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Besuch an Schule

Rapper Ben Salomo sieht strukturelle Probleme im Business

Zu Gast an der Ludwig-Erhard-Schule in Pforzheim: Rapper und Autor Ben Salomo spricht mit Schülern über Antisemitismus. Er verdeutlichte, dass Antisemitismus nicht nur in der Vergangenheit existiert hat, sondern heute präsent sei.

Ben Salomo, einer der erfolgreichsten und außergewöhnlichsten Rapper Deutschlands und Träger des Pforzheimer Friedenspreises, ist zu Gast an der Ludwig-Erhard-Schule. Foto: Roland Wacker

„Lasst uns den ganzen Lügen, Legenden und Gerüchten, die über Minderheiten verbreitet werden, widersprechen“, fordert Ben Salomo in Pforzheim. Nur so könne der Hass enden.

„Lügen und Gerüchte verändern die Wahrnehmung, verbreiten Hass und Hetze.“ Doch warum verbreiten sich Legenden und Lügen so enorm weit? „Sie sind spektakulärer, spannender und breiten sich da aus, wo Unwissenheit existiert“, so die These des Musikers. Die Wahrheit sei häufig langweiliger und komplizierter.

Ben Salomo, einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und erster Träger des Internationalen Pforzheimer Friedenspreises, hat seine ganz persönlichen Erfahrungen damit gemacht, wie man durch Judenhass und seit Jahrtausenden verbreitete Lügen und Gerüchte über Juden plötzlich anders wahrgenommen wird.

Unvergessliche Schulstunde über Antisemitismus

Am Dienstagvormittag war er zu Gast an der Ludwig-Erhard-Schule und bereitete den rund hundert Schülerinnen und Schülern eine unvergessliche Schulstunde über Antisemitismus. Er verdeutlichte, dass Antisemitismus nicht nur in der Vergangenheit existiert hat, sondern heute präsent sei – und sich gerade in Deutsch-Rap-Videos ungeheuerlich schnell verbreite.

Ben Salomo ist der Künstlername von Jonathan Kalmanovich. Er wurde 1977 in Israel geboren, kam 1981 nach Deutschland, wuchs in West-Berlin auf. Musik war in der Familie „eine große Sache“. Ihm machten zudem Gedichte und Reimen Spaß.

Durch die Verbindung beider Welten miteinander öffnete sich „ein neues Universum für mich“. Im Rap konnte er seine Emotionen verarbeiten, ausdrücken und aus negativen Erlebnissen etwas Gutes, einen Song, machen. 1997 begann er mit Hip-Hop-Musik.

Salomo baute in Berlin die größte Battle-Rap-Bühne Deutschlands auf

„Damals kannte das noch keiner.“ Er baute in Berlin die größte Battle-Rap-Bühne Deutschlands auf, einen Talentwettbewerb für Rapper. Das Veranstaltungsformat „Rap am Mittwoch“ wurde acht Jahre lang auf Youtube übertragen und war mit 420.000 Abonnenten überaus erfolgreich. „Es war mein Baby, mein Lebensunterhalt.“

Trotzdem hat Salomo dem „Rap am Mittwoch“ im Mai 2018, nachdem er zwei Jahre lang mit sich um die Entscheidung gerungen hatte, ein Ende bereitet. Der triftige Grund war: „Antisemitismus und Judenhass in der Deutschrap-Szene“. Struktureller Antisemitismus bei Managern, Labels, Journalisten, Djs und Fans, „die den Judenhass in sich tragen, aber so tun, als ob es ihn nicht gäbe“.

In Deutschland könne jeder sagen, was er will, „aber sobald jemand sagt, dass er Jude ist, wird er anders wahrgenommen“, so der Eindruck des Künstlers. Mit Kronzeugen aus dem Rapper-Millieu hat Salomo seinen Song „Kronzeuge“ gemacht, in dem er den Deutsch-Rap musikalisch auf die Anklagebank setzt.

Über Bilder von Deutsch-Rappern die den faschistischen Hitler-Gruß verbreiten, mit dschihadistischer Bildsprache werben, Rap-Texten, die Terroranschläge glorifizieren und der Benennung von faschistischen Verbindungen erfolgreicher Manager in der Szene, zeigte Salomo den Schülern auf, dass „fast alle Rapper mit kriminellen Syndikaten in Verbindung und zum Teil in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen“. Alles Dinge, der der jüdische Rapper auch hinter den Kulissen zu spüren bekam.

Wieso solche Videos online bleiben? „Weil die Aufklärung über Dresscode und Bildsprache fehlt. Weil Leute nicht auf den Button ,melden‘ gehen. Und weil es Leute gibt, die damit Geld verdienen“, konstatierte Salomo.

Eine aktuelle Studie habe gezeigt, dass Jugendliche, die viel Gangsta-Rap hören, zu 56 Prozent antisemitischen und frauenverachtenden Aussagen zustimmen. „Ein großes Problem für die Zukunft.“ Daher forderte Salomo alle auf: „Tragt die Botschaft weiter“ und performte als Zugabe seinen Song „Kennst du das?“.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung, die sich gegen Diskriminierung einsetzt.

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