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Wirtschaftsausschuss begrüßt digitale Erfassung

Radfahrer-App bringt Infos für Handel und Straße in Pforzheim

Pforzheim setzt auf die aktive Mitwirkung von Einwohnern und Firmen, um Grundlagen für den Bau von Straßen und Radwegen zu bekommen. Während die einen digital übermitteln, wie sie mit ihren Fahrrädern Kilometer machen, werden sie von den anderen belohnt.

Eine App soll in Pforzheim zeigen, wie viele Leute auf das Fahrrad setzen und welche Routen sie dafür benutzen. Foto: Edith Kopf

Wann endlich ist das Pforzheimer Rathaus digital? Sinngemäß in dieser Frage mündete im Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung ein detailreicher Sachstandsbericht zum Abschied von der analogen Stadtverwaltung. Michael Hermann stellte dabei den Erfolg der ePay-Funktion „beim Bezahlen von Knöllchen“ heraus – „es geht schneller“ – und kündigte für 2022 die Online-Zulassung von Autos an.

An den Erfolg, den Baureferent Marc Feltl später mit der Aussicht auf die App-basierte Fahrradkampagne bikePF hatte, kam der Organisationsleiter im Personal- und Organisationsamt aber nicht heran. Den Stadträten fehlte ein Zeitplan.

Keine Probleme mit derartigen Anforderungen hatte der Leiter von Wirtschaft und Stadtmarketing, Oliver Reitz. Er schüttete dem Gremium „ein Füllhorn“ von Aktivitäten zur Stärkung des Einzelhandels aus, wie Carol Braun (FW) bemerkte. Wesentlich dabei waren Hilfestellungen für den Einzug in die digitale Vermarktung. Dazu gehört am 3. Dezember ein „Golden Friday“. Er soll laut Reitz an den erfolgreichen „Golden Sunday“ während der Pandemie-Schließung anknüpfen. Die Resonanz dazu aus dem Handel sei schon jetzt erfreulich hoch.

Keine Markthalle im Kaufhof-Pavillon

Positiv reagierte der Ausschuss auf eine mögliche Bundesförderung für die Wiederbelebung einer Citymarketinggruppe, die Handel, Gastronomie und Immobilienbesitzer ebenso vereint wie die Einkaufszonen in der Innenstadt. Bei einer ebenfalls in die Förderung einbezogenen Markthalle erfuhr Maximilian Müssle (CDU) auf Nachfrage, dass eine bereits diskutierte Nutzung des Kaufhof-Pavillons dafür eher nicht in Frage komme.

„Super spannend“ wurde es aus Sicht von Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) beim Thema Fahrrad-App. Feltl stellte ein digitales Instrument vor, das Radfahrern entsprechend ihrer Bedürfnisse sportliche, gemütliche und schnelle Routen und andere Dienstleistungen anbietet und gleichzeitig Daten liefert, welche Strecken wo gebraucht werden und auf welchen Straßen nichts geht. „Das versetzt die Verwaltung in die Lage, die Radinfrastruktur da zu bauen, wo Radfahrer unterwegs sind.“

Um ein Radverkehrsnetz zu optimieren, muss man erstmal eines haben.
Stefanie Barmeyer, Grüne

Auf die Straße und zum Pforzheimer Einzelhandel beziehungsweise zum Arbeitsplatz geführt werden soll die App über ein Motivations- und Belohnungssystem: Die Teilnehmer sammeln mit jeder Tour Bonuspunkte, die gespendet oder bei Gastronomie und Handel sowie für betriebliche Angebote eingelöst werden können.

Abgesehen von den so entstehenden Kundenkontakten, können teilnehmende Unternehmen dabei auf Erkenntnisgewinn hoffen. So sollten sie nach zwei Jahren am Ende der Kampagne wissen, wie wichtig für Pforzheimer und Enzkreisbewohner beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz das Fahrrad oder andere Verkehrsmittel sind.

Gemeinderat tut sich mit Radwegen schwer

Finanziell schlägt die anonyme Erfassung des Radfahrverkehrs mit 300.000 Euro zu Buche, von denen das Land 150.000 übernimmt. Während Annkathrin Wulff (SPD) enthusiastisch „eine wirklich gute Idee“ begrüßt, Philipp Dörflinger (Junge Liste) „ein großes Kompliment“ ausspricht und Müssle sich öfter solche Vorlagen wünscht, merkt Stefanie Barmeyer (Grüne) an: „Um ein Radverkehrsnetz zu optimieren, muss man erstmal eines haben.“

Dem Gemeinderat falle es schwer, dafür zu sorgen, dass tatsächlich Radwege gebaut werden, kritisiert auch Christof Weisenbacher (Wir in Pforzheim) und zeigt sich „nicht super optimistisch“. Für AfD-Mann Alfred Bamberger zählt, dass 300.000 Euro Steuergeld ausgegeben werden und er regt an, die Volksgesundheit stattdessen durch eine Anti-Zucker-Kampagne zu stärken.

Ganz am Rande der Sitzung spielte übrigens auch das von der Firma Bader angestrebte Factory Outlet Center im Brötzinger Tal eine Rolle. „Es gibt keinen neuen Sachstand“ erfuhr der Wirtschafts- und Digitalsierungsausschuss.

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