheit, in der sie sich zurückgesetzt fühlte, wenig Sozialkontakte hatte, fehlten ihr Schutz und Sicherheit, so der Psychiater. Mit 13 Jahren, nach einem Missbrauch, trank sie zum ersten Mal Alkohol, mit 16 kiffte sie, dann folgten Amphetamine, gelegentlich Koks.

Amphetamine, erklärte der Gutachter, könnten Erinnerungen auslöschen. Es sei durchaus möglich, dass sich die Angeklagte an manche Vorfälle nicht erinnern könne, auch wenn sie bei polizeilichen Vernehmungen völlig nüchtern gewirkt habe. Sie benötige dringend eine langfristige Therapie, zu der sie auch bereit sei.

Die junge Frau steht wegen einiger kleiner Ladendiebstähle und dem Klau von Blumen und Kerzen aus Gartenhütten unter Bewährung. Ihre Bewährungshelferin beschrieb sie als „hochmotiviert, offen und kooperativ“. Auch im Gefängnis zeige sie ein tadelloses, „beanstandungsfreies Verhalten“, wie sie von der Anstaltsleitung gehört hatte.

„Ich bin dem Gefängnis dankbar“, gestand die Angeklagte. „Ich lebe ohne Drogen, kann mich über einen Apfel, eine Banane oder die Sonne freuen.“ Die Verhandlung wird am 1. Juli fortgesetzt. An diesem Tag ist auch mit dem Urteil zu rechnen.

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