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Beratungen zu Geschlechtsidentität

Projekt „Queer Space“ der Aidshilfe in Pforzheim fehlt finanzielle Unterstützung

Queere Jugendliche kämpfen oft mit psychischen Problemen. Für sie gibt es in Pforzheim ein Beratungsangebot der Aidshilfe. Doch diesem droht das Aus.

Bangen um die Zukunft: Caleb Davies und Claudia Jancura (von links) betonen die Bedeutung des Projekts Queer Space für queere Menschen. Foto: Vincenzo Termini

Für queere Menschen ist es oft schwierig, die richtige und fachkompetente Hilfe zu erhalten, die sie benötigen. Mit dem Wort „queer“ sind etwa lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, intersexuelle, asexuelle, und pansexuelle Menschen gemeint.

Gerade in der Region Pforzheim ist das Hilfsangebot für sie rar. Das Projekt „Queer Space“, das von der Aidshilfe Pforzheim ins Leben gerufen wurde, bietet ihnen und ihren Angehörigen Beratungsgespräche rund um das Thema Geschlechtsidentität und Sexualität an.

Doch dieses Angebot ist nun in Gefahr, denn das Projekt steht vor einer finanziellen Herausforderung.

„Queer Space“ in Pforzheim wurde schnell zum Selbstläufer

2017 wurde Queer Space als eine Art Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Diese wurde schnell zu einem Selbstläufer. „Wir haben niemals gedacht, dass so viel Bedarf da ist“, erinnert sich Claudia Jancura, Leiterin der Aidshilfe Pforzheim.

Wir haben niemals gedacht, dass so viel Bedarf da ist.
Claudia Jancura, Aidshilfe Pforzheim

Von Januar bis Dezember 2020 fanden 156 Beratungsgespräche mit 42 Klienten statt. Darüber hinaus gab es noch zahlreiche Telefon- und E-Mail-Beratungen.

Wenn die Klienten Hilfe suchen, wissen sie meistens schon recht gut darüber Bescheid, was sie brauchen: nämlich Unterstützung. So bewertet Caleb Davies, Projektleiter von Queer Space, die Beratungsgespräche.

Er unterstützt die Hilfesuchenden nicht nur beim Thema Sexualität, sondern auch bei ihren Outings oder beispielsweise dem Etablieren neuer Pronomen oder Vornamen, wenn ihre Geschlechtsidentität nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht. „Sie haben das Gefühl, die Außenwelt möchte Beweise von ihnen, dass das wirklich so ist“, begründet Davies, warum diese Unterstützung so wichtig ist.

Corona-Lockdown belastet viele queere Jugendliche

Nicht selten gehen sind queere Menschen Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen betroffen – nach Angaben der Aidshilfe dreimal häufiger als der Rest der Bevölkerung. Risikofaktoren seien etwa Diskriminierung und mangelnde Unterstützung durch das Umfeld.

Gerade bei Psychologen, beurteilt Davies seine Erfahrung, fehle das Fachwissen zu dem Thema. Diese mangelnde Kompetenz sieht er ebenfalls als einen Grund für den Mangel an Beratung in Pforzheim und dem Enzkreis. „Es ist kein Thema, mit dem man sich überall Freunde macht“, sagt Davies.

Vor allem der Lockdown habe vielen queeren Jugendlichen nicht gut getan. „Jugendliche, die vorher glücklich waren, kommen jetzt vielmehr mit Ängsten an“, bewertet Davies das Jahr zu Hause. Einige erfuhren sogar psychische und physische Gewalt daheim. Queer Space biete den Betroffenen oft den einzigen Ort, an dem sie sich nicht verstecken müssen.

Aidshilfe Pforzheim wünschen sich Anerkennung

Für die Beratungsgespräche sieht das Land eine Fallpauschale von fünf Sitzungen pro Person vor. Allerdings braucht es oft mehr Beratungen über einen längeren Zeitraum – wofür nun die Gelder fehlen.

Das würde für die Betroffenen bedeuten, dass man sie nach fünf Sitzungen abweisen muss. Zwar arbeitet Queer Space eng mit der Schulsozialarbeit und den Jugendämtern zusammen, aber den gewünschten Umfang können sie nicht ohne zusätzliche Finanzierung stemmen.

Daher wünschen sich die Aidshilfe Pforzheim und Queer Space nicht nur finanzielle Unterstützung von der Stadt und dem Enzkreis, sondern auch Anerkennung.

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